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Drei Tage im Ungewissen – die Angst vor Bodenfrost

Die letzten Tage war es nochmals frostig in den Bündner Weinregionen. In Fläsch, Maienfeld und Malans haben Rebbauern Frostkerzen entzündet. Massive Schäden sind jedoch nicht entstanden.

Andri
Nay
Mittwoch, 08. Mai 2019, 04:30 Uhr Weitere kalte Nächte
Ungenutzte Kerzen: Winzer Ueli Liesch zeigt sich zufrieden mit seinen Reben - die Frostkerzen mussten bisher nicht entzündet werden.
MARCO HARTMANN

Minus 3,2 Grad in Zizers und minus 0,3 Grad in Malans wurden in der Nacht von Montag auf Dienstag in Bodennähe gemessen. Diese frostigen Temperaturen liessen bei den Winzern die Alarmglocken läuten. In Fläsch, Maienfeld und Malans haben «eine Handvoll Bauern» Frostkerzen angezündet, wie Rebbaukommissär Hans Jüstrich auf Anfrage erklärte. Doch von grösseren Schäden sind die Winzer in Graubünden verschont geblieben – einzig bei jungen Reben seien einige Triebe abgestorben. Dies im Gegensatz zur übrigen Schweiz, wo Temperaturen vom Bodensee bis zum Genfersee mit bis zu minus acht Grad so manchen Rebbauer verzweifeln liessen.

«Glück gehabt»

Dank einer Wolkendecke, die sich über dem Kantonsgebiet hielt, blieb Graubünden von extremen Minustemperaturen verschont. Ausserdem sagte Jüstrich: «Wir haben Glück gehabt, dass die Triebe trocken waren.»

Dennoch bescherten die tiefen Temperaturen den Bündner Winzern unruhige Nächte. «Ich bin in der Nacht mehrmals aufgestanden, um die Temperatur zu prüfen», sagt der Malanser Weinbauer Ueli Liesch. Auf dieses Jahr hat er sich Frostkerzen angeschafft, aber diese musste er bisher noch nicht einsetzen. «Letzte Nacht hat das Thermometer um die null Grad angezeigt, aber die Triebe waren zum Glück nicht erfroren.»

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Reben treiben früher aus

Liesch führt seinen Betrieb in Malans seit 1991, und seit gut 40 Jahren ist er als Winzer tätig. «Die Häufigkeit von spätem Frost in den letzten Jahren ist ungewöhnlich», sagte er. Er stelle fest, dass die Reben immer früher austreiben würden. In den Jahren 2016 und 2017 hat der späte Frost Liesch Teile der Ernte gekostet. «30 Jahre lang hatten wir nie Probleme mit Frost. In den letzten Jahren war es immer ein Thema», so Liesch.

«30 Jahre lang hatten wir nie Probleme mit Frost.»

Dass die Reben früher austreiben, kann auch der Rebbaukommissär feststellen. Er kann es sogar belegen – mit Zahlen, die der Plantahof seit 1977 über die Blauburgunder-Reben erhebt. Demnach erreichen Reben «die Eckpunkte ihrer Jahresentwicklung zehn bis 20 Tage früher. «Ob diese Entwicklung nun dem Klimawandel geschuldet ist oder nicht, wissen wir nicht. Fakt ist: Die Bündner Reben treiben früher aus», so Jüstrich.

Frostkerzen nützen wenig

Nach Wetterprognosen von Meteo Schweiz könnte es Anfang nächster Woche nochmals zu Frostnächten kommen. Doch was können die Rebbauern tun, um ihre Reben zu schützen? Gemäss Jüstrich gibt es zwei wirksame Massnahmen: Erstens das Gras mähen, damit die kalte Luft abfliessen kann und zweitens sogenannte Frostreserven (zusätzliche Triebe) stehen lassen.

Über die Effektivität der häufig genutzten Frostkerzen hat Jüstrich im letzten Jahr mehrere Tests in Fläsch durchgeführt. Die Resultate seien ernüchternd: «Mit Frostkerzen kann die Temperatur um maximal ein Grad erhöht werden. Sie nützen praktisch nichts.» Massnahmen, die hingegen helfen können, seien Regendächer mit Schläuchen, welche den Reben warme Luft zuführen und Frostberegnungen.

Zum Glück nichts passiert👌🏻

Gepostet von Roman Hermann am Montag, 6. Mai 2019

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