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Oberst Baumgartner: «15 bis 18 Prozent der Rekruten verliere ich wieder»

Oberst Baumgartner: «15 bis 18 Prozent der Rekruten verliere ich wieder»

Chur gehört zu den grössten Rekruten- schulen der Schweiz. Auch am Montag sind wieder rund 650 junge Schweizer eingerückt, um ihren Dienst mit der Waffe zu tun.

Südostschweiz
vor 9 Jahren in
Künftige Soldaten machen erste Gehversuche mit der Achtungsstellung.

Chur. – Von «gutem Holz» spricht Oberst im Generalstab Peter Baumgartner, als er die langen Reihen von angehenden Infanteristen abschreitet. Und dass in den kommenden Ausbildungswochen die Späne fliegen werden, wird den meisten jungen Männern schon vorher klar gewesen sein.

Denn der Energieverbrauch eines Rekruten in den ersten Wochen sei so hoch wie der eines Radprofis oder eines Profi-Fussballers, erklärt Baumgartner gegenüber dem «Bündner Tagblatt». Diesem Druck hielten leider nicht alle stand: «15 bis 18 Prozent verliere ich wieder, aus körperlichen oder psychischen Gründen.»

38 Bündner Rekruten

Der Standort Chur gehört zu den grössten Rekrutenschulen der Schweiz. Von den 7800 Wehrpflichtigen, die am Montag schweizweit einrückten, absolvieren 650 ihren Dienst in Chur respektive im dazugehörigen Ausbildungs-Standort Bronschhofen (St. Gallen). 38 davon stammen aus dem Kanton Graubünden.

Im Vergleich dazu: Die grösste Gruppe stellt der Kanton Zürich mit 195 Dienstpflichtigen. «Alles ausser Bern und was weiter westlich davon liegt, kommt zu uns», erklärt Baumgartner. Neben den Rekruten rücken auch etwa 150 Kaderleute mit ein. Ausgebildet werden Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere in den Funktionen Füsilier, Minenwerfer, Fahrer, Truppenkoch, Büroordonnanz und Betriebssoldat.

Viele erwarten Action

Ein Grossteil der zukünftigen Soldaten ist hoch motiviert. So zum Beispiel auch Stefan Schaufelbühl aus Hütten im Kanton Zürich, der sogar gekommen wäre, wenn der Militärdienst freiwillig wäre. Er ist berteits voller Vorfreude: «Nur das richtige Militärfeeling habe ich noch nicht», erzählt er. Doch bevor es auf die langen Märsche geht, müssen die angehenden Rekruten noch etwas in Reih und Glied stehen und sich in Geduld üben.

«Viele erwarten Action», erklärt Kommandant Baumgartner. Vor allem Rekruten mit Migrationsbackground seien of extrem motiviert, meint der Ausbildner. Klar sei für die hier Anwesenden auf jeden Fall, dass Action und Abenteuer auch harte körperliche Arbeit bedeute: «Wenn man umherschaut, sieht man zum Beispiel keine Übergewichtigen», so Baumgartner.

Nicht nur für die Rekruten, sondern auch für deren Kader ist die RS eine harte Schule. Denn bereits nach elf Wochen Ausbildung stehen einige wieder hier und müssen die jungen Dienstpflichtigen durch das Prozedere führen. «Da ist der Rucksack einfach noch zu schmal», erklärt Baumgartner. Doch darüber macht sich Daniel Ezgeta aus Flims keine Gedanken. Nach seiner Ausbildung in Gossau, Bern und Colombier steht er heute als Oberwachtmeister vor den Rekruten und weist diese ein. «Es läuft alles bestens», meint er zum Ablauf. (ag)

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