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Biologen halten Windpark in Bilten für «machbar»

Linthwind hat in Bilten informiert. Diesmal sollte es um Einflüsse der fünf geplanten Windräder auf Vögel und Fledermäuse gehen. Unter Auflagen sei das Projekt bewilligungsfähig, so die Wissenschaftler. Bei den prinzipiellen Gegnern sind sie damit auf taube Ohren gestossen.

Daniel
Fischli
Freitag, 04. Mai 2018, 04:30 Uhr Widerstand
Fabio Bontadina hat das Vorkommen von Fledermäusen in der Linthebene untersucht.
DANIEL FISCHLI

Irgendwann ruft einer aus der hintersten Reihe laut quer durch den Saal: «Arschlecker!» Das Ziel seiner Beleidigung ist ein Zuhörer ganz vorne, der gerade den Referenten für die «kompetente, seriöse Arbeit» gedankt hat. Geschätzt die Hälfte der etwa 80 Zuhörer im Singsaal in Bilten dürfte gegen die geplanten Windräder in der Linthebene sein. Ein paar von ihnen unterstützen den Zwischenrufer mit Applaus.

Im Singsaal will die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG SAK am Mittwochabend über bestimmte Aspekte ihres Projekts informieren. Es geht um den Baugrund und die Einflüsse der vier oder fünf geplanten Windräder auf Wildtiere, auf Vögel und Fledermäuse.

Letzteres ist ein Thema, dem sich auch die Gegner vom Verein «Linth Gegen Wind» schon angenommen haben. Der Vereinsvorstand sitzt mitten im Saal, seine Supporter haben sich strategisch günstig hinten aufgestellt. Die Stimmung im Singsaal ist von Anfang an getrübt und wird, je länger der Abend dauert, zunehmend gereizter.

Die Gastgeber von der SAK versuchen, die Diskussion auf der wissenschaftlichen Schiene zu halten. Es sind Adriano Tramèr von der Geschäftsleitung und Ralph Egeter, der Leiter des Projekts Linthwind. Die Veranstaltung ist erst sieben Minuten alt, als Tramèr zum ersten Mal von einem Zuhörer unterbrochen wird.

Umfangreiche Untersuchung

Den Hauptteil der Veranstaltung bestreiten dann die Naturwissenschaftler, die von den Untersuchungen der vergangenen Monate berichten. Diese Untersuchungen werden im Auftrag der SAK von spezialisierten Büros durchgeführt und fliessen in die Umweltverträglichkeitsprüfung ein, die Ende Jahr vorliegen soll.

Der Geologe David Imper hat im Singsaal noch die einfachste Aufgabe: Er sagt, der Untergrund für die Masten sei weniger günstig als erwartet, der Bau aber trotzdem möglich. Aber sogar Imper wird von einem Vorstandsmitglied der Gegner mit «eine Zwischenfrage» zu einem Detail unterbrochen. Überhaupt erkennt man die Leute von «Linth Gegen Wind» daran, dass sie sich nicht per Handaufheben melden, sondern einfach das Wort ergreifen.

Nach dem Geologen sprechen die Biologen. Regula Würth hat die Vögel in der Linthebene untersucht. Ihr Fazit: Die Windenergieanlage beeinträchtigt die Brutvögel, den Kleinvogelzug und den Greifvogelzug wenig, aber hat ein grosses Konfliktpotenzial mit segelnden Vögeln wie Milanen oder Störchen. Dies sei aber noch kein «Ausschlusskriterium», sagt Würth. Die Anlagen seien also trotz des Konflikts bewilligungsfähig.

Abschalten, wenn gemäht wird

Als Massnahme empfiehlt Regula Würth, dass die Windräder abgeschaltet werden, wenn in ihrer Nähe Gras geschnitten wird. Denn das zieht die Vögel an, die im kurzen Gras auf Futtersuche gehen. Kollisionen von Vögeln mit den Rotoren liessen sich nicht ganz verhindern, aber möglichst vermeiden.

In der anschliessenden Fragerunde möchte jemand wissen, weshalb man nur über die Tiere rede, aber nie über die Menschen. Ralph Egeter von der SAK erklärt, dass Themen wie Schall, Schattenwurf oder der Einfluss auf die Landschaft im Sommer untersucht werden. Ein anderer Zuhörer unterstellt der Biologin, sie sei gar nie im Gebiet unterwegs gewesen.

Wann die Fledermäuse fliegen

Als letzter Referent hat Fabio Bontadina in Bezug auf die Fledermäuse eine ähnliche Botschaft wie Regula Würth. Man kenne aufgrund der Untersuchungen die Wetterverhältnisse, in denen viele Fledermäuse unterwegs seien. Man könne also einen genauen Abschaltplan aufsetzen. «Aus Sicht des Fledermausschutzes steht dem Bau nichts im Weg», sagt Bontadina. Er rechnet pro Windrad mit zehn toten Fledermäusen pro Jahr.

Die Gegner zetteln dann eine Grundsatzdiskussion über Sinn und Unsinn der Windkraft an, in der ernst gemeinte Verständnisfragen an den Referenten untergehen. Und als Tiefpunkt wird der «ausserkantonalen» SAK dann noch empfohlen, ihre Windräder doch ennet der Grenze zu bauen.

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