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Diesen Winter geht es kräftig aufwärts

Diesen Winter geht es kräftig aufwärts

Nach schwierigen Jahren zeichnet sich diesen Winter für die Hoteliers im Schweizer Alpenraum eine deutliche Erholung ab. Dies zeigt die neuste Tourismus-Prognose der KOF.

Stefan
Schmid
vor 3 Jahren in
Wirtschaft
Hotel
Die Prognose sieht besser aus.
YANIK BÜRKLI

Die Wetterverhältnisse während der Winter-Sportferien oder den ersten Schnee im Unterland können sie nicht vorhersagen: die Ökonomen der Konjunkturforschungsstelle KOF. Natürlich nicht. Auch wenn dies mitentscheidend ist, wie das Wintergeschäft im Schweizer Tourismus ausfällt. Bei ihren (halbjährlichen) Prognosen geht die KOF jeweils wettermässig von einem «Durchschnittswinter» aus, ansonsten stützt sie sich aber auf harte makroökonomische Fakten ab: die Entwicklung von Konjunktur und Wechselkursen beispielsweise sowie die Stimmung in der Branche.

Und diesbezüglich sieht es so gut aus wie schon seit Langem nicht mehr. «Der Frankenschock scheint grösstenteils überwunden», erklärte KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm gestern vor den Medien in Zürich. Ausserdem laufe der Motor der Weltkonjunktur rund, was zur kräftigen Erholung der Nachfrage bei den ausländischen Touristen beitrage. Insbesondere die wirtschaftliche Situation in Europa habe sich klar verbessert, so Sturm.

Alpenraum kann zulegen

Konkret heisst dies, dass die KOF für die anstehende Wintersaison 2017/18 (November bis April) von einer signifikanten Zunahme bei den Hotellogiernächten um 3,6 Prozent ausgeht. Wobei dieser Wert statistisch leicht verzerrt ist, da das Bundesamt für Statistik seit Anfang Jahr neu 14 Jugendherbergen mit in ihre Beherbergungsstatistik aufgenommen hat. Ohne diesen «Jugi-Effekt» würde das Plus noch 3,3 Prozent betragen. Aber nicht nur die Zahl der Hotelübernachtungen nimmt laut den Berechnungen der KOF zu, sondern auch die Tourismusausgaben und die Bruttowertschöpfung – dies bei stabilen Preisen.

Aus Sicht der alpinen Ferienregionen ist erfreulich, dass auch sie vom Aufschwung profitieren. In den vergangenen Jahren gehörten sie nämlich zu den grossen Verlierern im Schweizer Tourismus, während sich die städtischen Gebiete gut halten und trotz Euroschwäche sogar zulegen konnten. Im Alpenraum dürften die Logiernächte diesen Winter um 3,7 Prozent zunehmen: im Wallis um vier Prozent, in Graubünden immerhin noch um 2,8 Prozent. Hintergrund ist auch hier die Rückkehr von Touristen aus wichtigen Nahmärkten: So rechnet die KOF bei den Gästen aus Deutschland, Italien und Frankreich mit einem Plus zwischen vier und fünf Prozent. Einzig bei den britischen Gästen wird aufgrund der Nachwehen des Brexit bis auf Weiteres mit weniger Hotelübernachtungen gerechnet. Auch die Schweizer Gäste, ein stabilisierender Faktor in den vergangenen schwierigen Tourismusjahren, halten ihrer Heimat die Treue: Das Plus soll diesen Winter 2,8 Prozent betragen. Allerdings können die Alpenregionen mit den erwarteten Zuwächsen in diesem Winter gerade einmal einen Bruchteil der Verluste der letzten Jahre wettmachen. Die Bündner Hotellerie beispielsweise büsste seit dem Rekordwinter 2007/08 infolge der Eurokrise rund 800 000 Logiernächte ein – das entspricht fast jeder vierten Übernachtung. Im Wallis sieht es ähnlich aus.

Doch immerhin geht es jetzt aufwärts im Schweizer Tourismus. Diese Trendwende hat sich bereits im Sommerhalbjahr 2017 abgezeichnet. Die KOF erwartet hier ein Logiernächte-Plus von stattlichen 4,7 Prozent (abzüglich des Sondereffekts «Jugendherbergen» wären es 3,4 Prozent). Die Regionen im Alpenraum legten um über fünf Prozent zu: Graubünden um 4,6 Prozent, das Wallis sogar um 6,1 Prozent.

Getrübtes Bild bei den Bergbahnen

Doch zurück in den Winter: Weniger Optimismus verbreitet die KOF bei ihren Prognosen für die Bergbahnen. Zwar profitieren auch diese im kommenden Winter von den steigenden Touristenzahlen im Alpenraum, allerdings erwartet KOF-Direktor Sturm hier nach vier Jahren mit zum Teil massiv rückläufigen Ersteintritten lediglich ein kleines Plus von 1,3 Prozent. Und für den Winter 2018/19 bereits wieder leicht sinkende Ersteintritts-Zahlen. Sturm macht dafür «strukturelle Gründe» verantwortlich. Er verweist auf die «veränderten Gewohnheiten» der Gäste und die Schneesicherheit, die langfristig tendenziell abnehme.

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SO titelt: "Diesen Winter geht es kräftig aufwärts"
Ich finde das esoterisches Positives Denken, Placebo: Allein der Glaube macht glücklich?
Oje.
Immerhin ist entzifferbar: Die erwarteten vielleicht paar Prozent Plus decken nur ein Bruchteil des Minus der letzten Jahre - und: an Bergbahnen sinke das Interesse eh: «veränderten Gewohnheiten» der Gäste und die Schneesicherheit, die langfristig tendenziell abnehme. Ich finde: das gilt für den Tourismus bisheriger Prägung doch ähnlich, oder?
Mein Fazit: Der SO-Titel mag "relativ" stimmen, "absolut" steht er auf dem Kopf.
Eure Ladenhüter werden nicht besser all die vielen Jahre, wenn ihr nicht WOLLT, da dürften auch die Anfragen an die "Crowd" (Crowdfunding für verschenktes Geistiges Eigentum, während die Werbeindustrie Millionen kassiert?) nichts nützen - der aktuelle Spleen in St. Moritz, Arosa und sicher noch anderswo.
https://strategie.engadin.ch/Group/Start.vor.Login/GroupOverview
https://www.suedostschweiz.ch/tourismus/2017-10-26/arosa-nutzt-daten-um…
https://www.suedostschweiz.ch/aus-dem-leben/2017-10-25/pro-jahr-schiess…
Meine Diagnose: Unfreundlichkeit lässt sich wohl leider kaum verlernen, entweder man ist freundlich oder nicht (Picasso kaum lernbar).
DIENSTLEISTUNG(sbranche) bedeutet: Ich als Kunde muss die Arbeiten, meine Wünsche zu erfüllen, nicht selbst tun, sondern das übernimmt der Anbieter für mich, und dafür bezahle ich ihn.
Leider erlebe ich meist das Gegenteil von "Nächstenliebe"/Idealismus (Freunde an der Sache) oder zumindest "Bedürfnisse gern erfüllen für Geld" (quasi käufliche "Liebe"): Wohnen (Erstwohnungen oder Temporärwohnungen wie Hotels/Ferienwohnungen) unfreundlich bis feindselig, wobei die seit Jahren in den Medien skandalisierten Preismaximierungen – vergleiche das "lustige" Wort "Steuermaximierung" - in Davos nur ein Teilaspekt der Eisbergspitze emotionaler Unverfrorenheit darstellen dürften: Man fühlt sich unwohl sogar unabhängig vom Preis.