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Repower: «Der Vorschlag geht in die richtige Richtung»

Repower zahlt im Jahr rund 17 Millionen Franken Wasserzinsen. Wir haben nachgefragt, was das Bündner Energieunternehmen zum Vorschlag des Bundesrates sagt.

Südostschweiz
23.06.17 - 05:00 Uhr
Wirtschaft
Laut Repower geht der Vorschlag des Bundesrates in die richtige Richtung.
Laut Repower geht der Vorschlag des Bundesrates in die richtige Richtung.
ROLF CANAL

Die Pläne des Bundesrats zur Senkung der Wasserzinsen haben am Donnerstag erste scharfe Reaktionen aus Graubünden provoziert. Die Bergregionen sind mit der massiven Senkung nicht zufrieden und fürchten um ihre Einnahmen.

Für das Bündner Energieunternehmen Repower geht der Vorschlag aber schon einmal in die richtige Richtung, wie Repower-Medienvertreterin Michaela Leuenberger sagt. «Alles, das hilft Produktionskosten zu senken, hilft der Wasserkraft und damit auch der Region.» Mit dem Vorschlag nähere man sich dem Markt an und werde damit auch nachhaltiger.

17 Millionen an Wasserzinsen

Im Jahr zahlt Repower rund 17 Millionen Franken an Wasserzinsen. Das ist ungefähr halb so viel, wie das Unternehmen mit Hauptsitz in Poschiavo pro Jahr auch an Personalkosten ausgibt.

Die Firma hat die politischen Diskussionen rund um die umstrittenen Wasserzinsen verfolgt und hatte die Tage deshalb mit einer Entscheidung gerechnet. «Wir haben damit gerechnet, dass etwas kommt, dass in Richtung Flexibilisierung des Wasserzinses geht», sagt Leuenberger. Diese Richtung begrüsse Repower sehr. Ebenso die Orientierung am Marktpreis.

Beide Parteien sollen profitieren

«Für uns ist wichtig, dass ein Lösungsmodell gefunden wird, das in beidseitigem Interesse ist. Nur so kann es auch längerfristig am Markt bestehen», führt Leuenberger aus. Das vom Bund vorgeschlagene Modell ab 2023 wäre ein solches. Dabei soll das Wasserzinsmaximum nämlich aus einem fixen Sockelbetrag und einem vom Marktpreis abhängigen Teil bestehen.

Von diesem Modell können laut Repower beide Parteien profitieren. Die Gemeinden hätten so in Zeiten, in denen die Strompreise tief seien, eine sichere und feste Einnahmequelle und können ihr Budget planen. Und in Zeiten, in denen die Marktpreise höher sind, könnten sie ebenso profitieren und eventuell sogar mehr Geld einnehmen, als sie es nun bei den bestehenden Wasserzinsen tun.

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Repower würde sich bestimmt nich so positiv über den Vorschlag zur Neuregelung der Wasserzinsen äussern, wäre die Firma noch im Besitz des Kantons Graubünden. Der Einstieg der Unterländer wird sich, das ist absehbar, bei tieferen Wasserzinsen hübsch auszahlen. (Wie wichtig die Meinung der Repower genommen wird, zeigt sich ja an diesem Artikel.)
Kurt Bobst, Felix Vontobel und Fabio Bocchiola haben das einst kerngesunde Unternehmen Repower mit Fehlinvestitionen so sehr heruntergewirtschaftet (http://bit.ly/selbstverschuldet), dass es notfallmässig ins Unterland ausverkauft werden musste — wobei der Verwaltungsrat auch nicht unschuldig war, aber immerhin: der VR wurde seither erneuert. Die genannten Geschäftsleiter sind jedoch weiterhin im Amt und sie kassieren weiterhin einen hübschen Anteil der 17 Millionen, die Repower mit der neuen Regelung erspart werden sollen. Es sollte nicht vergessen werden, welches der oberste Verantwortliche und damit der Hauptschuldige an der Misere ist: Regierungsrat Mario Cavigelli. Jetzt fällt ihm die Repower in den Rücken, weil er es verpasst hat, rechtzeitig die Weichen zu stellen.

Es ist ja wohl nicht so, dass die Repower die Diskussion um die Wasserzins-Senkung einfach "verfolgt und mit einem Entscheid in Richtung Flexibilisierung gerechnet" hat. Mit Martin Schmid hat sie einen Bündner Ständerat im Verwaltungsrat der Repower und an vorderster politischer Front.
Eine Senkung des Wasserzinses - darum geht es bei der sogenannten Flexibilisierung - macht keinen Sinn. Bis auf wenige neue Kraftwerke (z.B. Linth-Limmern) ist die Wasserkraft weitgehend rentabel. Unrentabel sind die Atomkraftwerke geworden, die nun den Stromkonzernen Axpo und ALPIQ schwer auf der Tasche liegen; und die darum nach Unterstützung - im Namen der Wasserkraft - rufen.
Folglich gehört die Nutzung des Wassers weiterhin fair abgegolten. Das Nutzungsentgelt für eine lebenswichtige Ressource an den Markt zu binden, ist sträflich - und erinnert an koloniale Zeiten. Der Kanton und seine Vertreter haben sich für dessen ungeschmälerten Erhalt einzusetzen.

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