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Richter lässt Sammelklage gegen Facebook wegen Gesichtserkennung zu

Im Rechtsstreit um die Speicherung biometrischer Daten hat Facebook eine Niederlage einstecken müssen. Ein Gericht in San Francisco liess am Montag eine Sammelklage gegen das Online-Netzwerk zu.

Agentur
sda
Dienstag, 17. April 2018, 10:36 Uhr San Francisco
Kritiker sehen die Privatsphäre verletzt: Das Online-Netzwerk Facebook steht auch wegen seiner Gesichtserkennungs-Software in der Kritik. (Symbolbild)
Kritiker sehen die Privatsphäre verletzt: Das Online-Netzwerk Facebook steht auch wegen seiner Gesichtserkennungs-Software in der Kritik. (Symbolbild)
KEYSTONE/AP/JAE C. HONG

Eine Gruppenklage sei der effizienteste Weg, den Disput über die umstrittene Gesichtserkennung zu lösen, begründete der Richter seine Entscheidung. Nutzer aus dem US-Bundesstaat Illinois werfen Facebook vor, das Programm ohne deren Einverständnis verwendet zu haben. Für sie ist das ein unzulässiger Eingriff in ihre Privatsphäre.

Facebook geht nach eigenen Angaben weiter davon aus, dass die Klage unbegründet sei. Software zur Gesichtserkennung erlaubt es, etwa im Internet systematisch nach Fotos bestimmter Personen zu suchen.

In dem Verfahren soll es um eine Funktion gehen, die Facebook 2010 eingeführt hatte: Sie überprüft Fotos, die Nutzer hochgeladen haben, und versucht, die Gesichter auf den Fotos den Namen von Nutzern zuzuordnen. Facebook macht den Nutzern dann Vorschläge, die Gesichter auf den Fotos entsprechend zu «taggen», also mit Namen zu versehen.

In der EU war diese Funktion bereits 2012 aus Datenschutzgründen abgeschaltet worden. Die Kläger in den USA wenden nun ein, dass die Gesichtserkennung ohne ihr Einverständnis eingesetzt werde. Dies verstosse gegen ein Gesetz des US-Bundesstaats Illinois zum Schutz privater biometrischer Daten.

«Energische Verteidigung»

US-Bundesrichter James Donato erklärte die Argumentation von drei Klägern aus Illinois nun für stichhaltig genug, um eine Sammelklage gegen Facebook zuzulassen. Der Klage können sich alle Bewohner von Illinois anschliessen, von denen Facebook seit Juni 2011 ein Gesichtsfoto als Vorlage für die automatische Gesichtserkennungsfunktion gespeichert hat.

Eine Facebook-Sprecherin kündigte als Reaktion auf die Entscheidung des Gerichts eine «energische Verteidigung» der Interessen ihres Konzerns an. Facebook sei weiterhin der Ansicht, dass die Klage ohne Grundlage sei. Den Nutzern sei die Möglichkeit gegeben, die Gesichtserkennung zu deaktivieren.

Facebook steht derzeit unter Druck. Das US-Unternehmen sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass Informationen von bis zu 87 Millionen Mitgliedern durch Cambridge Analytica auf unlautere Weise genutzt wurden.

Der Skandal hat die Grundfesten des Unternehmens erschüttert. Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste sich deswegen bereits vor US-Parlamentariern verantworten. In den Kongress-Anhörungen räumte er Fehler ein und bat um Entschuldigung.

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