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Seilbahnen von Charmey am Ende

Die überschuldete Seilbahngesellschaft von Charmey FR hat am Freitag ihre Bilanz deponiert. Die Gemeindeversammlung hatte im letzten November eine Steuererhöhung abgelehnt, um den Betrieb der Bahnen aufrecht zu erhalten.

Agentur
sda
Freitag, 15. März 2019, 15:59 Uhr Charmey FR
Die Seilbahnen mit der neuen Gondel Rapido Sky sollten die Basis für einen Ganzjahrestourismus in Charmey bilden.
Die Seilbahnen mit der neuen Gondel Rapido Sky sollten die Basis für einen Ganzjahrestourismus in Charmey bilden.
KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Der Verwaltungsrat der Télécabine Charmey-Les Dents-Vertes im Greyerzerland verkündete das Ende der Seilbahn am Freitag anlässlich einer Medienorientierung. Der Entscheid basiert auf Schlussfolgerungen einer Task Force. Diese war eingesetzt worden, nachdem die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 19. November 2018 eine Steuererhöhung abgelehnt hatten, um die Seilbahn zu retten.

Die Steuererhöhung hätte es erlaubt, der Betreibergesellschaft mit einem Betrag von 600'000 Franken unter die Armee zu greifen. Die Seilbahnen von Charmey stecken seit 2012 in finanziellen Schwierigkeiten.

Der Betrieb wurde am vergangenen Sonntag eingestellt. Neun fest angestellte Personen werden entlassen; sie sollen zum Teil aber in anderen Skigebieten in der Region beschäftigt werden.

Etienne Genoud, Verwaltungsratspräsident der Seilbahngesellschaft, bedauerte den Ausgang, zumal die aktuelle Wintersaison recht positiv angelaufen und der operationelle Verlust kleiner als sonst ausgefallen sei.

Klimawandel mitschuldig

Trotzdem könne man nicht darüber hinwegsehen, dass die Anlagen unter einem strukturellen Defizit litten, sagte der Gemeindepräsident von Val-de-Charmey, Yves Page. Der Klimawandel habe die Probleme zweifellos verschärft. «Wir haben heute im Schnitt noch 50 Tage, an denen die Bahnen im Winter geöffnet sind, dies im Vergleich zu 95 bis hundert Tagen in den 1960er-Jahren.»

Der Konkurs sei hart, stelle aber eine Etappe in der touristischen Entwicklung von Charmey dar«, sagte Page. Es gehe nun darum, »eine Zukunft zu erfinden", sagte Patrice Borcard, Bezirksamtmann des Bezirks Greyerz.

Zukunft erfinden

Diesen Sommer würden die Anlagen geschlossen bleiben. Da die Seilbahnen Rapido Sky und der Sessellift nicht zur Seilbahngesellschaft gehören, sind sie laut Borcard nicht Teil der Konkursmasse. Für diese beiden Infrastrukturen, die im Mitbesitz des Kantons Freiburg und des Regionalverbandes Greyerz sind, sollen nun Käufer gesucht werden.

Laut einem Anfang Woche veröffentlichten Bericht zur Zukunft der Freiburger Seilbahnen wird die Notwendigkeit eines öffentlichen Engagements unterstrichen. In dem Papier mit dem Titel «Voralpen Vision 2030» heisst es, dass der Sektor dem Kanton Freiburg pro Jahr 52 Millionen Franken an wirtschaftlicher Wertschöpfung bringt.

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Das ist für Charmey traurig aber die Tatsache, dass die Bahn nicht zum Rentieren kommt, liegt m. E. eindeutig darin, dass im Freiburgischen wie im Berneroberland vergessen wird, dass Seilbahnen wohl toll sind aber nur dann, wenn sie ein Wandergebiet erschliessen. Ich bin nur einmal und das letzte Mal von ganz oben nach Charmey zu Fuss unterwegs gewesen und war froh endlich wieder nach langen Mühsalen festen Grund unter den Füssen zu haben. In der beschriebenen Region sind Wanderwege meist ungepflegte Bergwege, steil, schlechter Untergrund und nur für ganz Junge zu "bezwingen". Sommertourismus haben sie noch nicht begriffen und gehen wohl auch nie anderswo schauen, wo man das kann z.Bsp. Arosa oder Lenzerheide, ja Graubünden als Ganzes hätte viel zu zeigen wie man es macht. Meine Ausführungen basieren auf 10 Jahren Berneroberland, Region Saanen, wo ich hunderte von Km auf sogenannten Wanderwegen verbrachte und immer wieder staunte, dass es plötzlich zum steilen Bergwanderweg führte oder in ein Niemandsland, dies vor allem wenn man plötzlich die Kantonsgrenze BE zu VD überschritt und die Wege unauffindbar waren. Charmey hat es wohl verpasst in Wanderwege zu investieren, obwohl trotz dieses Mankos subjektiv an schönen Tagen auf dem Parkplatz der Gondelbahn der Eindruck herrschte es laufe prächtig.