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Der finanzielle Druck auf die Spitäler steigt

Prallvoll war der Informationsraum des Spitals Linth in Uznach am Neujahrsempfang gefüllt, wo sich Gemeindepräsidenten, Politiker und Hausärzte über die Gesundheitspolitik und über das Spital Linth informierten. Im Mittelpunkt stand der finanzielle Druck auf die Spitäler.

Südostschweiz
Mittwoch, 17. Januar 2018, 04:30 Uhr Im Mittelpunkt
Ernste Worte: Guido Sutter stellt in seiner Rede das Gesundheitswesen auf den Prüfstand.
Ernste Worte: Guido Sutter stellt in seiner Rede das Gesundheitswesen auf den Prüfstand.
SÜDOSTSCHWEIZ

Seit 15 Jahren gehört Guido Sutter dem Verwaltungsrat des Spitalverbunds des Kantons St. Gallen an, wovon die letzten zwei Jahre als Präsident. An der diesjährigen, seiner letzten Neujahrsbegrüssung setzte er das Gesundheitswesen auf den Prüfstand. Jeder habe Anrecht auf medizinische Versorgung in der Schweiz. Dieser Vorgabe in der Bundesverfassung kämen die Spitäler bestens nach. Allerdings steigen die Kosten schweizweit regelmässig und spürbar, sodass eine Kostenbremse im Gesundheitswesen unweigerlich einsetzen werde. So werden die Gesundheitskosten von schweizweit 80 Milliarden Franken in den nächsten fünf Jahren auf 100 Milliarden Franken steigen. Deshalb seien die Spitäler gezwungen, die Kosten im Griff zu halten, den Benchmark zu erreichen. Sie dürfen Probleme nicht aussitzen.

Die Verlagerung der Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich und nicht kostendeckende Tarmedpreise hätten seit Mitte 2017 im Kanton St. Gallen Spuren hinterlassen. Eine Quersubventionierung der Grundversorgung durch private Patienten sei auf Dauer nicht möglich. Deshalb habe der Verwaltungsrat Leistungs- und Strukturprojekte erarbeiten lassen, welche ab April dieses Jahres erste Ergebnisse aufzeigen würden.

Spital Linth gut auf Kurs

Nach dem Rekordjahr 2016 erlebte das Spital Linth einen ruhigeren Hochsommer, sodass die Höchstfrequenzen im stationären Bereich nicht erreicht wurden. Hingegen steigen die ambulanten Behandlungen markant, wie Spitaldirektor Urs Graf ausführte. Diese auch vom Bund geforderte Verschiebung der Patientenzahl sorgt für finanzielle Einbussen, da bei ambulanten Behandlungen tiefere, nicht kostendeckende Tarife verrechnet werden müssen.

Schwerpunkte des Jahres 2017 waren für das Spital Linth der Start für den Neubau, die Eröffnung der Praxis am Bühlpark in Jona mit Physiotherapie, Kinderchirurgie, Kinderorthopädie, Plastische Chirurgie und Sportmedizin sowie die Übernahme der Hausarztpraxis von Hans Stocker in Uznach. Dabei fügte Urs Graf an, dass das Spital Linth bei der Übernahme von Praxen oder Aussenstationen keine Vorreiterrolle spiele, sondern 90 Prozent der Schweizer Spitäler diesen Weg beschreiten würden. Das Spital Linth beschäftigt sich stark mit der Zukunft, um mit der Eröffnung des erneuerten Spitals optimale Abläufe und Prozesse anbieten zu können.

Im Sommer 2017 konnte auch die neue Dialysestation am Spital Linth eröffnet werden. Wie Nephrologe Matthias Neusser ausführte, suchen bereits zwölf Patienten dreimal wöchentlich die Blutreinigungsstation auf und profitieren vom wohnortsnahen Angebot.

Keine Ruhezeiten

Regierungsrätin Heidi Hanselmann als Gesundheitschefin des Kantons spielte in ihrer Rede mit der Zeit. Man ist mit der Zeit im Wettlauf, verliert die Zeit, stiehlt die Zeit oder folgt dem Zeitgeist, um einige Beispiele zu erwähnen. Bewegte Zeiten erlebe man mit der Digitalisierung und keine Ruhezeiten gebe es in der Gesundheitspolitik. Die Steuerung der Zulassung für Ärzte durch die Kantone, die Revision des Heilmittelgesetzes und die Spitalplanung mit Spitallisten verlangten zeitgerechte Lösungen. Fast der Zeit voraus sei der Kanton St. Gallen mit dem Joint Medical Master. Bereits haben 40 Studierende mit dem Bachelor in Zürich begonnen und im Kanton St. Gallen werden sie in der Grundversorgung und Interdisziplinarität ausgebildet.

Zum Schluss dankte Heidi Hanselmann dem Spitalteam Linth für seinen grossartigen und innovativen Einsatz und wünschte allen auch viel Freizeit und, wenn möglich, ebenso einmal eine Auszeit.

Bei ambulanten Behandlungen müssen tiefere, nicht kostendeckende Tarife verrechnet werden.

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