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Südtiroler wehren sich gegen die Vergiftung ihrer Heimat

Der Obervinschgau im Südtirol gilt als idyllische Ferienregion. Nun droht der massive Einsatz von Pestiziden im Obstbau das Paradies zu zerstören.

Südostschweiz
Freitag, 26. April 2013, 08:30 Uhr
Seit vier Jahren schiessen Obstplantagen wie Pilze aus dem Obervinschger Boden.

Mals im Südtirol. – Nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, befindet sich ein wahres Obstbau-Mekka. Südtirol verfügt mit rund 18 000 Hektaren und etwa 50 Millionen Bäume über das grösste geschlossene Obstbaugebiet Europas. Im Laufe der Jahre ist eine Monokultur riesigen Ausmasses entstanden und somit ein höchst lukratives Geschäft.

Seit dem Jahr 2009 schiessen die Obstplantagen auch in der Region Obervinschgau wie Pilze aus dem Boden. Wegen des Einsatzes von Pestiziden wird diese Entwicklung von den Einheimischen mit Sorge betrachtet. Die Spritzmittel haben fatale Folgen für die Biodiversität, verändern die Landschaft und werden sich wohl langfristig auch auf die Gesundheit der Vinschger auswirken.

«Die Obstbaulobby wird politisch gestützt»

Eine Bürgerinitiative namens «Adam&Epfl» hat sich zum Ziel gesetzt, die Menschen für die schleichende Veränderung im Obervinschgau zu sensibilisieren. «Die Frage ist schlussendlich: Wollen wir nur zusehen oder wollen wir etwas tun», sagt beispielsweise Konrad Messner, einer der Initianten. Aktiver Widerstand ist gemäss Messner zwar kaum möglich. «Die Obstbau-Lobby ist sehr stark und wird politisch gestützt», erklärt er. Messner ist überzeugt, dass nur eine grundsätzliche Änderung der Haltung bei den Einheimischen Wirkung zeigen könnte. Die einheimischen Grundeigentümer verkaufen nämlich ihr Land für teures Geld an auswärtige Obstbauunternehmen - und diese schlagen kräftig zu.

Hoffnung gibt den Umweltschützern und Biobauern eine aktuelle Umfrage aus Mals, welche die Umweltschutzgruppe Vinschgau lanciert hat. Diese ergibt, dass die Ausbreitung des Obstbaus in der Gemeinde von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung kritisch gesehen wird. Zwei Drittel der Bevölkerung würde es begrüssen, dass der Einsatz von Spritzmitteln verboten würde. Am vergangenen Montag wurde sogar ein Antrag zur Volksabstimmung für eine Pestizid-freies Mals bei der Gemeinde abgegeben. Nun wird geprüft, ob der Antrag zulässig ist. (fh)

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