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Die Metzger hatten am Feuerverbot zu beissen

Nach den Regenfällen letzter Woche darf im Kanton vielerorts endlich wieder grilliert werden. Das freut nicht zuletzt die Bündner Metzger.

Andri
Nay
Samstag, 08. September 2018, 04:30 Uhr Feuerverbot
An den Fleischtheken läuft das Geschäft wieder.
YANIK BÜRKLI

Luigi Maffei, Filialleiter der Metzgerei Surses in Savognin, ist kein rundum glücklicher Mann. Wegen des aboluten Feuer- und Grillverbots in diesem Sommer musste er «Einbussen» hinnehmen. Gerade Wandertouristen hätten weniger Fleisch und Würste eingekauft, da auf den Wanderrouten ein absolutes Feuerverbot geherrscht habe. Zudem hätten viele Kunden sich in der Metzgerei erkundigt, was grilltechnisch erlaubt sei. «Die Kundschaft hat sich an das Feuerverbot gehalten und nicht im Freien grilliert», sagt Maffei. Nun hofft er auf einen sonnigen Herbst, der die Kunden wieder zum Grillieren animiert.

Die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Zumindest, was das Feuerverbot anbelangt. In den letzten Tagen haben zahlreiche Bündner Gemeinden das Feuerverbot auf dem Gemeindeareal aufgehoben. Das absolute Feuerverbot im Wald und in Waldnähe gilt nur noch im Churer Rheintal, im Schanfigg, in Teilen des Prättigaus und in Teilen der Surselva.

Die Metzgereien im Kanton freuen sich über diese Lockerung. Denn das Feuer- und Grillverbot hat den Bündner Metzgern spürbar zu schaffen gemacht, wie eine Umfrage bei verschiedenen Metzgereien im Kanton zeigt.

So etwa auch bei der Metzgerei Mark mit Filialen in Chur, Landquart und Schiers. Weil die Kunden weniger Grillspezialitäten wie etwa Würste oder Entrecotes kauften, passte die Metzgerei ihr Sortiment an. Man habe beispielsweise weniger mariniertes Fleisch angeboten, heisst es auf Anfrage.

Bei Gianluca Zanetti, Geschäftsinhaber der Metzgerei Zanetti mit Filialen in Poschiavo und Chur, stiess das allgemeine Feuerverbot von Anfang an auf Unverständnis. Zanetti sieht in dem Verbot eine Bevormundung der Bündnerinnen und Bündner. «Wenn man zu Hause im Garten mit gesundem Menschenverstand grilliert, kann nicht viel passieren», sagt er. Die Kunden der Metzgerei Zanetti seien wegen des Feuerverbots ziemlich verunsichert gewesen und hätten sich in den Filialen erkundigt, was erlaubt sei und was nicht. «Ich selber habe auch im Sommer grilliert und habe den Kunden gesagt, sie sollen es auch tun», so Zanetti.

Kunden weichen aus

Auch die Detailhändler stellten im Sommer eine kleinere Nachfrage nach Grillfleisch fest. Typisches Grillfleisch wurde etwa in den Bündner Migros-Filialen weniger nachgefragt – die Kundschaft wich laut Angaben von Mediensprecher Andreas Bühler auf andere Fleischspezialitäten aus, die auch auf dem Herd oder im Ofen zubereitet werden können. Insgesamt kann die Migros beim Absatz von Fleischprodukten in diesem Sommer dennoch von einer guten Saison sprechen. Dies sei auf den frühen Start der Grillsaison zurückzuführen, so Bühler.

Coop dagegen stellte keinen Einfluss des Feuerverbots auf die Fleischnachfrage fest. Der Absatz sei in den Bündner Filialen im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. In der gesamten Ostschweiz gab es laut Mediensprecher Markus Brunner jedoch eine verstärkte Nachfrage nach kalten Fleischspeisen wie Carpaccio oder Tatar. Ob dies auf das Feuer- und Grillverbot zurückzuführen sei, weiss man bei Coop jedoch nicht.

Viele (Gas-)Grills verkauft

Eine «starke Grillsaison» hatte dagegen die «Do it» AG der Gasser-Gruppe mit vier Filialen im Kanton. Noch nie seien so viele Grills verkauft worden, sagt Sandro Götz, Bereichsleiter Baumarkt der Filiale in Chur. Tendenziell seien mehr Gasgrills als Holzkohlegrills verkauft worden. Der Trend zu mehr Gasgrills sei aber schon seit mehreren Jahren feststellbar. «Das Feuerverbot hat den Verkauf von Holzkohle jedoch nicht stark beeinflusst», sagt Götz. Die «Do it» AG habe in ihren Filialen ausserdem ungefähr die gleiche Menge Holzkohle wie in den Vorjahren verkaufen können. Diese Aussage von Götz lässt zumindest Zweifel aufkommen, ob auch alle Bündnerinnen und Bündner sich an das Feuerverbot gehalten haben.

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