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Codieren lernen – auch ohne Computer

Die Mint-Academy der Churer Digitalagentur 08Eins und der Hamilton ist gestartet: 40 Kinder tauchen nun jeden Mittwochnachmittag im Churer Schulhaus Quader in die Welt des Codierens ein – und werden vielleicht einmal die Fachkräfte der Zukunft.

Stefanie
Studer
Donnerstag, 30. August 2018, 10:27 Uhr Mint-Academy

Wie funktioniert eine App? Was ist ein Newsbot? Und was sind eigentlich Programmiersprachen? Diesen und weiteren Fragen gehen seit Mittwoch 40 Kinder zwischen neun und zwölf Jahren  auf den Grund. Die Mint-Academy ist gestartet. Während Jahren arbeiteten die Churer Digitalagentur 08Eins und Hamilton am gemeinsamen Förderprogramm, das in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll. Denn in den Berufsgruppen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – kurz Mint – fehlt der Nachwuchs. «Wir haben viele Ausbildungsmöglichkeiten im Mint-Bereich», erzählt Luca Tanno von der Hamilton den Kindern. «Hier erhält ihr das Fundament dazu.»

Die beste Lösung finden

Der Informatik-Lehrgang «Coding für Primarschüler» bildet den Auftakt von vier geplanten Mint-Modulen. Jeweils am Mittwochnachmittag während zwei Stunden bringt 08Eins den Kindern in zwei Schulzimmern des Schulhauses Quader in Chur das Codieren näher. «Wir sind nicht nur am Computer», gibt Fabio Camichel, Projektleiter Mint-Academy bei 08Eins, aber gleich die Entwarnung an die Eltern, die sich mit ihren Kindern in der Aula eingefunden haben. «Wir arbeiten maximal 50 Prozent der Zeit an einem Gerät. Sehr viel findet im Gespräch und auf dem Blatt Papier statt.» Denn: «Die Lösung ist schnell programmiert. Viel schwieriger ist es, herauszufinden, welche Lösung die beste ist.»

Mithilfe von spielartigen Systemen und einfachen Beispielen aus dem Alltag wird den Kindern die komplex scheinende Materie nähergebracht – und dies bereits am Eröffnungsnachmittag. «Was ist ein Sensor?» und «Wo finden wir Sensoren?», fragt Camichel. Die Antworten folgen prompt: «Er kann zum Beispiel Farben lesen» und «Im Laden als Bewegungsmelder», erklären die Kinder.

Einer der ersten Teilnehmer ist der elfjährige Ramon Wüst aus Domat/Ems. «Ich bin in der Freizeit gerne am Computer. Hier will ich das Programmieren lernen», sagt er. Sein Vater Marco Wüst ergänzt: «Alles dreht sich immer mehr um das Digitale. Ich finde, vertiefte Kenntnisse werden den Kindern zu wenig vermittelt.» Eine Karriere im Mint-Bereich müsse der Sohn aber nicht unbedingt einschlagen.

Nur wenige Mädchen 

«Es ist schön, endlich starten zu können», sagt Haempa Maissen, Geschäftsführer von 08Eins, der die Mint-Academy initiiert hat. Zwei Tage nach ihrer Lancierung war sie ausgebucht. Auf die Anmeldungen von 130 Jungen seien aber gerade einmal zehn von Mädchen eingetroffen, sagt Maissen. «Ernüchternd. Wir haben allen Mädchen zuerst einen Platz gegeben.»

Bereits wird an der Zukunft der Mint-Academy geplant. Im zweiten Jahr werden sich die ersten Teilnehmer dem Programmieren einer App widmen, zudem soll das Modul Technologie bei Hamilton starten. «Nächstes Jahr rechnen wir mit 120 Teilnehmern», so Maissen. Für Nachwuchs scheint damit gesorgt zu sein.

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