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Studie: neue Liste der gefährlichsten Umweltgifte

Studie: neue Liste der gefährlichsten Umweltgifte

Umweltgifte sind die Ursache für viele Erkrankungen. Der oftmals schleichende Prozess führt bei
Millionen von Menschen weltweit zu immensen Gesundheitsschäden. Die Umweltorganisation Green Cross Schweiz und Pure Earth aus New York (ehemals Blacksmith Institute) haben vor einigen Tagen, am 21.10.2015, einen neuen Bericht vorgelegt, aus dem die Belastungen durch giftige Stoffe hervorgehen.

Südostschweiz
18.11.15 - 10:35 Uhr
Politik

Die derzeit gefährlichsten Umweltgifte sind nach der Studie Blei, Quecksilber, Chrom, Radionuklide, Pestizide und neu hinzugekommen auch Cadmium. Besonders Länder außerhalb Europas sind von den schädlichen Einflüssen betroffen. Ärmere Bevölkerungsschichten haben am meisten unter den Belastungen zu leiden. Auf der ganzen Welt sind laut dem Umweltgiftreport 2015 ca. 100 Millionen Menschen den schädlichen Einflüssen direkt oder indirekt ausgesetzt.

Bedrohte Umwelt
Wie in dem Bericht veröffentlicht wurde, sind derzeit 3200 Orte in 49 Ländern starken Belastungen durch die Umweltgifte ausgesetzt. Damit sei die Anzahl der kontaminierten Orte wesentlich höher als bisher angenommen. Die seit 2008 ermittelten Orte sind erhöhten Belastungen durch die Gifte ausgesetzt. Das Krankheitsrisiko betrifft der Studie zufolge ca. 95 Millionen Menschen. Wie der Gründer von Pure Earth, Richard Fuller, ausführte, sei dies aber nur ein Bruchteil der tatsächlichen Gesamtzahl. Er geht davon aus, dass die Dunkelziffer der betroffenen Orte weitaus höher ausfallen dürfte.

Bedrohte Gesundheit
Viele Menschen sind den Belastungen durch Umweltgifte ausgesetzt und verlieren dadurch nicht nur ein Stück Lebensqualität, sondern auch wertvolle Lebensjahre. Der Umweltgiftreport 2015 spricht von mindestens 14 Millionen Menschen, die ihre Gesundheit und ihr Leben durch Schadstoffbelastungen einbüßen. Die sogenannten «Disability Adjusted Life Years» (DALY) erfassen die durch Krankheit bedingten Beeinträchtigungen der Lebensqualität und die durch einen frühzeitigen Tod verloren gegangenen Lebensjahre, die im Zusammenhang mit dem Vorkommen toxischer Substanzen in den untersuchten Ländern zurückzuführen sind.

Sechs Gifte die unser Leben bedrohen
 


Blei, Quecksilber, Chrom, Radionuklide, Pestizide und Cadmium treten überall dort besonders häufig auf, wo Industrie, Bergbau und Agrarwirtschaft angesiedelt sind. Das begründet auch, warum insbesondere ärmere Bevölkerungsschichten erhöhten Belastungen ausgesetzt sind. Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten, sind einer hohen toxischen Belastung ausgesetzt. Die Folge sind vielfältige Erkrankungen, die von akuten bis zu chronischen Beeinträchtigungen führen. Die Art er Erkrankungen reichen von neurologischen Schäden über Atemwegsschädigungen bis hin zu Krebserkrankungen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt Auskunft über verschiedene Chemikalien und ihre Auswirkungen.


Blei befindet sich durch Abgase und andere Verarbeitungen nahezu in allen Bereichen unserer Umwelt wieder. Der Mensch nimmt es über die Luft oder die Nahrung auf. Blei kann große gesundheitliche Schädigungen auslösen. Es hat negative Auswirkungen auf das Nervensystem. Die Fortpflanzung und kann in verschiedenen chemischen Verbindungen Krebs verursachen. Während in westlichen Regionen zahlreiche Gesetzesvorschriften die Belastungen durch Blei eindämmen, sieht es in den ärmeren Regionen der Welt deutlich schlechter aus.

