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Nachtbusse verzeichnen bis zu doppelt so viele Passagiere

Nach der Abschaffung des Nachtzuschlags im öffentlichen Verkehr liegen dem Kanton erste Zahlen vor. Nicht nur in den Nachtbussen werden mehr Passagiere gezählt, sondern auch am Abend.

Stefanie
Studer
Freitag, 10. August 2018, 12:00 Uhr Nachtzuschlag
Nachtbus-Billette können nun ohne Zuschlag gelöst werden.
OLIVIA ITEM

Heute vor acht Monaten trat in Graubünden der neue Fahrplan für den öffentlichen Verkehr in Kraft. Damit ging auch eine positive Änderung für die Nachtschwärmer einher: Diese müssen seither keinen Zuschlag mehr bezahlen, wenn sie mit dem Nachtbus nach Hause fahren, sondern es gelten die normalen Tagespreise.

Der Kanton erhoffte sich von der Änderung einerseits eine einheitliche Regelung – vor der Abschaffung bestanden in Graubünden rund 50 verschiedene Speziallösungen zum Nachtzuschlag. Andererseits hoffte er, dass mehr Nachtschwärmer das Angebot nutzen und der finanzielle Ausfall durch die gesteigerte Nachfrage kompensiert werden kann.

Erste Schätzung wurde bestätigt

Bereits im Frühling schätzte das kantonale Amt für Energie und Verkehr (AEV), dass 20 bis 30 Prozent mehr Passagiere vom Angebot Gebrauch machen würden. Ein konkreter Vergleich könne aber erst nach dem Sommer vorgenommen werden, sagte Thierry Müller, Projektleiter Öffentlicher Verkehr beim AEV, im Mai gegenüber der «Südostschweiz». Denn das Nachtbus-Angebot werde in den warmen Monaten am stärksten genutzt.

Inzwischen liegen die Zahlen vor – und sie bestätigen die Schätzung. «Die Kunden haben das Angebot gut aufgenommen, und die Rechnung ist somit aufgegangen», sagt Müller. So zieht das AEV ein positives Fazit aus der Abschaffung des Nachtzuschlags. «Wir werden den Kostendeckungsgrad der einzelnen Linien mittelfristig erhöhen können.»

Mit der Zunahme der Passagierzahlen im Nachtverkehr habe das AEV auch eine Zunahme auf den Verbindungen am Abend feststellen können. So nutzen die Nachtschwärmer das Angebot des ÖV nicht nur vermehrt auf der Heim-, sondern auch auf der Hinfahrt.

Unterschiedliche Entwicklung

Allerdings sei bemerkt worden, dass sich die Nachfrage im Nachtverkehr auf den einzelnen Linien unterschiedlich entwickelt habe, so Müller weiter. Während auf den Regionallinien ab Chur nach Flims, Laax, Ilanz, Lenzerheide, Peist und Tschiertschen überdurchschnittlich mehr Passagiere gezählt wurden, habe die Nachfrage im Oberengadin nur leicht zugenommen. Hier herrsche wegen des touristischen Tarifverbunds aber eine andere Ausgangslage, so Müller. Im Unterengadin habe sich die Nachfrage in der Zwischensaison um rund 20 Prozent gesteigert und in der touristischen Saison etwa verdoppelt.

Nahezu verdoppelt haben sich die Passagierzahlen auch im Domleschg. Hier konnte im ersten Halbjahr eine Zunahme von 2181 auf 3907 Passagiere verzeichnet werden. In der Agglomeration Chur – wo das Angebot schon bisher sehr gut genutzt worden sei – habe die Nachfrage auf den Nachtbusverbindungen um rund 20 Prozent zugenommen, sagt Müller.

Extrazug nach Streetparade

Deutlich mehr Passagiere als vor der Abschaffung des Nachtzuschlags wird im öffentlichen Verkehr auch an den Veranstaltungen wie der Fasnacht gezählt. Hier mussten bereits grössere Fahrzeuge eingesetzt werden.

Verschiedene Veranstaltungen stehen aber noch aus, darunter das Churer Fest vom 17. bis 19. August und die Schlagerparade vom 29. Sep- tember. Aber auch am kommenden Wochenende, wenn in Zürich die 27. Streetparade gefeiert wird, werden im öffentlichen Verkehr viele Nachtschwärmer erwartet. Ab Zürich Hauptbahnhof fahren um 0.20 Uhr und 1.39 Uhr ein Regio-Express respektive ein Extrazug via Maienfeld und Landquart nach Chur – mit Anschluss auf die Nachtbusse.

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