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In 300 Metern Tiefe Energie gewinnen

Das Davoser Elektrizitätswerk erstellt den ersten Wärmeverbund im Ort. Genutzt wird eine Grundwasser-Wärmepumpe. Die Heizöleinsparungen sind enorm.

Béla
Zier
Freitag, 20. Juli 2018, 04:30 Uhr Alternative Energie
Basis für Davoser Wärmeverbund: Ein Facharbeiter steuert die Maschine für die Tiefbohrung.
BÉLA ZIER

Die Gemeinde Davos ist seit 2001 als Energiestadt zertifiziert. Sie übernahm damit in Graubünden als erste Kommune mit diesem Label eine Vorreiterrolle. Ein neues Projekt der Elektrizitätswerk Davos AG (EWD) trägt der Verpflichtung als Energiestadt Rechnung. Das gemeindeeigene Un-ternehmen baut laut Mitteilung den ersten Wärmeverbund in Davos. Genutzt wird dazu nachhaltige Energie mittels Erdwärme. Dazu wird im Ortszentrum ziemlich tief gebohrt.

EWD investiert fünf Millionen

Seit dieser Woche wird auf einem Areal bei der Schulanlage in Davos Platz ins Erdreich vorgedrungen. Man habe in dieser Zeit eine Tiefe von 20 Metern erreicht, 300 Meter würden es am Ende sein, hiess es an einem gestrigen Informationsanlass vor Ort. Bis September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, wobei dies von den geologischen Gegebenheiten abhängig sei. Erwartet würden 150 Meter Lockergestein, dann 150 Meter Fels.

Gewonnen wird die Erdwärme mit einer Grundwasser-Wärmepumpe. EWD-Direktor Jürg Flückiger bezeichnete den Baustart in seiner Ansprache als «historischen Moment» für das Elektrizitätswerk und die Energiestadt. Es sei die Strategie des EWD, in erneuerbare Energie zu investieren, hielt Flückiger zu den Projektkosten von rund fünf Millionen Franken fest.

Grossverbraucher angeschlossen

Durch den Verbund werden sechs grosse Liegenschaften mit Wärme zum Heizen und Aufbereiten von Warmwasser versorgt. Von einer Heizzentrale aus wird die Wärme mit ei-ner Temperatur von rund 60 bis 80 Grad in isolierten Leitungen an die Gebäude verteilt. Darunter befinden sich Grossverbraucher wie Hotels und Schulhäuser. Für die Abnehmer, die EWD-Kunden, entfallen durch den Anschluss künftig Kosten für eine Heizungssanierung, die Wartung, den Kaminfeger oder auch für die Tankreinigung.

Die Rückgabe des hochgepumpten Wassers erfolge durch Einleitung in den Guggerbach, hiess es am Informationsanlass. Die Arbeiten erfolgen in Etappen, 2019 sollen die ersten Gebäude angeschlossen werden, der Abschluss ist für 2021 vorgesehen

CO2-Ausstoss wird reduziert

Gemäss EWD produziert die Anlage jährlich rund 5700 Megawattstunden Wärme. Davon stammten 77 Prozent aus erneuerbarer und 23 Prozent aus fossiler Energie, die zur Abdeckung in Spitzenzeiten eingesetzt werde. Durch den Wärmeverbund würden künftig pro Jahr etwa 1100 Tonnen Kohlen- dioxid, CO2, eingespart. Die Reduktion beim Heizölverbrauch wird auf rund 430 000 Liter jährlich beziffert.

Ein Vergleich: Davos liess als erste Schweizer Gemeinde eine CO2-Bilanz erstellen. So hat Davos zum Beispiel 2006 über 28 Millionen Liter Heizöl verbraucht, was einem CO2-Ausstoss von fast 80 000 Tonnen entspricht.

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