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Crowdfunding für das neue Knie-Zelt findet keinen Applaus

Der Circus Knie hat für ein neues Zirkuszelt ein Crowdfunding lanciert. Das Vorhaben wird in den sozialen Medien arg kritisiert: Nicht wenige finden, das Unternehmen könne für die Investition locker selber aufkommen.

Freitag, 14. September 2018, 04:30 Uhr Arge Kritik
Das Zirkuszelt muss ersetzt werden: Der Circus Knie möchte sein neues Zelt via Crowdfunding finanzieren.
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Die kommende Tournee des Circus Knie soll ganz besonders werden: Der Schweizer Nationalzirkus feiert 2019 schliesslich seinen 100. Geburtstag – und wünscht sich als Geschenk ein neues Zelt.

Dass sich das erfolgreiche Familienunternehmen dieses Zelt durch eine Crowdfunding-Aktion finanzieren lassen will, polarisiert. Auf Facebook und Co. gibts zahlreiche hämische Kritik dazu. Anderseits ist anzumerken: Schon über 50 000 Franken wurden von über 100 Spendewilligen zugesagt. Wobei diese Summe längst nicht reicht. Bis zum März 2019 sollen nämlich 250 000 Franken zusammenkommen.

Kritik auf Facebook

Auf der Website der Crowdfunding-Plattform Lokalhelden der Raiffeisenbank schreibt der Circus Knie unter anderem: «Werde auch du ein Teil des Circus Knie und schenk uns ein Stück Zelt zum 100. Geburtstag.» Im Gegenzug erhalten Spender «einmalige Mercis»: So können sie sich bei einem Beitrag von 250 Franken etwa über eine Tasche hergestellt aus dem alten Knie-Zelt freuen. Wer gar 500 Franken lockermacht, wird mit Namen auf dem neuen Zelt verewigt.

Die zahlreichen Kommentare auf Facebook sind mehrheitlich negativ. So schreibt etwa ein User: «Das ist ja lächerlich. Wenn die Knies sich kein neues Zelt leisten können, sollen sie bitte aufhören.» Eine Userin bezeichnet die Aktion gar als «Frechheit». Für den Kinderzoo und den Zirkus bezahle sie schon genug. Ein weiterer Nutzer analysiert nüchtern: «Crowdfunding war ursprünglich dafür gedacht, eine Anschubfinanzierung für spätere Gewinne zu lancieren. Dass man sich nun beschenken lassen will, ist ein ganz neuer Ansatz.»

Fredy Knie verteidigt sich

Diese kritischen Stimmen zur Crowdfunding-Aktion versteht Zirkusdirektor Fredy Knie Junior nicht. Er meint, es sei ja niemand zu einer Spende verpflichtet. «Aber es gibt halt immer Neider», so Knie.

Wie ist der Zirkus überhaupt auf die Idee des Crowdfunding gekommen? «Viele Freunde und Bekannte fragten uns, was sie zum 100. Geburtstag schenken könnten», so Knie. «Wir fanden, dass Blumensträusse nicht besonders originell sind.» Schliesslich sei ihre Hausbank, die Raiffeisenbank, auf die Idee mit der Aktion gekommen. Dass innert den drei Wochen seit dem Start schon über 50 000 Franken gesammelt werden konnte, erstaunt ihn selber ein wenig. Auslöser für die Aktion war laut Knie die Tatsache, dass das zehn Jahr alte Zirkuszelt ersetzt werden musste. Für ihn ist Crowdfunding auch eine Art von Kundenbindung: «So kann jedermann zum Bestandteil unseres Zirkus werden.» Ausserdem werde den Beteiligten mit den «Mercis» auch etwas Schönes zurückgegeben.

Lieber als auf die kritischen Stimmen geht der Zirkusdirektor auf die Vorteile des neuen Zeltes ein: «Es wird einen Durchmesser von 45 Meter haben und rund 2200 Plätze bieten.» Am meisten freut ihn, dass zukünftig keine Masten im Inneren des Zeltes die Sicht auf die Manege versperren werden. «Die Masten werden durch einen zweiten äusseren Bogen ersetzt.» So hätten die Zuschauer von allen Plätzen aus freie Sicht.

«Man muss genau rechnen»

Die kritischen Meinungen überraschen Knie nicht. «Aber in der heutigen Zeit muss man sehr genau rechnen.» Firmen in der Unterhaltungsbranche hätten es nicht einfach. Er betont: «Wir wollen unseren Besuchern durch das neue Zelt und anderen Verbesserungen den höchsten Komfort bieten.» Was, wenn die Finanzierungsschwelle von mindestens 175 000 Franken bis zum 7. Januar 2019 nicht erreicht werden kann? «Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht», sagt Knie. «Aber ich glaube, dieses Ziel erreichen wir.»

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Jérome Stern hat absolut recht.
In der Schweiz ist weitherum bekannt, dass die Knies Millionäre sind. (Circus, Zoo und Immobilien)
Mag sein, dass dieser Grosscircus heutzutage nicht mehr so viel abwirft wie zu Zeiten der Senioren Fredy und Rolf. Dies, obwohl die Eintrittspreise happig sind und ein Circusbesuch mit Kindern teuer zu stehen kommt. Doch mit Sicherheit schreibt das Unternehmen nach wie vor schwarze Zahlen.
So empfinde ich das Crowfunding für ein neues Chapiteau als der Familie unwürdig, als peinlich und beschämend. Selbst wenn zutrifft, dass Knie von treuem Publikum angefragt wurde, was man ihnen zum 100-jährigen Jubiläum schenken könnte, ist das keine Rechtfertigung für eine solche arrogante Aktion.