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Rapperswil-Jona muss das Eisstadion sicherer machen

Auf Druck des Schweizer Eishockeyverbands will der Stadtrat von Rapperswil-Jona in der Eishalle Lido flexible Banden installieren. Geplant sind zudem eine Schutzwand aus Glas für die Zuschauer und eine neue Videoüberwachungsanlage. Über den 410 000-Franken-Kredit entscheidet die Bürgerversammlung.

Südostschweiz
Mittwoch, 06. Dezember 2017, 04:30 Uhr Schutz
Verletzungsgefahr: Bei Zweikämpfen an den Banden – wie hier in der Eishalle Lido – wirken grosse Kräfte.
TOM OSWALD FOTOGRAFIE

von Christoph Leiber

Geschwindigkeit, Kampfgeist, Härte: Der Eis- hockeysport fasziniert durch die grossen Kräfte, die sich auf der glatten Unterlage entfalten. Die Kehrseite davon sind Verletzungen. Gefährlich wird es vor allem an den seitlichen Banden, wenn die Spieler im Zweikampf ungebremst dagegenknallen.

Diese Gefahr will der Schweizer Eishockeyverband entschärfen: Bis zum Start der kommenden Saison im Herbst 2018 müssen alle Clubs der Nationalligen A und B Banden installieren, die bei einem Aufprall nachgeben – so auch die SC Rapperswil-Jona Lakers.

Ein Nein bedeutet Zwangsabstieg

Diese Aufgabe muss in Rapperswil- Jona die Stadt übernehmen. Laut Lakers-Mediensprecher René Schmid besteht eine Vereinbarung, wonach die öffentliche Hand dem Club die Infrastruktur zur Verfügung stellt, die das Liga-Reglement erfordert. Für das neue Bandensystem hat der Stadtrat 250 000 Franken ins Budget für 2018 aufgenommen, über das die Bürgerversammlung morgen Donnerstag befindet.

In der Viertelmillion inbegriffen ist auch eine neue Wand aus Sicherheitsglas rund um den Tribünenbereich, welche die Zuschauer vor herumfliegenden Pucks schützen soll. Lehnt die Bürgerschaft den Kredit ab, so droht den Lakers anstel- le des angestrebten Aufstiegs der Zwangsabstieg.

Die flexiblen Banden bezeichnet Lakers-Mediensprecher Schmid als «sehr sinnvolle Investition»: In der nordamerikanischen Profiliga NHL hätten solche Systeme die Verletzungsgefahr deutlich reduziert. Die neuen Banden kippen bei Belastung um bis zu einen Meter nach hinten und verringern so bei einem Aufprall die Kräfte, die auf den Körper einwirken.

Messungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung und des Schweizer Eishockeyverbands haben gegenüber starren Banden grosse Unterschiede nachgewiesen.

Mehr Gehirnerschütterungen

Flexible Bandensysteme sind laut Schmid zum Thema geworden, weil sich Gehirnerschütterungen in allen Hockeyligen häuften: «Das Eishockey ist viel schneller geworden. Die Spieler prallen heute mit bis zu 60 Stundenkilometern gegen die Banden», erläutert Schmid. Bei den Lakers hätten in der letzten Saison sechs Spieler eine Gehirnerschütterung erlitten. Darauf habe der Club mit einem Massnahmenpaket reagiert (siehe ganz unten). Denn die Forschung habe gezeigt, dass wiederholte Gehirnerschütterungen schwerwiegendere Langzeitfolgen hätten, als lange vermutet worden sei.

Neben den 250 000 Franken für Banden und Glaswand will der Stadtrat im kommenden Jahr zudem 160 000 Franken in die Videoüberwachung im Eisstadion investieren. Mit dem Geld sollen die bestehenden Anlagen im Innen- und Aussenbereich erneuert werden.

Das jetzige System sei veraltet und habe Ausfälle, erklärt Lakers-Mediensprecher Schmid. Die Kosten für die neue Überwachungsanlage übernehmen die Stadt und die Lakers gemeinsam. Der Club steuert laut Schmid eine «namhafte Summe» bei, die jedoch unter dem öffentlichen Beitrag liege.

Ausgaben auch für den Fussball

Die 410 000 Franken fürs Eisstadion sind nicht der einzige Betrag, welche die Stadt im Jahr 2018 für die Infrastruktur ihrer professionellen Sportclubs ausgeben will. Damit der Fussballclub Rapperswil-Jona seine Lizenz für die Challenge League behalten kann, sind im Stadion Grünfeld Investitionen von insgesamt 910 000 Franken erforderlich. Den grössten Posten bildet die Flutlichtanlage, die für 760 000 Franken aufgerüstet werden muss.

Massnahmen gegen Gehirnerschütterungen
Weil Gehirnerschütterungen im Eishockey immer häufiger geworden sind, setzen die SC Rapperswil-Jona Lakers auf Massnahmen zum Schutz ihrer Spieler. Zum einen absolvieren diese ein Aufbauprogramm für die Nackenmuskulatur, damit sie den Kopf besser stützt. Zum anderen erfasst der Club für jeden Spieler ein computerbasiertes Leistungsprofil für das Gehirn, damit der Genesungsprozess nach einer Gehirnerschütterung besser über-wacht werden kann. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Betroffene nicht zu früh aufs Eis zurückkehren.

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