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Sprachpolitik drückt sich um schwierige Fragen

Sollen Einwanderer den Dialekt ihrer neuen Wohnregion lernen oder die Standardsprache des Landes? Zu dieser heiklen Frage schweige die Sprachpolitik in der Schweiz und in anderen Regionen Europas, moniert ein von der Universität Bern geleitetes Forschungsprogramm.

Südostschweiz
Montag, 21. Februar 2011, 19:00 Uhr
Universität Bern.

Bern. – Dialekte sind wichtig für die Integration von Einwanderern, wie die Uni Bern heute mitteilte. In der Deutschschweiz etwa stellt sich die Frage, welches Deutsch ein Migrant lernen soll: Dialekt oder Hochdeutsch? Doch die Sprachpolitik beschäftigt sich nur selten mit dem Zusammenspiel von Dialekt und Standardsprache.

Zu diesem Schluss kommt ein gross angelegtes Forschungsprogramm, an dem unter der Leitung der Uni Bern neun europäische Universitäten teilgenommen haben. Eine einfache Antwort auf die Frage gebe es nicht, sagte Programmkoordinator Iwar Werlen vom Institut für Sprachwissenschaft der Uni Bern auf Anfrage.

Rolle bei Integration

Einerseits sei es wichtig für Migranten, zu verstehen, was mit ihnen gesprochen werde. Dazu seien oft Kenntnisse des lokalen Dialekts nötig. Andererseits müssten sich Einwanderer natürlich auch selbst ausdrücken können – das könne je nach Kontext in Dialekt, der Standardsprache oder gar einer Fremdsprache geschehen.

Auch in Gebieten mit Sprachminderheiten – etwa Rätoromanisch im Kanton Graubünden oder Katalanisch in Barcelona – wird laut dem Forschungsprogramm selten darüber gesprochen, welche Sprache die Einwanderer aus welchen Gründen lernen sollten: die Minderheitssprache, eine der grösseren Landessprachen oder beide.

Zudem zeigten Untersuchungen in England, Spanien und der Schweiz, dass Sprache als zentrales Mittel zur Integration gesehen wird – jedenfalls aus der Sicht der jeweiligen Regierung. Viele Migranten würden allerdings anders denken, heisst es in dem Communiqué. Ihnen ist die sprachliche Integration nicht so wichtig.

Keine Wertschätzung

Manche leben nämlich in Gebieten, in denen sie im Alltag keine Landessprache benötigen, einige auch nicht an ihrem Arbeitsplatz. Andere haben nicht vor, lange zu bleiben. Die Wichtigkeit von Sprachkenntnissen für die soziale und wirtschaftliche Integration hängt also von vielen Faktoren ab.

Das Programm zeigt weiter, dass die Sprachkenntnisse der Migranten in den Einwanderungsländern selten Wertschätzung erfahren. In einer Befragung in Italien, Österreich und England gaben viele Lehrer gar an, dass sie das Erlernen und Benutzen mehrerer Sprachen gleichzeitig für ein Lernhindernis hielten. (sda)

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