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Bündnerinnen und Bündner erhalten Geld zurück

Graubünden gehört zu jenen Kantonen, bei denen die Postauto Schweiz AG über Jahre zu viel kassiert hat. Jetzt soll zurückgezahlt werden. Verkehrsdirektor Mario Cavigelli weiss bereits, wie viel Geld der Kanton erwarten kann.

Olivier
Berger
08.02.18 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Verkehrsdirektor Mario Cavigelli weiss bereits wieviel die Postauto AG Schweiz zurückzahlen muss.
Verkehrsdirektor Mario Cavigelli weiss bereits wieviel die Postauto AG Schweiz zurückzahlen muss.
ARCHIVBILD

Insgesamt hat die Postauto Schweiz AG vom Bund und von den Kantonen 78 Millionen Franken an Subventionen zu viel erhalten (Ausgabe von gestern). Möglich war das, weil die Post mit buchhalterischen Mitteln Gewinne verschleiert und so rentable Strecken in unrentable «verwandelt» hat (siehe Seite 18). Die Subventionen wurden zur Unterstützung der angeblich unrentablen Postautokurse bezahlt.

Auch Graubünden betroffen

Graubünden gehört zu jenen Kantonen, welche von der Postauto Schweiz AG zu stark zur Kasse gebeten worden sind. Das bestätigte Regierungspräsident Mario Cavigelli, Vorsteher des kantonalen Bau-, Verkehrs- und Forstdepartements, gestern auf Anfrage. «Es sind nicht alle Kantone betroffen, wir aber schon.» Selber sei er am Dienstagmorgen über die Unregelmässigkeiten bei der Postauto Schweiz AG informiert worden – wenige Stunden bevor das Unternehmen selber sowie das für die Aufsicht zuständige Bundesamt für Verkehr (BAV) an die Öffentlichkeit traten.

«Es sind nicht alle Kantone betroffen, wir aber schon.»

Cavigelli rechnet damit, dass der Kanton Graubünden in den vergangenen Jahren 1,5 bis 2 Millionen Franken zu viel an die Postauto Schweiz AG bezahlt hat. «Wenn man für bare Münze nehmen kann, was jetzt versprochen wird, werden wir dieses Geld zurückerhalten.» Gespräche mit dem Unternehmen oder dem BAV hätten allerdings noch nicht stattgefunden. «Dafür ist die Sache noch zu frisch.»

Mehr Geld vom Bund

Dass Graubünden beim Subventionsbetrug trotz eines im nationalen Vergleich grossen Postauto-Streckennetzes eher glimpflich davongekommen ist, hat seinen Grund. Während sich nämlich die meisten Kantone die Kosten für den regionalen Personenverkehr je hälftig mit dem Bund teilen, ist der Verteilschlüssel in Graubünden anders. «Bei uns bezahlt der Bund 80 Prozent, der Kanton steuert 20 Prozent bei», bestätigte Cavigelli. Dadurch seien die finanziellen Auswirkungen der Postauto-Tricksereien kleiner.

«Ein Rückgrat der Erschliessung»

Dass die Bündner Postautolinien offenbar weniger defizitär waren, als von der Postauto Schweiz AG stets behauptet wurde, hört Verkehrsminister Cavigelli mit Genugtuung. «Besonders, weil diese Linien immer wieder hinterfragt werden, ist es gut, zu wissen, dass sie nicht so unrentabel sind, wie bisher angenommen wurde.» Dass der Druck zur Reduktion des Streckennetzes zunehmen werde, sei absehbar. «Gerade junge Menschen sind deutlich flexibler, was die Wahl der Verkehrsmittel angeht.» Cavigelli verwies in diesem Zusammenhang auf E-Mobilität und Ruffahrzeug-Modelle.

Für Graubünden seien die Postautos zum aktuellen Zeitpunkt aber nach wie vor unverzichtbar, so Cavigelli. «Sie sind ein Rückgrat der Erschliessung unseres weitläufigen Kantons.» Die Regierung halte weiterhin daran fest, den Kanton gewissermassen dreistufig zu erschliessen: bis Chur oder Landquart mit den SBB, von dort zu den regionalen Zentren mit der Rhätischen Bahn (RhB) und in die kleineren Talschaften und an die Berghänge per Postauto. «Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Postautos das einzige öffentliche Verkehrsmittel zum Beispiel auf der San-Bernardino-Strecke sind.»

Olivier Berger wuchs in Fribourg, dem Zürcher Oberland und Liechtenstein auf. Seit rund 30 Jahren arbeitet er für die Medien in der Region, aktuell als stellvertretender Chefredaktor Online/Zeitung. Daneben moderiert er mehrmals jährlich die TV-Sendung «Südostschweiz Standpunkte». Mehr Infos

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