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Vergangenheit, alphabetisch abgelegt

Seit über hundert Jahren werden beim Dicziunari Rumantsch Grischun romanische Wörter alphabetisch gesammelt, Begriffe einer verschwindenden Sprache. Inzwischen
ist die Redaktion des Wörter­buches beim M angekommen.

Südostschweiz
Sonntag, 13. Mai 2012, 10:00 Uhr
Die Redaktion des Dicziunari Rumantsch Grischun sammelt und benennt die romanische Welt.

Chur. – Was heisst Nase, was Nasenlöcher? Was Stumpfnase? Plattnase? Kartoffelnase oder Säufernase auf Romanisch? Welche Begriffe werden für die unterschiedlichen Verwandtschaftsgrade benutzt, welche Worte gibt es für den Tagesablauf, und wie heissen die verschiedenen Suppen?

10 000 Fragen liess der Bündner Sprachwissenschafter Robert von Planta zwischen 1900 und 1904 in 16 romanischsprachigen Gemeinden beantworten. Es seien, so hatte Planta die Befrager angewiesen, «auch derbe Begriffe herzusetzen, da es sich nicht um feine Sprache handelt».

Die von Hand ausgefüllten Blätter liegen heute als «Fragebogen Planta» im Archiv beim Dicziunari Rumantsch Grischun, kurz DRG, an der Ringstrasse in Chur. Von Planta, 1864 im ägyptischen Alexandrien in eine Bündner Handelsfamilie hineingeboren, studierte später in Basel indogermanische Sprachen. Heute wird er als einer der Gründerväter des Dicziunari bezeichnet. (so)

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