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Leuchtende Bäuche bringen neue Ansätze gegen Zöliakie

Forscher der ETH Zürich haben eine Methode entwickelt, mit der sie in lebenden Organismen Enzyme beobachten können, die Gluten spalten. Sie wollen damit Eiweisse entwickeln und testen, die gegen Zöliakie helfen.

Südostschweiz
Dienstag, 16. August 2011, 13:00 Uhr
Wer an Zöliakie leidet, muss Brot aus Weizenmehl von seinem Speiseplan streichen.

Bern. – Zöliakie ist eine chronische Überempfindlichkeit gegen das Eiweiss Gluten, das in Getreidesorten wie Weizen, Gerste und Roggen enthalten ist. In westlichen Ländern leidet bis zu einer von 100 Personen an der Krankheit. Eine Behandlungsmethode gibt es nicht, Betroffenen bleibt nichts anderes übrig, als auf glutenhaltige Esswaren zu verzichten.

US-Forscher haben die Idee entwickelt, Zöliakie-Patienten sogenannte Verdauungsenzyme zu verabreichen, die Gluten spalten und damit entgiften. Weil die Enzyme aber im Magen-Darm-Trakt nach und nach zersetzt werden, ist bisher unklar, wie effizient sie sind und wie oft und in welcher Form sie verabreicht werden müssten.

Licht bei Verdauung

Um diese Fragen zu untersuchen, schufen Jean-Christophe Leroux und Gregor Fuhrmann vom Institut für pharmazeutische Wissenschaften der ETH Zürich ein Gluten-Modelleiweiss, wie die Webzeitung ETH Life heute berichtete. An das Eiweiss koppelten die Forscher einen fluoreszierenden Farbstoff.

Sie verfütterten das Modell-Gluten an Ratten und verabreichten den Tieren zwei verschiedene Verdauungsenzyme. Sobald ein Enzym das Gluteneiweiss aufgeknackt hatte, wurde der Farbstoff aktiviert. Die Forscher konnten also aufgrund der leuchtenden Bäuche der Ratten feststellen, wie stark und wie lang ein Enzym wirkte.

Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin «Pnas» berichten, war nur eines der beiden Verdauungsenzyme im Magen aktiv. Mit einem Säureblocker, der die Magensäure der Versuchstiere neutralisierte, liess sich jedoch auch das zweite Molekül im Magen zur Gluten-Verdauung anregen.

Enzyme säureresistenter machen

Die Methode sei das erste Werkzeug, um im Verdauungstrakt eines lebenden Organismus diese enzymatischen Vorgänge zu beobachten, wird Leroux zitiert. Das sei wichtig, denn im Reagenzglas lasse sich der Magen-Darm-Trakt nicht realistisch nachbilden. Dort gewonnene Resultate seien deshalb von geringerer Aussagekraft.

Die Forscher wollen nun in weiteren Versuchen, die Verdauungsenzyme mit Molekülen bestücken, die sie vor dem raschen Abbau im Magen schützen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Enzyme in winzige Transportbehältnisse einzupacken, die ihre Fracht erst nach der Passage durch den Magen im basischen Milieu des Darms freigeben. (sda)

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