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Die ETH wird zum Hirn von Davos

Roboter, neurale Netzwerke und künstliche Intelligenz: Auch dieses Jahr zeigt die ETH Zürich am Rande des WEF in Davos, woran ihre Forscher arbeiten.

Stefan
Schmid
Mittwoch, 24. Januar 2018, 04:30 Uhr WEF

Sein Name ist Anymal. Optisch ähnelt er einem grossen Hund. Auch wenn er durch und durch Roboter ist. Genauer gesagt: ein Laufroboter. 30 Kilo schwer, vier Beine und angetrieben von sogenannten Aktuatoren. Diese setzen elektrische Signale in Bewegung um. Wobei Anymal sich nicht nur einfach «bewegt» – er kann rennen, tanzen, springen, Lasten bis zu zehn Kilogramm befördern und sogar klettern. Zudem ist er wasser- und staubdicht; Stösse und Schläge können ihm nichts anhaben. Wer an Letzterem zweifelt, kann es ausprobieren: Anymal einen kräftigen Schubser verpassen und dabei zusehen, wie der Roboter sofort wieder sein Gleichgewicht findet.

Gastrecht beim HC Davos

Anymal ist der «Star» der Ausstellung «Rethinking Intelligence» im Pavillon der ETH Zürich am Rande des Jahrestreffens des World Economic Forum. Nach 2017 präsentiert sich die Hochschule dort bereits zum zweiten Mal den WEF-Teilnehmern und der Bevölkerung. Die ETH geniesst dabei Gastrecht beim HC Davos – in dessen Restaurant «Time-Out», direkt neben der Vaillant Arena. Wofür sich ETH-Präsident Lino Guzzella auch dankbar zeigt: Ohne das Entgegenkommen der HCD-Verantwortlichen wäre der ETH-Auftritt in Davos nicht möglich, betont er. Dabei ist das WEF für die ETH äusserst wichtig – als Möglichkeit zum Austausch mit anderen Spitzenuniversitäten wie Harvard, Oxford oder Cambridge sowie mit Unternehmen der Privatwirtschaft.

Künstliche Intelligenz, Robotik und wie Maschinen selbständig lernen heissen die grossen Themen der ETH dieses Jahr am WEF: «Rethinking Intelligence» also. Wie verändert die Forschung an künstlicher Intelligenz unser künftiges Leben? Und was muss getan werden, damit künstliche Intelligenz auch in Zukunft im Dienst von uns Menschen steht? Brandaktuelle Fragen, über die auch die rund 3000 Politik- und Wirtschaftsführer im nahen Kongresszentrum diskutieren. Ein Paradebeispiel hierfür ist Anymal. Der Roboter kommt normalerweise unter erschwerten Bedingungen zum Einsatz, zum Beispiel für Inspektionsaufgaben oder für Such- und Rettungsaktionen von verunglückten Menschen im schwierigen Gelände. Doch das Potenzial von Anymal ist längst nicht ausgeschöpft: Der vom Anymal-Kernteam gegründete ETH-Ableger Anybotics entwickelt den Roboter ständig weiter.

Die Kraft der Gedanken

Daneben zeigen die ETH-Forscher im Davoser Pavillon das Computerspiel «Brain Runners». Hier steuern die Spieler ihre Figuren nicht etwa mit einem Controller, sondern allein mit der Kraft ihrer Gedanken. Genauer gesagt: mit ihren Hirnströmen. Im richtigen Moment ausgesendete Signale beschleunigen die Spielfiguren. Zum ersten Mal im Einsatz stand «Brain Runners» vor zwei Jahren beim Cybathlon, bei welchem Menschen mit starken körperlichen Behinderungen mit ihren technischen Assistenzsystemen im sportlichen Wettkampf gegeneinander antraten.

Spielerisch geht es auch bei Dextra zu und her. Der Roboterarm ist unschlagbar in «Schere-Stein-Papier»: Er nimmt die Welt in Superzeitlupe wahr, kann innert zehn Millisekunden reagieren und ist damit 30-mal schneller als der schnellste Mensch. Egal also, ob Schere, Stein oder Papier, eines ist sicher: Dextra gewinnt immer.

Abgerundet wird das Angebot im ETH-Pavillon schliesslich von ETH-Absolventen, die unter dem Namen Taste Lab den Besuchern Köstlichkeiten servieren. Sie kombinieren dabei Kulinarik und Wissenschaft. Denn, wie heisst es so schön: Hirn braucht Nahrung.

Die Ausstellung «Rethinking Intelligence» kann noch am Mittwoch und Donnerstag von 11 bis 16 Uhr im Pavillon der ETH Zürich – im Restaurant «Time-Out» direkt neben der Vaillant Arena –besucht werden.

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