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Erstes Wolfsrudel der Schweiz am Calanda

Die Spekulationen um eine Wolfsfamilie mit Jungen am Calanda haben ein Ende. In Graubünden lebt die erste Wolfsfamilie der Schweiz.

Südostschweiz
Donnerstag, 06. September 2012, 16:00 Uhr

Chur. – Zwei in den letzten Tagen beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden unabhängig voneinander gemeldete Beobachtungen von Wolfswelpen bestätigen, dass die seit längerem am Calanda beheimateten Wölfe Nachwuchs bekommen haben («suedostschweiz.ch» berichtete). Dies teilte das Amt am Donnerstag mit. Es ist dies der erste gesicherte Nachweis eines Wolfrudels in der Schweiz seit der Rückkehr dieses Grossraubtieres 1995.

«Das sind die ersten Wölfe, die in der Schweiz seit ihrer Ausrottung vor 150 Jahren geboren wurden», sagte Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei. Das sei absolut spektakulär. Wie viele Mitglieder die Wolfsfamilie nun zählt, ist noch unklar. Normalerweise zählt ein Wurf vier bis sechs Welpen. Meistens überleben aber nicht alle.

Die beiden Tiere sind im November erstmals zusammen gesichtet worden. Damals war aber noch unklar, ob es sich um ein Paar oder zwei gleichgeschlechtliche Tiere handle. In ganz Graubünden lebt rund ein halbes Dutzend Wölfe – die Welpen nicht eingerechnet. Exakte Zahlen hat das Amt für Jagd und Fischerei nicht.

Suche nach eigenem Territorium

Der Grund ist, dass die meisten Tiere nicht sesshaft werden, sondern weit herumschweifen und auch mal den Kanton verlassen. Seit 1995 wandern immer wieder einzelne Wölfe von Süden in die Schweiz ein, schreibt chwolf.org. Der Alpenraum mit dem grossen Rotwildbestand und genügend Rückzugsmöglichkeiten biete ideale Lebensbedingungen für Wölfe.

Wolfsfamilien sind Sozialverbände unter Wölfen, auch bekannt als «Rudel», schreibt Pro Natura. In der Schweiz werden die Familienverbände gemäss Erfahrungen aus Deutschland, Frankreich oder Italien wohl nicht mehr als sechs bis acht Tiere haben. Normalerweise sind das die Elterntiere mit ihrem Nachwuchs und teilweise den Jungtieren des vergangenen Jahres, welche später abwandern und sich ein eigenes Territorium suchen.

Zwei Wölfinnen nachgewiesen

Das Portal für Wölfe in der Schweiz schätzt den Bestand auf zehn bis 15 Wölfe. Seit 1995, dem Beginn der natürlichen Einwanderung, wurden 38 Wölfe (31 männliche und sieben weibliche), alle italienischer Abstammung, nachgewiesen. Einige von ihnen wanderten durch die Schweiz, einige wurden abgeschossen, verunfallten oder starben eines natürlichen Todes.

Im vergangenen Jahr wurden zehn Wölfe genetisch nachgewiesen, darunter zwei Wölfinnen. Die Anwesenheit von vier bis fünf weiteren Tieren sei wahrscheinlich. In zahlreichen europäischen Ländern nimmt der Bestand des Wolfes wieder zu. Laut der Enzyklopädie Wikipedia gibt es in den südöstlichen Nachbarländern von Österreichs Populationen mit jeweils bis zu 100 Wölfen. (phw/sda)

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