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Die Zürichsee-Schifffahrt baut ihren Fahrplan um

Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft krempelt den Fahrplan ab der Saison 2020/2021 um. Das Unternehmen will das Angebot strikt nach Frequenzen ausrichten – unter anderem mit einer stark verkürzten Hochsaison.

Südostschweiz
Mittwoch, 12. September 2018, 06:31 Uhr Hochsaison wird verkürzt
Gewinner: Die Region am Obersee soll künftig mehr Schifffahrten verzeichnen, weil die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft hier viel Potenzial ortet.
ZSZ

von Conradin Knabenhans

Das ist keine Kosmetik, sondern ein grosser Schritt.» Peter Weber, Verwaltungsratspräsident der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG), machte gestern an einer Medienkonferenz klar, dass das neue Fahrplankonzept der «weissen Flotte» einiges auf den Kopf stellt. Die Stossrichtung ab der Fahrplanperiode 2020/2021 soll den Schiffspassagieren «mehr See», «mehr Genuss» und «Entschleunigung» bringen. Was die Marketingabteilung der ZSG mit plakativen Schönwetterslogans propagiert, hat einen handfesten Hintergrund. Die Schifffahrtsgesellschaft muss ihren Kostendeckungsgrad erhöhen und so ihre finanzielle Lage verbessern. Das neue Fahrplankonzept soll dies erlauben, ohne eigentliche Einsparungen am Angebot vorzunehmen.

Schiffe drosseln Geschwindigkeit

Dadurch, dass die Schiffe zwei bis drei Stundenkilometer langsamer fahren, will man 30 bis 40 Prozent Diesel einsparen. So soll der Verschleiss der Maschinen reduziert und sollen die Wartungszyklen verlängert werden. Damit spart die ZSG bares Geld. Beim Schiffsfahrplan selbst spricht das Unternehmen nicht von Angebotsabbau, sondern von einer kostenneutralen Verschiebung: «Wir bringen die Schiffe dorthin, wo die Passagiere sind», sagte Peter Weber. Das heisst: Dort, wo wenige Leute unterwegs sind, werden Kurse gestrichen, dort, wo man grosses Potenzial für neue Kunden sieht, werden neue Verbindungen geschaffen.

Gewinner des neuen Konzepts ist die Region Rapperswil/Ufenau, Verlierer die Gemeinden am rechten und teilweise am linken Seeufer. Die Grundprämisse des Fahrplans ist laut der ZSG, dass bei reduzierten Fahrgeschwindigkeiten die Rundfahrten gleich lang dauern sollen wie heute. Deshalb werden bei einzelnen Kursen Haltestellen zukünftig nicht mehr angefahren.

Die Änderungen im Detail: Im unteren Seeteil und in der Stadt Zürich wird als Ergänzung zur kleinen Rundfahrt eine 55-minütige Seebecken-Rundfahrt angeboten. Dieses Angebot soll Touristen an Bord locken, die nur einen Kurzausflug auf dem See unternehmen. Weil Zollikon neu in diese Rundfahrt integriert ist, fällt der Halt bei der kleinen Rundfahrt weg. Bei der kleinen Rundfahrt wird zudem die Haltestelle Küsnacht-Heslibach nicht mehr bedient, die ganz aus dem ZSG-Fahrplan fällt. Beide Massnahmen seien vertretbar, erklärte Marc Rizzi, Leiter Betrieb der ZSG, vor den Medien. An beiden Orten bestünden landseits weiterhin gute Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem seien die Frequenzen auf diesen Strecken gering. Verbessert wird bei der kleinen Rundfahrt dafür der Anschluss an die S-Bahn in Thalwil.

Bei den Querfahrten im oberen Seeteil zwischen Männedorf, Stäfa und Wädenswil wird der Fahrplan am Wochenende ausgedünnt. Dadurch könne eine Schiffsmannschaft alleine den Tag bestreiten. Die gesparte Crew kann dafür für eine zusätzliche Längsfahrt und eine kleine Rundfahrt eingesetzt werden. Auch diese Anpassung erfolgt wegen geringer Frequenzen: «Wir müssen vermeiden, dass wir mehr Personal als Passagiere an Bord unserer Schiffe haben», sagte ZSG-Direktor Roman Knecht dazu klar und deutlich.

Versuchsbetrieb im Obersee

Weil die ZSG in Rapperswil viel Potenzial ortet, profitiert die Rosenstadt vom neuen Fahrplankonzept 2020/2021. Im Hafen wird ein Schiff stationiert, das verschiedene neue Angebote schafft: Von Mai bis September wird eine Obersee-Rundfahrt ins Programm aufgenommen, die von Rapperswil nach Schmerikon führt und zweieinhalb Stunden dauert. Neu wendet das Schiff in Schmerikon direkt und legt keine mehrstündige Pause mehr ein. Ein Ufenau-Shuttle bringt Touristen zweimal täglich von Rapperswil und Pfäffikon auf die Insel der Stille. Zudem wird eine 100-minütige Rundfahrt geschaffen, die von Rapperswil über die Ufenau bis nach Pfäffikon, Richterswil, Wädenswil, Männedorf, Stäfa und Ürikon führt. Allerdings sind einige dieser Angebote nur «ein Versuch». Weil 2020 der Finanzierungsvertrag mit den Kantonen Schwyz und St. Gallen ausläuft, muss ein Nachfolgevertrag abgeschlossen werden. Wird das neue Angebot nicht angenommen, kann es bereits nach einem Jahr wieder aus dem Fahrplan gekippt werden.

Die grosse Rundfahrt bedient neu seeaufwärts und seeabwärts die gleichen Haltestellen. Damit können Fahrgäste auch unterwegs ohne Umsteigen einen Rundkurs geniessen. Die grossen Rundfahrten werden mit zwei verschiedenen Streckenverläufen und Haltepunkten angeboten.

Kürzere Saisonzeiten

Für das gesamte Fahrplanangebot gilt: Die Hauptsaison umfasst nur noch die Spitzenmonate Juli und August, dazu wird das Angebot in den Monaten Mai, Juni und September beziehungsweise April und Oktober in zwei Staffeln wieder hoch- respektive runtergefahren. Im Vergleich zu heute wird dafür samstags und sonntags – auch im Winter – nach demselben Fahrplan gefahren. Auch dieser Schritt soll helfen, die Schiffe besser nach Frequenzen auszulasten. Nicht zuletzt ergibt sich aber durch die sehr kurze Hauptsaison auch mehr Spielraum für Extrafahrten im Frühling und im Herbst, wie Direktor Roman Knecht erklärte. Dort spüre man eine grosse Nachfrage, die man befriedigen möchte. Kein Wunder: Auch Extrafahrten spülen direkt bares Geld in die klammen Kassen der ZSG.

Der neue Fahrplan wird im November den regionalen Verkehrskonferenzen vorgelegt, im Januar 2019 dem Zürcher Verkehrsverbund und geht danach im kommenden Frühling in die öffentliche Vernehmlassung.

 

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