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Candinas: «Unmittelbar ändert sich nicht viel»

Nach Bivio, Sta. Maria, Silvaplana und Zuoz ist die Postschliessung in Sedrun bereits die fünfte 
in diesem Jahr in Graubünden. In der ersten Hälfte 2019 trifft es dann Celerina und Untervaz. CVP-Nationalrat Martin Candinas äussert sich im Interview über diesen Trend.

Pierina
Hassler
Dienstag, 04. Dezember 2018, 04:30 Uhr Poststellen-Netz

Der Bundesrat setzt per Januar einen Vorstoss um, an dem Sie mitbeteiligt waren – die verbesserte Erreichbarkeit von Postdienstleistungen. Nützt dieser Vorstoss Graubünden etwas?

Unmittelbar ändert sich für die Bündner Bevölkerung nicht viel. Aber die gesetzlich festgelegte Erreichbarkeit nach Regionen setzt der Post Grenzen für die Zukunft. Es wird nun garantiert, dass die Post keine Salamitaktik anwenden kann. Damit wird verhindert, dass die von Partnern geführten Postfilialen, die Postagenturen, in einem weiteren Schritt in grossem Ausmass verschwinden.

Das Poststerben geht wie früher das Lädelisterben weiter. Seit gestern ist auch die Filiale in Sedrun geschlossen. Unternimmt die Politik genug, um diesen Abbau des Service public zu stoppen?

Die Post braucht ein gewisses Mass an Flexibilität, damit sie rentabel arbeiten und gleichzeitig den Service public erbringen kann. Wir müssen der Post Vorgaben in Bezug auf Erreichbarkeit und Dienstleistungen machen, sollten ihr aber bei der Umsetzung eine gewisse Freiheit lassen. Ein Stopp des Poststellenabbaus im Sinne eines Marschhaltes ist im Parlament nicht mehrheitsfähig. Wir können uns den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschliessen. Wichtiger scheint mir, dass die Angebote in den Postagenturen verbessert werden und die Umwandlung von Poststellen in Postagenturen verlangsamt wird.

Von Gewerkschaftsseite hört man, die Post habe gar kein Interesse mehr am Poststellennetz. Der Verlust dieses Geschäftszweigs werde darum buchhalterisch grösser gemacht, als er effektiv sei.

Ich glaube nicht, dass man dies der Post vorwerfen kann. Für mich ist es kein Problem, wenn dieser Bereich innerhalb der Post nicht rentabel ist. Die Post muss nur in der Summe über alle Bereiche schwarze Zahlen schreiben. Das Poststellennetz hat viel mit Service public zu tun. Die Post muss als Staatsbetrieb das Gleichgewicht zwischen Gewinnstreben und Service public finden. Eine Zeit lang wurde dieses Feingefühl bei der Post vermisst und darum entstanden sehr viele Vorstösse zum Thema Post. Im Moment hat sich die Situation ein bisschen beruhigt.

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