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Somedia druckt künftig in Schwerzenbach

Somedia druckt künftig in Schwerzenbach

Das Medienhaus Somedia spannt künftig mit dem Druckunternehmen Comprinta AG zusammen. Dies führt Anfang 2017 zur Schliessung der Druckerei in Chur. CEO Andrea Masüger erklärt im Interview, weshalb dieser Schritt für die Zukunft wichtig ist.

Südostschweiz
06.04.16 - 15:01 Uhr
Politik
Die Druckerei in Chur ist ab Januar 2017 Geschichte. Archivbild

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Medienhaus Somedia im Bereich Zeitungsdruck bereits mit Partnerverlagen zusammen und lässt alle Zeitungen in Haag (SG) drucken. Dieses erfolgreiche Modell will Somedia nun auch im Bereich Kundendruck fortsetzten. Das Unternehmen spannt deshalb ab Januar 2017 mit dem Schweizer Druck-Kompetenzzentrum Comprinta AG in Schwerzenbach (ZH) zusammen. Im Interview mit Nadia Kohler spricht CEO Andrea Masüger über die Gründe und den Stand des Unternehmens.

Weshalb hat man sich für die Zusammenarbeit mit der Comprinta AG entschlossen und damit für die Schliessung des Standort Chur?

Es geht um eine Verlagerung des Drucks. Das heisst, dass wir auch weiterhin Produkte für unsere Kunden drucken werden. Durch diesen Schritt stärken wir jedoch die Stellung unserer Angebote im Markt. Es handelt sich also nicht um einen Abbau, sondern eine Massnahme, um unser Angebot attraktiver zu gestalten!

Auslöser für die Zusammenarbeit mit Comprinta waren die veränderten Rahmenbedingungen in der Schweizer Druckbranche, welche sich stark verschlechtert haben. Es handelt sich dabei um drei Faktoren, welche das Drucken seit einiger Zeit teuer machen.

Da sind die Materialkosten, welche im Ausland wesentlich günstiger sind, die Aufhebung des fixen Euro-/Franken-Kurses vor über einem Jahr, welcher das Drucken in der Schweiz um 15 bis 20 Prozent verteuert hat sowie die Lohnkosten. Ein Drucker in der Schweiz verdient drei- bis viermal so viel wie einer in der EU.

Da es uns ein Anliegen ist, auch weiterhin in der Schweiz zu drucken, müssen wir künftig effizienter produzieren, um konkurrenzfähig zu sein. Deshalb haben wir den Entschluss gefasst, künftig mit einer Grossdruckerei zusammenzuarbeiten.

Die Druckerei in Chur beschäftigt derzeit 31 Mitarbeiter – darunter auch Lehrlinge – was geschieht mit ihnen?

Es kommt auf keinen Fall zu 31 Entlassungen. Comprinta wird zahlreichen Mitarbeitenden der Somedia ein Stellenangebot unterbreiten und auch mit anderen Druckereien wird das Gespräch gesucht. Ich bin zudem sehr zuversichtlich, dass wir für den grössten Teil unserer Mitarbeitenden und vor allem auch für unsere drei Lehrlinge einen neuen Arbeitgeber finden werden.

In einer Mitteilung schreiben Sie, dass die Zusammenarbeit die Wettbewerbskraft massgeblich stärkt und hohe Qualität kosteneffizient produziert werden kann – werden die Produkte für die Kunden damit günstiger?

Das Ziel ist selbstverständlich attraktive Angebote zu machen, damit das Drucken im Ausland nicht mehr gar so interessant ist. Genau dieselben Preise wie im Ausland können wir zwar nicht anbieten, aber wir wollen ein Angebot offerieren, damit es den Kunden Wert ist, hier in der Schweiz zu drucken.

Für die Kunden der Somedia verändert sich also nichts?

Für die Kunden ändert sich grundsätzlich überhaupt nichts – er bekommt weiterhin die genau gleichen Dienstleistungen und Beratungen wie bisher. Statt in Chur, drucken wir künftig einfach in Schwerzenbach.

Im Februar hat Somedia einen vereinzelten Stellenabbau bei der Zeitung Südostschweiz angekündigt – nun die Schliessung der Druckerei in Chur – geht es dem Unternehmen schlecht?

Nein, es geht dem Unternehmen nicht schlecht. In ein paar Tagen werden wir die Jahreszahlen 2015 präsentieren, welche sehr ordentlich aussehen. Dies deshalb, weil wir während des Jahres laufend Massnahmen prüfen, um Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern. Dies ist eine Daueraufgabe, wir müssen schlagkräftig bleiben in einem schnell wandelnden Umfeld. Dann können wir auch künftig Jahresergebnisse präsentieren, welche das Fortbestehen unseres Medienunternehmens sichern.

Was bedeuten solche Zusammenarbeiten für die Zukunft der Medienhäuser in der Schweiz? Können Medienhäuser überhaupt noch Dinge im Alleingang angehen?

Der Trend zur vermehrten Zusammenarbeit ist klar zu sehen. Dies zeigt auch gerade das aktuelle Beispiel des Joint Ventures von Ringier, SRG und Swisscom, welche bei der Vermarktung zusammenspannen. Auch die Somedia hat nebst dem Druckbereich weitere Zusammenarbeitsmodelle – so zum Beispiel mit den AZ Medien. Dieser Trend wird künftig vermutlich noch verstärkt – die einzelnen Medien bleiben dadurch aber weiterhin unabhängig.

Comprinta ist ein Schweizer Druckunternehmen, welches sich auf die industrielle Druckproduktion und Weiterverarbeitung spezialisiert hat. Das Unternehmen aus Schwerzenbach hat rund 100 Mitarbeiter und arbeitet künftig mit sechs unabhängigen Partnerfirmen zusammen.

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