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Churer Professor kommt mit Flugzeug zur Arbeit

Klimastreiks sorgen zurzeit für Aufsehen. Der Studienleiter Tourismus der HTW Chur postet derweil ganz entspannt ein Bild von seinem Arbeitsweg – mit dem Flugzeug. Gelegentlich pendelt er so vom Wallis nach Graubünden.

Nadine
Hinder
Donnerstag, 28. März 2019, 21:59 Uhr Tourismus HTW Chur
Der Hobbypilot reist gelegentlich mit dem Flugzeug zur Arbeit.
INSTAGRAM

Derzeit finden viele sogenannte Nachhaltigkeitswochen an Schweizer Hochschulen und Universitäten statt. Ziel dieser Kurse sei, die Studierenden für ökologische Probleme zu sensibilisieren, wie 20 Minuten berichtet. Auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur wurden kürzlich solche Kurse durchgeführt. Diese mit besonderem Fokus auf nachhaltiges Reisen.

Was nicht als «nachhaltiges Reisen» verstanden wird, ist das Reisen mit dem Flugzeug. Professor Thorsten Merkle, Tourismus-Studienleiter der HTW Chur, postete jedoch kürzlich fröhlich ein Bild seines Arbeitsweges mit dem Flugzeug auf der Instagram-Seite der HTW Chur. Er lebe im Wallis und pendle mehrmals in der Woche zwischen Wohn- und Arbeitsort quer durch die Schweiz, schreibt die HTW im Post. Ganz der Touristiker mache er dies bei gutem Wetter manchmal mit dem Flugzeug. So zum Beispiel letzte Woche zum Frühlingsanfang.

Nachhaltigkeit sei ihm wichtig

Professor Merkle ist sich der Nachhaltigkeitsdebatte bewusst. «Natürlich kann man die Nachhaltigkeit einer gelegentlichen An- und Abreise zur Arbeit mit dem Flugzeug in Frage stellen, das sollte man sogar. Pendeln ist per se nicht nachhaltig.», wird er in dem Post zitiert. «Die ökologischen Folgen des (Hobby-) Fliegens kompensiere ich dadurch, dass ich kein Auto besitze. Auf einer sozialen Ebene liegen die Vorteile auf der Hand. Und einen 50-jährigen Oldtimer zu betreiben (…) schafft Arbeitsplätze in der Region.» rechtfertigt er sich.

Verbesserungspotenzial auf allen Ebenen

Die HTW Chur erklärte gegenüber 20 Minuten, dass es ihr nicht anstehe über die Freizeitaktivitäten, wozu auch der Arbeitsweg gehöre, ihrer Angehörigen zu urteilen. Die HTW Chur sei engagiert ihre Angehörigen, seien es Studierende, Mitarbeitende oder Lehrbeauftragte, für die Thematik zu sensibilisieren. «Wie in der Gesellschaft als Ganzes gibt es auch an der HTW Chur diesbezüglich Verbesserungspotenzial», meint Sprecherin Flurina Simeon gegenüber dem Nachrichtendienst.

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Ein Flugverbot oder das Verpönen der Fliegerei ist nicht zielführend und auch nicht realistisch. Wir müssen für die Fliegerei - so wie es beim Privatverkehr passiert - technische Lösungen finden, klimaneutral zu fliegen. Oder glaubt jemand tatsächlich, dass wir in dieser globalisierten Welt auf das Fliegen verzichten könnten / würden?

Thomas Degen, die Naturgesetze gelten für jeden (auch für Sie). Ihren Text finde ich (schrecklich, leider dürften Sie die Mehrheit repräsentieren) ähnlich kognitiv ignorant wie die Raucher, die trotz Packungsaufschrift "Rauchen ist tödlich" weiterrauchen (wobei man aufs Fliegen sogar leichter verzichten könnte).

Aber Sie werden weiterfliegen (wenn Ihnen das nicht Übergeordnete verwehren), so wie der Sozialleiter eines Kantonsspitals es sagte: Manche Menschen sterben lieber, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern würden.

Danke, Nadine Hinder, dass Sie das an die Öffentlichkeit bringen.
1) Ein HTW-Professor, der seine Umweltschädigung mit "Arbeitsplätzen" rechtfertigt (DIE obsolete und unlogische Todsünde bzw. Totschlagargument schlechthin).
2) Die HTW, die das Ganze "nichts angeht", weil fehlende Zivilcourage das A und O zur Verhinderung des man-made Weltuntergangs ist.
Wen es aber garantiert etwas angeht, ist der Souverän – wir sind es nämlich, die diese HTW- und GRF-Touristiker vollstopfen, damit sie voll den Ferntourismus pushen, und hier geht es nicht um einen Oldtimer (wie die schrecklichen Oldtimerrennen-Abgasexzesse auf GR-Strassen) in der Luft eines Professors vom Wallis nach GR, sondern um Heuschreckenschwärme von Antipoden – DAS fällt ins Gewicht.
Verantwortung ist nicht delegierbar, sagte Helmut Schmidt. Wer nochmal einen Politiker wählt, der GRF und HTW subventioniert, macht sich so zum Helfershelfer.
Die Ferntourismus- "Strategie" von GRF/HTW hat zwei Negativkonsequenzen:
1) Umweltschädliche Fehlerfortsetzung/-steigerung.
2) Mein Gesundheitstourismus (als GR-Turnaround und Vorbild für die Welt) wird nicht bearbeitet.
...
https://www.suedostschweiz.ch/tourismus/2018-11-29/graubuenden-ferien-e…
Sie meinten, NOCH schlimmer könne GRF (und Kantons-Parolini, der es ihnen spendiert) nicht werden? Ist jedoch so ziemlich die einzige Fähigkeit, die ich denen zutraue.
GFR wolle mehr "Internationale Gäste" anziehen.
Dass das exakt totalfalsch sein dürfte-könnte-müsste (erst recht für Klientel/Cashcows aus Fernstost und... äh Saudiarabien), schrieb ich bereits hier:
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2018-02-03/wyrsch-superstar
Anti-Nachhaltigkeit! "Der Bundesgesundheitsminister warnt: Der Aufenthalt auf diesem Planet kann Ihre Gesundheit gefährden." Dass GR(F) mit Regionalität-Verwurzeltheitskultur-Umweltschutz oder gar äh... Gesundheitstourismus wirbt: ich finde es notorisch beelendend täuschende Selbstbeweihräucherung.
Kürzlich lautete die "Strategie" (welch wunderlich Wort seit GRF) noch: "Mehr Schweizer Gäste und aus dem umliegenden Ausland". Die wechseln ihre Strategien schneller als das Wetter: ein Zeichen für Charakter oder ein Leitsymptom konfusioneller Inkompetenz?
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2017-07-09/kerngeschaeft-hand…
Statt Turnaround noch mehr in die Multimisere, das ist mein Befund.

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