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An der Zervreila-Staumauer gilts ernst

An der Zervreila-Staumauer gilts ernst

Im Februar beginnt die Kraftwerke Zervreila AG mit den Hauptarbeiten zur Sanierung der Nebenanlagen der Staumauer.

vor 3 Jahren in
Wirtschaft
Kein zweiter Fall «Spöl»: An der Staumauer stehen heikle Arbeiten an.
KWZ

«Das Ziel ist, einen zweiten Fall ‘Spöl’ zu vermeiden.» Diese Aussage von Clemens Hasler, dem von St. Gallen aus operierenden Chef der Kraftwerke Zervreila AG (KWZ), hat bei den im Februar beginnenden Hauptarbeiten zur Sanierung der Nebenanlagen der Staumauer oberste Priorität. Haslers Zielvorgabe stammt vom Mai vergangenen Jahres, als die KWZ die Medien letztmals über das Sanierungsprojekt informiert hatte (Ausgabe vom 19. Mai 2017).

Der Fall «Spöl» ereignete sich im März 2013. Damals hatte eine Schlammflut den von den Engadiner Kraftwerken genutzten Fluss Spöl im Schweizerischen Nationalpark zwischen der Staumauer Punt dal Gall und dem Ausgleichsbecken Ova Spin auf einer Länge von sechs Kilometern verwüstet. Tausende Fische starben.

«Sicherheitsrelevante Teile»

Wie Betriebsleiter Hans-Peter Capatt an einer Medienorientierung vom Donnerstag zum 7,5-Millionen-Projekt sagte, sind «nach 60 Jahren Betrieb aus Gründen der Sicherheit umfangreiche Instandhaltungsmassnahmen notwendig».

Konkret müssen mit dem Grundablass und dem Dotierauslass zwei sicherheitsrelevante Einrichtungen der Staumauer saniert werden. Ebenfalls erneuert werde die Druckleitung inklusive Absperrorgane. «Um die Sanierungsarbeiten durchführen zu können, wird der Seespiegel bis Anfang Februar auf ein Minimalvolumen gesenkt», sagte Capatt.

Um das Ausschwemmen von Sedimenten in den Rhein zu verhindern, wird der See über den Dotierauslass und nicht über den Grundablass gesenkt, wie der KWZ-Projektleiter betonte. Wasser und Sedimente gelangten so in das Ausgleichsbecken, welches nun als Absatzbecken für die Sedimente diene. «Später, wenn die Bedingungen günstig sind und genug Wasser vorhanden ist, werden die Sedimente schliesslich gespült», erklärte Capatt.

Schwierige Aufgabe für Taucher

Um die Arbeiten im und am Wasser durchzuführen, wurden schwimmende Plattformen, sogenannte Pontons, im Stauraum installiert. Auf einem solchen Ponton steht ein 25 Tonnen schwerer Saugbagger, der Sedimente im Bereich des Grundablasses absaugt. «Das ermöglicht den Tauchern die Montage eines röhrenförmigen Zapfens am Einlauf des Grundablasses, um diesen zu verschliessen», wie Capatt erörterte.

Nach der Montage des Zapfens muss dieser unter Wasser mit Beton ausgegossen werden. Erst wenn der Einlauf zum Grundablass derart verschlossen ist, können die Sanierungsarbeiten vorgenommen werden.

Das Wetter muss stimmen

Um diese anspruchsvolle Aufgabe meistern zu können, sind die Taucher und Bauarbeiter auf optimale äussere Bedingungen angewiesen. Entsprechend kann es laut Capatt aufgrund äusserer Einflüsse wie Schnee, Temperaturstürze, Eisbildung auf dem See oder Lawinenrisiko zur zeitweiligen Einstellung der Bauarbeiten kommen.

«Sobald der Grundablasseinlauf verschlossen ist, können der Grundablassstollen entleert und die Sanierungsarbeiten durchgeführt werden», schilderte der KWZ-Betriebsleiter die weiteren Schritte der Sanierungsarbeiten. «Die Bauteile werden ausgebaut und im Werk revidiert oder erneuert», so Capatt. Vor Ort werden dagegen der Stollen ausgebessert und der Korrosionsschutz der Panzerstrecke erneuert. «Parallel dazu werden die Druckleitung und die Absperrorgane saniert oder erneuert», führte er weiter aus. «Sind die Bestandteile des Grundablasses komplett remontiert und ist die Anlage wieder in Betrieb, wird der Deckel über dem Einlauf durch Taucher entfernt.»

Wiederauffüllung ab Juni

Für die Arbeiten im laufenden Jahr hat die Kraftwerke Zervreila AG rund vier Monate veranschlagt. Entsprechend wird der See voraussichtlich ab Juni wieder aufgestaut. Um die Arbeiten am Dotierauslass durchzuführen, wird der See im März 2019 wieder auf 1750 Meter über Meer abgelassen. Bei plangemässem Ablauf werden die Arbeiten im Juni 2019 abgeschlossen sein. Die Anlagen werden dann in den Normalbetrieb übergehen. Wie Capatt am Donnerstag vor den Medien weiter betonte, stellt die Baustelle an der Zervreila-Staumauer auch an die Arbeitssicherheit extrem hohe Anforderungen. Die Zervreila-Staumauer wurde 1958 in Betrieb genommen, ist 151 Meter hoch, verfügt über eine Kronenlänge von 504 Metern und fasst 100 Millionen Kubikmeter Wasser.

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