Wenn Puppen gebären
Am Spital Unterengadin werden modernste, computergesteuerte Simulationstrainings durchgeführt. Ziel ist mehr Patientensicherheit.
Am Spital Unterengadin werden modernste, computergesteuerte Simulationstrainings durchgeführt. Ziel ist mehr Patientensicherheit.
Sie kann blinzeln und die Augen schliessen, sie kriegt einen harten Bauch bei Wehen, sie kann bluten, sie reagiert auf Medikamente, welche ihr über eine Infusion verabreicht werden. Dank der geliehenen Stimme einer Instruktorin kann sie auch sprechen und ihre Gefühle ausdrücken.
Die Rede ist von Noelle, der Gebärsimulationspuppe. Letzte Woche wurden sie und weitere computergesteuerten Puppen während der Simulationstrainings am Regionalspital in Scuol eingesetzt. «Es geht bei diesen Trainings nicht um eine Leistungserfassung, sondern um den Lerneffekt», betont Spitaldirektor Joachim Koppenberg. Medizinische Notfälle werden mithilfe der intelligenten Computerpuppen künstlich herbeigeführt, um zu üben, in seltenen Ausnahmesituationen richtige Entscheidungen zu treffen und typische Missverständnisse im Team zu vermeiden.
«In 70 Prozent der Fälle sind sogenannte human factors für Fehler verantwortlich», sagt Marcus Rall. Mit der Firma Inpass zählt er zu den Pionieren und führenden Experten für Simulations-Teamtraining in Europa. Beim Simulationstraining gehe es vor allem darum, ein Bewusstsein für die Bedeutung von Kommunikation, Interaktion, Organisation zu schaffen. «Das sind alles Faktoren, die man im Medizinstudium nicht lernt», sagt Rall. Internationale Studien belegen, dass die Simulationstrainings zu dramatischen Verbesserungen der Patientensicherheit führen und es deutlich weniger oft zu Komplikationen kommt.
Bald eigene Simulationsexperten
Das Spital Unterengadin ist das erste im deutschsprachigen Raum, welches das sogenannte Crew-Ressource-Management-Simulationstraining umfassend mit allen medizinischen Abteilungen im eigenen Haus durchführt. Ab dieser Woche werden auch eigene Instruktoren in Scuol ausgebildet und im November gibt es nochmals eine komplette Trainingswoche. «Wir möchten damit Kontinuität schaffen», sagt Koppenberg. Ab 2018 sollen sogenannte «in house Trainings» mit eigenen Trainern und eigenem Material durchgeführt werden. Langfristig könnte das Regionalspital so auch zu einem Ausbildungsort für andere Institutionen werden.
Der ausführliche Bericht zum Thema:
Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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