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Mia Engiadina streckt die Arme zum Tal hinaus

Mia Engiadina ist eine Erfolgsgeschichte. Die Idee und das Konzept überzeugen auch über die Talgrenzen des Engadins hinaus. Die jüngsten Partner sind St. Moritz und Davos. Das nächste Ziel ist Samnaun.

Fadrina
Hofmann
Dienstag, 05. Februar 2019, 04:30 Uhr Eine Erfolgsgeschichte
Auch in Randregionen: Mia Engiadina strebt die Breitbanderschliessung von Haus zu Haus an.
ROLF CANAL

St. Moritz Energie und das EW Davos spannen in Sachen Glasfaser mit Mia Engiadina zusammen. Die beiden Elek-trizitätswerke haben sich dem Glasfaser-Backbone von Mia Engiadina durch den Vereinatunnel nach Landquart angeschlossen. «Wir wollen unseren Kunden ein zusätzliches Angebot, eine Alternative bieten», sagt Patrik Casagrande, Geschäftsführer von St. Moritz Energie.

Eine Alternative zur Swisscom wollten die Initianten von Mia Engiadina bieten, als sie 2014 zunächst mit einer Facebook-Gruppe, später mit Mia Engiadina Marketing SA unter Jon Erni und Mia Engiadina Network SA unter Not Carl, EE-Energia Engiadina und den Konzessionsgemeinden erfolgreich wurden. «Noch vor zehn Jahren war die Breitbanderschliessung kein Thema für Randregionen, heute wirbt die Swisscom auch bei uns um Kunden in diesem Bereich», so Not Carl, Verwaltungsratspräsident von Mia Engiadina Network.

Schritt für Schritt

In Sachen Breitbanderschliessung hat das Unterengadin das Heft selber in die Hand genommen. Ein paar kluge Köpfe haben vor ein paar Jahren die Gunst der Stunde genutzt, als Swissgrid den Ausbau der Hochspannungsleitung durch das Engadin plante. Die betroffenen Gemeinden konnten in einem Einspracheverfahren durchsetzen, dass alle übrigen Stromleitungen vergraben werden, wodurch im Engadin über 1000 Strommasten verschwinden. In dem 60-Kilometer-Graben konnte gleichzeitig ein Leerrohr für Glasfasern zugunsten der Gemeinden zwischen La Punt-Chamues-ch und Scuol ausbedungen werden.

In einem nächsten Schritt kam mit der Rhätischen Bahn (RhB) ein Tauschgeschäft zustande. Die RhB ermöglichte Mia Engiadina dabei den Anschluss an Landquart durch ihre bestehenden Glasfasern. Im Gegenzug erhielt die RhB eigene Glasfasern im Graben durch das Engadin.

Die Kosten werden gesenkt

Von der schnellen Datenautobahn von Mia Engiadina in Richtung Unterland profitieren neu also auch Davos und St. Moritz. Deren Elektrizitätswerke beschlossen bereits im vergangenen Herbst, sich dem sogenannten Backbone von Mia Engiadina durch den Vereinatunnel nach Landquart anzuschliessen. Gemäss Jürg Flückiger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Elektrizitätswerk Davos AG, handelt es sich um eine «rein technische Kooperation für Internetsignal im Raum Davos».

Für Not Carl hingegen ist dies ein weiterer Meilenstein für Mia Engia- dina. «Durch den Anschluss von St. Moritz und Davos an unsere Glasfasern nach Landquart können wir Kosten senken, was unseren Kunden zugute kommt.» Laut Carl gibt es heute im Perimeter von Mia Engiadina keinen Provider, der für die gleiche Leistung günstigere Tarife anbietet.

Neue Ziele: Tirol und Nordbünden

Erst vor wenigen Tagen konnten Mia Engiadina und verschiedene Partner medienwirksam das Projekt des Innovationszentrums Inn Hub in La Punt vorstellen. Etwas weniger spektakulär, aber dennoch wichtig für die Mia Engiadina Network SA ist die erfolgreiche Aktienkapitalerhöhung durch die Beteiligung weiterer sechs Gemeinden. Die Gemeinden La Punt-Chamues-ch, Madulain, Zuoz, Schanf, Zernez und Samnaun haben gesamthaft 112 800 Franken neues Kapital gezeichnet und eingebracht. Gleichzeitig wurden Corsin Scandella, Hans Kleinstein und Jon Erni neu in den Verwaltungsrat der Mia Engiadina Network SA gewählt.

Laut dem Geschäftsführer von EE-Energia Engiadina, Walter Bernegger, sind redundante Netze und damit weitere Einspeisungen bedeutsam für die künftige Entwicklung von Mia Engiadina – sei es durch den Albulatunnel in Richtung Norden oder auch in Richtung Tirol und Samnaun im Osten. «Bis Ende Jahr soll die Glasfaser bis zur Landesgrenze in Martina verlegt sein, und spätestens 2020 soll auch Samnaun über eigene Glasfasern an das weltweite Breitbandnetz angeschlossen sein», informiert er.

Der Kundenzustrom ist laut Carl erfreulich. «Die Leute sind sich offenbar bewusst, dass man bei uns ohne Mia Engiadina noch lange auf ein solches Breitbandangebot hätte warten können», meint er.

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