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Das Baumhaus-Hotel soll kein Papiertiger bleiben

Eine HTW-Studentengruppe hat vor einem Jahr ein Baumhaus-Hotelkonzept für die Val Müstair präsentiert. Jetzt hat dieses Konzept die Chance, den Hotel-Innovations-Award von Gastro Suisse zu gewinnen.

Fadrina
Hofmann
Montag, 18. Juni 2018, 04:30 Uhr Ein flexibles Konzept
Das Modell: Die Bungalows des Baumhaus-Hotels wären über Holzstege erreichbar.
HTW CHUR

Auf Youtube hat Nicole Projer aus Chur ein Video hochgeladen, welches den Zuschauer in das Baumhaus-Hotel der Val Müstair begleitet. Die virtuelle Reise führt von der Rezeption hinauf in die Baumkronen zu den Bungalows, entlang Holzstegen bis zum Restaurant und dann wieder ins Erdgeschoss zum Spa-Bereich. Obwohl es sich um eine Computeranimation handelt, weckt das Video sofort die Lust, in der «Chasa da Lain» einzuchecken. Ferien in den Baumkronen der Val Müstair verspricht ein einzigartiges Erlebnis zu werden.

Kein Wunder also, hat dieses Beherbergungskonzept den Best-Business-Plan-Wettbewerb 2017 der HTW Chur gewonnen. Die Idee hinter dem Projekt ist, dass die Gäste die Natur geniessen können und gleichzeitig die Val Müstair als Feriendestination wieder aufleben lassen.

Ob dieser Akzent in der Hotelleriebranche eine Chance auf dem Markt hat, haben die ehemaligen Betriebsökonomie-Studierenden Marc Burkhardt, Nicolas Howald, Valerio Tarnutzer und Nicole Projer untersucht. Ihr Fazit: Das Baumhaus-Hotel hat dank seiner «Einzigartigkeit, Authentizität, Exklusivität» und dem Standort viel Potenzial.

Ein innovatives Hotelprojekt

Vom innovativen Hotelkonzept ist auch Gabriella Binkert Becchetti überzeugt. Sie ist Präsidentin des Gewerbe- und Gastroverbands Val Müstair. «Wir wollen dieses Projekt fördern», sagt Binkert Becchetti. Deswegen hat sie gemeinsam mit den Konzeptverfassern das Projekt bei der Gastro Suisse für den Innovationspreis Award 2018 angemeldet. Am Dienstag wählt die Jury den Sieger aus rund 30 eingereichten Projekten aus der ganzen Schweiz aus.

Unter denen befindet sich übrigens sogar noch ein weiteres Projekt aus der Val Müstair, nämlich ein Naturhaus-Projekt mit Namen «Purvid». Der Hauptgewinner des Hotel-Innovations-Awards wird bei der Umsetzung des Konzepts durch ein professionelles Coaching im Wert von insgesamt 15 000 Franken prämiert. Für das Baumhaus-Hotelkonzept wäre dies die Gelegenheit, um das Projekt zu konkretisieren.

Ein flexibles Konzept

«Die ‘Chasa da Lain’ kann polyvalent umgesetzt werden, da ein Element-Bau vorgesehen ist», erklärt Urs Kappeler, Professor MBA an der HTW. Kappeler hat die Betriebsökonomie-Studenten im vergangenen Jahr betreut und kennt das Baumhaus-Hotelkonzept gut. Gemäss Kappeler ist mit dem vorliegenden Businessplan die Grobarbeit bereits gemacht. Zudem habe die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit mitgeteilt, dass sie für die Realisierung des Projekts einen namhaften Betrag übernehmen würde.

Ein Musterhaus als Anfang

Wer den virtuellen Rundgang in der «Chasa da Lain» macht, sieht ein Baumhaushotel mit 25 Bungalows, konzipiert für 20 Paare und fünf Familien. Gemäss Vision soll das Hotel an 322 Tagen im Jahr geöffnet sein. Die Auslastung sollte bei über 55 Prozent liegen. Das Baumhaus-Hotel würde zwölf neue Arbeitsstellen im Tal schaffen und ein attraktives neues Tourismusangebot für die Randregion bedeuten. Davon könnte also die ganze Val Müstair profitieren.

Gemäss Binkert Becchetti könnte das Projekt allerdings durchaus zuerst im kleinen Rahmen starten. «Ich könnte eine kleine Parzelle auf meinem Privatgrundstück in Sta. Maria zur Verfügung stellen, um ein Musterhaus zu bauen», sagt sie. Darin könnten in Zusammenarbeit mit dem benachbarten Hotel erste Erfahrungen gesammelt werden. Parallel würde die Investorensuche laufen. «Der Investor muss ein Natur-Freak sein, jemand, der die Val Müstair gerne hat», sagt Binkert Becchetti. Sie glaubt jedenfalls daran, dass das Baumhaus-Hotel bei den Gästen sehr gut ankommen würde.

Der visuelle Rundgang findet man hier.

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Kein Papiertiger? Oder doch in den Reisswolf?
Baumhaus scheint ein bisschen mehr in Richtung Natur zu gehen im Gegensatz zu den bisherigen Logis-Angeblichkeiten, jedoch ich finde es bleibt Lichtjahre unter dem Potenzial, viel zu konventionell und essenziellfunktionenarm.
Irgendwie tragikomisch? SVP-Binkert sagt: "«Der Investor muss ein Natur-Freak sein».
Oje. Allein schon diese Widersprüche dürften ein Omen sein, von den plantagig vereinzelt stehenden Plastikbäumchen abgesehen, Rasenmäher inklusive?