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Klimawandel lässt Aeschen immer früher laichen

Die Klimaerwärmung lässt Fische den Frühling früher spüren. Die Laichzeit der Aeschen beginnt heutzutage dreieinhalb Wochen früher als noch vor 60 Jahren, wie Schweizer Forscher herausgefunden haben. Was das für den Nachwuchs bedeutet, ist noch nicht klar.

Südostschweiz
Montag, 07. März 2011, 14:00 Uhr
Aeschen am Laichplatz.

Bern. – In wenigen Tagen beginnen die Aeschen zu balzen und zu laichen, wie die Universität Lausanne mitteilte. Die Bestände des lachsartigen Fisches nehmen aber in den Schweizer Flüssen seit einigen Jahren ab. In einem gemeinsamen Projekt untersuchen die Uni Lausanne und das Fischereiinspektorat des Kantons Bern die Gründe für diesen Rückgang.

Eine erste Erkenntnis: Aeschen laichen heute etwa dreieinhalb Wochen früher als noch vor 60 Jahren. In der Aare bei Thun – wo das Schauspiel leicht vom Ufer aus beobachtet werden kann – beginnt die Laichzeit deshalb schon in wenigen Tagen, und nicht erst Ende März wie früher.

Wärmeres Wasser

Die Forscher um Claus Wedekind von der Uni Lausanne und Christoph Küng vom Kanton Bern führen dies auf die Klimaerwärmung zurück. Seit 1970 stieg die Wassertemperatur der Aare bei Thun um etwa 1,5 Grad. Anders als viele Seebewohner könnten Flussfische solchen Temperaturänderungen kaum ausweichen, heisst es in der Mitteilung.

Für ihre im Fachmagazin «Conservation Biology» publizierte Studie stützen sich die Forscher auf langjährige Messreihen und Protokolle der Laichfischjäger. Seit den 1940er-Jahren fangen Pächter und Fischereiaufseher jedes Jahr einige laichreife Aeschen und streifen ihnen Eier und Spermien ab.

So werden Jungtiere unter geschützten Bedingungen aufgezogen und dann ausgesetzt, um die natürliche Population zu stützen. Aus den Daten können die Forscher ersehen, wann das erste und das letzte laichreife Weibchen am Laichplatz gefangen wurde – ein gutes Mass für den Anfang und das Ende der Laichzeit.

Alarmierender Weibchenmangel

Auch die Geschlechterverhältnisse am Laichplatz lassen sich dank der Protokolle abschätzen. Bei dieser Untersuchung stiessen die Forscher auf alarmierende Veränderungen, wie sie schreiben: Waren früher im Schnitt etwa 65 Prozent der Tiere am Laichplatz Männchen, so hat sich der Männchenanteil in den letzten 15 Jahren auf 85 bis 90 Prozent erhöht.

Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Geschlechterverschiebung zum Rückgang der Aeschen-Populationen beigetragen haben könnte: Bei vielen Fischen ist die Geschlechtsentwicklung nämlich ziemlich labil. Veränderungen der Umwelttemperatur können beim Embryo oder der Larve nämlich eine Geschlechtsumwandlung verursachen.

Dabei können Weibchen entstehen, die ein (männliches) Y-Chromosom im Erbgut tragen, oder auch Männchen mit einem weiblichen Genotyp. Die Konsequenzen für die Nachkommen sind schwierig vorherzusehen. In einer Doktorarbeit wird nun untersucht, ob temperaturbedingte Geschlechtsumwandlungen die ungewöhnlichen Geschlechterverhältnisse der Thuner Aeschen erklären können. (sda)

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