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Wegen Betrugs: Behörden schliessen Schule in Disentis

Die Physiotherapieschule «Unipolisi» in Disentis ist behördlich geschlossen worden. Laut Medienberichten in Italien und im Tessin soll Betrug im Spiel sein.

Reto
Furter
07.02.18 - 18:34 Uhr
Wirtschaft
Gegen ein italienisches Ehepaar, das in Disentis ein Institut eröffnete, ist ein Strafverfahren eingeleitet worden.
Gegen ein italienisches Ehepaar, das in Disentis ein Institut eröffnete, ist ein Strafverfahren eingeleitet worden.
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In Disentis sollen an der Physiotherapieschule Unipolisi italienische Studenten betrogen worden sein, die in Graubünden und teilweise auch im Fernstudium ihre Ausbildung machen wollten. Das meldet die Sendung «Il Quotidiano» von Radiotelevisione Svizzera RSI und der Mailänder «Corriere della Sera».

Die Unipolisi habe seit 2017 Ausbildungen in Physiotherapie und im Pflegebereich angeboten, die in ganz Europa anerkannt seien. Angezogen wurden vor allem Studenten aus Italien, die keinen der begehrten Plätze an dortigen Universitäten ergattern konnten. Sie bezahlten in Disentis jährlich knapp 10'000 Franken Studiengebühren. Auf einen Gegenwert warten die Studenten allerdings, so der «Corriere della Sera». Man habe sämtliche Prüfungen abgelegt, sagten Studenten, aber keine Diplome erhalten.

Diese werden sie jetzt auch nicht mehr erhalten. Hinter der Unipolisi steckt nämlich Vincenzo Amore, der bis 2016 auch das Istituto privato universitario svizzero (IPUS) in Chiasso (Tessin) leitete. Er wurde zwar im letzten Jahr wegen Betrugs verurteilt, aber erst im Dezember festgenommen, wie die Tessiner Staatsanwaltschaft gestern gegenüber RSI bestätigte. Die Schulräumlichkeiten in Disentis wurden inzwischen von den Behörden versiegelt.

Disentis wusste «sehr wenig»

In der Surselva war man über die Vorgänge um die Physiotherapieschule offenbar nur mangelhaft informiert, wie der Disentiser Gemeindepräsident Robert Cajacob gegenüber Radio Südostschweiz sagte. Es sei den Behörden bekannt gewesen, dass das Angebot in Disentis bestand, aber man habe sich «nur wenig darum gekümmert, was dort angeboten wurde». Es sei, so Cajacob, «sehr ruhig gewesen um die Schule». Ob die Gemeinde vor der Eröffnung der Schule im letzten Jahr vertiefte Abklärungen hätte treffen sollen, will Cajacob nicht beurteilen. Er sei damals noch nicht im Amt gewesen.

Reto Furter ist Leiter Chefredaktion der Südostschweiz Medienfamilie und verantwortet Radio, TV, Online und Tageszeitungen in den Kantonen Graubünden, Glarus und St. Gallen. Er ist promovierter Historiker und arbeitet seit 2009 bei Somedia, zuletzt als Leiter Graubünden. Mehr Infos

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