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100 Jahre, 800 000 Züge – ein Auto

100 Jahre, 800 000 Züge – ein Auto

Feuerwehrmann Werner Wellauer aus Arosa war ein waghalsiger Kerl und fuhr Strecken, die man besser nicht fährt. Zumindest nicht mit einem Feuerwehrwagen.

Südostschweiz
vor 9 Jahren in

Langwies. – Im Juli 1912 – vor 100 Jahren – wurde mit dem Bau des Langwieserviaduktes der Chur–Arosa Bahn begonnen, 1914 wurde die Strecke schliesslich eingeweiht. Seither bestaunen jedes Jahr zigtausende Passagiere der Rhätischen Bahn auf ihrer Fahrt von Chur nach Arosa die filigrane Stahlbeton-Bogenbrücke, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts als weitestgespannte Eisenbahnbrücke der Welt galt. Rund 800 000 Züge dürften den Viadukt bisher befahren haben.

Einmal in seiner Geschichte, so die offizielle Schreibart, war der Langwieserviadukt aber mehr als eine Eisenbahnbrücke: im Februar 1983. Damals fuhr ein Feuerwehrwagen aus Arosa über die Brücke. Am Steuer sass der heute 69-jährige Werner Wellauer, ehemaliger Aroser Sportsekretär, Autorennfahrer, Präsident des Kurvereins, Gastwirt, Golfclubpräsident – und Feuerwehrmann.

Blaulicht allein war abenteuerlich

Als Fahrer des Tanklöschfahrzeuges wurde er am 21. Februar 1983 nach Langwies aufgeboten: Beim Bahnhof brenne ein Haus. Mit einem Feuerwehrkollegen fuhr Wellauer mit Blaulicht nach Langwies, erinnert er sich. «Das allein war schon ein Erlebnis». In Langwies hätten sie dann die Bescherung gesehen, im wahrsten Sinne des Wortes: Das brennende Haus befand sich nämlich auf der anderen Seite des Tales. Mit dem Auto – und damit mit dem Löschwasser – konnte man wegen des vielen Schnees nur über den Eisenbahnviadukt dorthin gelangen.

«Ich habe damals nicht lange überlegt», sagt Wellauer heute. Nach einem Blick auf den Zugfahrplan sei er losgefahren. Sein Mitfahrer habe einen Blick in die Tiefe gewagt und das Fahrzeug nach 30 Metern Brücke «panikartig» verlassen.

Genützt hat die nicht zur Nachahmung empfohlene Fahrt über die Eisenbahnbrücke damals übrigens – nichts. Die Wasserreserven des Fahrzeugs seien schnell aufgebraucht gewesen, sagt Wellauer. Und weil das Legen einer Löschwasserleitung auf die andere Talseite zu viel Zeit erforderte, brannte das Haus komplett ab. – Und Wellauers Feuerwehrwagen? «Aus Platzgründen konnte ich nicht wenden auf der anderen Seite. Also fuhr ich nach Langwies zurück – im Rückwärtsgang, erneut über die Eisenbahnbrücke.» (rf)

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