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Bündner Bauern sind bio und fahren gut damit

In der Schweiz herrscht Bioboom. Und ganz vorne mit dabei ist der Kanton Graubünden. Kein anderer Kanton hat einen grösseren Anteil an Bio-Bauernhöfen. Für Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbands ist klar: Das Bewusstsein für den regionalen Einkauf spielt den Bündner Bauern in die Karte.

Bettina
Cadotsch
Freitag, 05. April 2019, 04:30 Uhr Trend mit Zukunft

Derzeit wirtschaften 6719 Bauernbetriebe in der Schweiz und dem Liechtenstein nach den Richtlinien von Bio Suisse. Das sind 296 mehr als noch im Jahr 2017. Schweizweit haben 14,4 Prozent alles Landwirtschaftsbetriebe auf Bio umgestellt. Zwischen den Kantonen gibt es aber sehr grosse Unterschiede. Besonders gut schneidet der Kanton Graubünden ab: Nach dem Kanton Bern mit 1268 Biobetrieben folgt Graubünden mit 1249. Bereits deutlich entfernt von diesen Zahlen liegt der Kanton St. Gallen mit 461 Betrieben auf Platz drei. Ganz vorne ist der Kanton Graubünden beim prozentualen Anteil der Biobetriebe. Rund 60 Prozent alles Bündner Bauern produzieren nach den Bio-Richtlinien. Zum Vergleich: Im Kanton Bern liegt der Anteil bei 12,3 Prozent.

Die Bündner haben es früh gemerkt

Für Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbands sind diese Zahlen sehr erfreulich. Es sei von grossen Nutzen, dass der Kanton Graubünden sehr früh auf den Biotrend gesetzt habe und bereits eine lange Tradition der grünen Knospe feiere. «Das Bio-Label geniesst bei den Menschen eine hohe Wertschätzung», so Roffler.

Trotzdem drängt sich die Frage auf, weshalb die Bündner dem Biotrend viel stärker folgen als andere Schweizer Bauern. Für Roffler gibt es mehrere Gründe, die für diesen hohen Anteil sprechen. «Wir haben gute Infrastrukturen in den Ställen und einen hohen Anteil an Naturwiesen», so Roffler. Nicht nur die Voraussetzungen seien gegeben, die Bündner Landwirtschaft sei gegenüber «Neuem» immer schon sehr offen gewesen. «Wir haben immer mitgemacht, wir haben die Organisation Bio Grischun und beispielsweise auch viele Käsereien unter dem Label Bio.» Nicht zuletzt ist es für Bauern wirtschaftlich gesehen lukrativer, weil sie mit Bioprodukten auf dem Markt einen höheren Preis verlangen können.

Ab wann geniesst ein Betrieb die Vorteile des Bio-Labels? In der Schweiz brauche es im Vergleich zum Ausland mehr: «Man muss gesamtbetrieblich «bio» sein», so Roffler. Das bedeutet, dass alle Teile eines Betriebes, nach Bio-Vorschriften produzieren müssen. Beispielsweise gebe es eine doppelte Absetzfrist beim Antibiotika, oder Limiten beim Kraftfuttereinsatz – um nur wenige Richtlinien zu nennen.

Ein Trend, der immer mehr Fahrt aufnimmt

Bioprodukte konnten nicht nur umsatzmässig zulegen, sondern geniessen auch in der Öffentlichkeit eine zunehmende ideelle Unterstützung. Menschen setzen vermehrt auf einen nachhaltigen Lebensstil und kaufen bewusster ein. Dies machen auch die Zahlen deutlich: Mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer kauft inzwischen täglich oder mehrmals wöchentlich Bioprodukte. Dies sind pro Kopf und Jahr bereits 360 Franken, was ein neuer Rekord ist.

Zu den beliebtesten Bioprodukten gehören Eier, Brot, Gemüse und Früchte. Fisch und Fleisch haben bisher noch einen kleineren Marktanteil, generieren jedoch von allen Biolebensmitteln am drittmeisten Umsatz. Roffler hält aufgrund solcher Daten fest, der Markt wird für Bioprodukte weiterhin profitabel sein. «Gerade, wenn man die politischen Diskussionen rund um das Klima und um die Nachhaltigkeit beobachtet, kann man sagen, dass das dem Bioanbau in die Karten spielt. »

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