×

Ein exklusiver Blick in den Albulatunnel

Was vor zehn Jahren eine Idee war, wird derzeit gerade umgesetzt. Der Neubau des Albulatunnels. Am Samstag war die Bevölkerung zur Besichtigung der Baustelle eingeladen. Wir schauen für Euch zurück - von der Idee bis zur Umsetzung.

Südostschweiz
10.09.16 - 15:09 Uhr
La Quotidiana

Der Neubau des Albulatunnels bewegt uns bereits seit zehn Jahren. Schon damals war sich die RhB einer Sanierung bewusst, aber der Neubau war erst eine von vielen Varianten. Ende Dezember 2006 titelte die Zeitung «Südostschweiz» deshalb gross: «Die RhB prüft Neubau des Albulatunnels».

Die Rhätische Bahn war sich bereits damals bewusst, dass der über 100 Jahre alte Tunnel mindestens einen neuen «Anstrich» benötigte. Untersuchungen hatten ergeben, dass 60 Prozent des Bauwerks instand gestellt, die Sicherheitsansprüche dem Gesetz angepasst werden müssten und die Tunnelhöhe zu gering war.

Im Februar 2009 war die Entscheidung aber immer noch nicht gefällt. Die RhB fragte sich immer noch: Neubau oder Sanierung? Damals rechnete der Verwaltungsrat damit, dass bei einem reibungslosen Ablauf der Baubeginn im Jahr 2011 angesetzt werden könnte.

Ende Dezember 2009 hiess es bei der RhB, dass im März 2010 eine Entscheidung über die Zukunft des Albulatunnels fallen solle.

Der Neubau ist besiegelt

Zwar nicht im März, dafür aber Anfang April 2010 stand schliesslich fest: Der 170 Jahre alte Albulatunnel soll einem Neubau weichen. Die Sanierung koste «nur» 20 Millionen Franken mehr als eine Sanierung. Damals ging man für den Neubau von Kosten in Höhe von 260 Millionen Franken aus.  Zudem betonte die RhB, dass ein Neubau langfristig günstiger sei, da man in 50 Jahren nicht erneut sanieren müsse.

Unterstützung bekam die RhB auch von den Parteien. So sprachen sich im Laufe des Jahres unter anderem die FDP und die SVP für den Neubau aus. Die SVP forderte den Kanton gar auf, Rückstellungen für den Tunnel zu machen.

In der Februarsession 2011 kündigte schliesslich Baudirektor Mario Cavigelli an, dass der Kanton 40 Millionen Franken zurückstellen wolle und dies beim Grossen Rat beantragen werde. Rund ein Jahr später erklärte dann der Bund, dass er die Absicht habe, den Bau mit 220 Millionen Franken zu unterstützen.

Neubau steht nichts mehr im Weg

Am 25. September 2012 war es soweit. Der Nationalrat gab der Finanzierung des Tunnelprojekts grünes Licht und folgte damit dem Ständerat. Die Inbetriebnahme war zu diesem Zeitpunkt für 2020 vorgesehen – der Baubeginn neu für das Jahr 2014 angesetzt.

Im Dezember sendete die Rhätische Bahn dann vier Tonnen Papier nach Bern und machte damit die Baueingabe beim Bund. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Bau neu mit 290 Millionen Franken bewertet.

Widerstand

Im Frühling 2013 regte sich jedoch Widerstand gegen das Neubauprojekt. «Zu technokratisch, zu wenig umweltschonend», wurde die Interessengemeinschaft Pro Val Bever in der Zeitung «Südostschweiz» zitiert. Die Verantwortlichen der RhB konnten die Einwände nicht nachvollziehen.

Die IG störte sich unter anderem am geplanten Ausbau des Strassennetzes. Der Weg werde nach dem Ende der Bauarbeiten bestimmt nicht zurückgebaut, so die IG. Ausserdem stiessen auch die Ausbaupläne des Bahnhofs Spinas nicht auf Begeisterung. Im Mai 2013 erhob die IG schliesslich offiziell Einsprache gegen die Pläne der Rhätischen Bahn und es sollte nicht die einzige Einsprache bleiben.

Am 15. Mai bestätigte das Bundesamt für Verkehr, dass 25 Einsprachen gegen die Pläne des Bündner Zugunternehmens eingegangen sind. Unter anderem die Gemeinden Bever und Bergün. Sie seien nicht gegen den Tunnel, hätten aber noch einige Änderungswünsche, hiess es damals aus den Gemeinden.

Bever ging es dabei um die Strassennutzung, welche die RhB einfach für ihre Bedürfnisse plane. Die Gemeinde hat deshalb ein eigenes Zufahrtskonzept zur Baustelle erarbeitet. Wegen des Gewässerschutzes stiess der Vorschlag bei der RhB aber nicht auf offene Ohren.

Im Verlaufe des Herbstes näherten sich die Gemeinden schliesslich der RhB wieder an – nur die IG und die Rhätische Bahn fanden trotz Gesprächen nicht zueinander.

Baubewilligung erteilt

Eineinhalb Jahre nach der Baueingabe hiess es am 12. Mai 2014 dann in der Zeitung «Südostschweiz»: «Die RhB kann den neuen Albulatunnel bauen». Das Bundesamt für Verkehr hat der Rhätischen Bahn die Bewilligung erteilt. Die Baukosten sind mittlerweile auf total 345 Millionen Franken gestiegen. 85 Prozent sollen dabei zu Lasten des Bundes gehen – 15 Prozent zu Lasten des Kantons.

Nicht einmal zwei Monate später fand bereits der Spatenstich statt. «Sie», sagte RhB-Verwaltungsratspräsident Stefan Engler an die Adresse der Festgäste, «werden Zeugen eines neuen Kapitels, das die RhB in ihrer Geschichte schreiben wird.»

Gebaut wird der Neubau aber nicht von Einheimischen, sondern von Österreichern (Porr AG), wie im Februar 2015 bekannt wurde. Der Grund: Die Bündner Unternehmen waren zu teuer und kamen damit gemäss den Vorgaben der Welthandelsorganisation nicht in Frage.

Ein Skandal und ein Unfall

Nur rund einen Monat nach der Bekanntgabe der Baufirma war diese in einen Skandal verwickelt. Auf einer anderen Baustelle wurde der Porr AG Lohndumping vorgeworfen. Die RhB machte sich um ihre Arbeiter jedoch keine Sorgen.

Am 31. August 2015 fand die sogenannte Anschlagfeier statt. Damit begann der Vorbetrieb zum neuen, 5860 Meter langen Tunnel, welcher nun neu 2021 eröffnet werden sollte. Nur kurz nach Beginn der Bauarbeiten ereignete sich ein tödlicher Arbeitsunfall bei Preda. Ein 51-jähriger Arbeiter aus Tschechien wurde zwischen einem Betonfundament und einem Lastwagen eingeklemmt. Trotz sofortiger Reanimation konnte der Rega-arzt nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Tag der offenen Baustelle

Am Samstag öffnete nun die RhB ihre Baustelle für die Bevölkerung und bot den Besuchern einen exklusiven Blick ins Innere des Berges. Damit der Tunnel gebaut werden kann, muss dieser zuerst rund um das künftige Tunnelprofil vereist werden. Erst durch die 2,5 Meter dicke Vereisung wird es möglich sein, weiterzuarbeiten.

Seit Mitte Juli ist die Gefrieranlage in Betrieb, im Oktober sollte das Material dann genügend stabil sein und der Tunnelausbruch kann starten.

Die Ereignisse im Überblick

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu La Quotidiana MEHR