Blei wird dabei nicht nur durch vom Menschen gesteuerte Prozesse, wie die industrielle Verarbeitung freigesetzt, sondern auch durch Vulkanausbrüche und Erosion. Besonders Kleinkinder, Säuglinge und das ungeborene Leben sind gefährdet, wenn das Blei durch die Atemwege oder über Nahrung, Trinkwasser oder im Mutterleib oder der Muttermilch beim Stillen in den Körper gelangt.
Schädigungen des Nervensystems sind nur eine der möglichen Folgen. Hirnschäden, Krämpfe und Koma sind typische Reaktionen auf eine Bleivergiftung.

Quecksilber
Wir kennen Quecksilber vor allem aus den mittlerweile nicht mehr gebräuchlichen Fieberthermometern und Zahnfüllungen aus Amalgam. Quecksilber befindet sich aber auch in zahlreichen Speisefischen. Mit der täglichen Nahrung nimmt der Mensch geringe Quecksilbermengen auf, die in der Regel jedoch als ungefährlich zu betrachten sind. Quecksilber wird vom Verdauungstrakt nicht aufgenommen, sondern unverändert wieder ausgeschieden. Werden durch die Umwelt entstehende Quecksilber-Verbindungen verschluckt, gelangt es ins Blut, was zahlreiche Nebenwirkungen zur Folge haben kann.

Tritt Quecksilber aus, zum Beispiel bei industrieller Verarbeitung, verdampft es. Werden diese
Dämpfe vom Menschen eingeatmet, lagert es sich im Körper ein. Über das Blut gelangt Quecksilber
in den gesamten Körper und kann das zentrale Nervensystem schädigen. Zu den Symptomen einer Quecksilbervergiftung gehören Wesensveränderungen, ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis, leichte Erregbarkeit und Zittern. Bei hoher Belastung können Krämpfe und sogar Lähmungen auftreten. Bei Kleinkindern, Säuglingen und Ungeborenen kann eine geistige Unterentwicklung resultieren.

Chrom
Chrom gelangt als natürlicher Bestandteil von Gemüse, Obst, Fleisch, Getreide und Hefe in den menschlichen Körper. Es gehört zu den lebensnotwendigen Nährstoffen, die der Körper benötigt. Chrommangel kann zu Herzkrankheiten, Stoffwechselstörungen und Diabetes führen. Ganz anders jedoch, wenn die Dosierung über ein normales Maß ansteigt. Hautausschläge gehören zu den weniger gefährlichen Risiken. Magenverstimmungen und Geschwüre, Atemwegserkrankungen, Immunsystemschwächen, Leber- und Nierenschäden, Lungenkrebs und Veränderungen des genetischen Materials sind jedoch ernst zu nehmende Folgen, die einen frühzeitigen Tod verursachen können.

Die unterschiedlichen Arten von Chrom Chrom (III) und Chrom (VI) haben ebenso unterschiedliche Wirkungen auf den menschlichen Körper. Beide Arten gelangen durch Luft, Boden und Wasser in den Organismus. Die Konzentration von Chrom (III) wird durch Stahl-, Leder- und Textilindustrie
gesteigert, wodurch durch die entstehenden Abwässer wiederum die Konzentration von Chrom (VI) in den natürlichen Wasserressourcen steigt. Außerdem gelangt Chrom durch Kohleverbrennung in die Luft und durch Niederschläge und unzureichende Abfallentsorgung in den Boden. Während Chrom (III) in der richtigen Dosierung ein wichtiger Nährstoff für den menschlichen Organismus ist, ist Chrom (VI) eine hochgiftige Substanz.
Chrom gelangt über die Nahrung, die Atemwege, das Trinkwasser und Hautkontakt in den menschlichen Körper. Das gefährliche Chrom (VI) kann durch kontaminiertes Brunnenwasser eine große Gefahr für die Betroffenen darstellen. Auch Arbeiter in der Stahl- und Textilindustrie sind einem erhöhten
Risiko ausgesetzt.

Radionuklide


Zu den Radionukliden zählen unter anderem Cäsium, Strontium und Plutonium. Radioaktive Strahlung kann in Form kosmischer Strahlung oder auch terrestrischer Strahlung ausgehen. Diese natürlichen Strahlungen sind jedoch gering und damit unbedenklich. Aus der Kernschmelze in einem Atomkraftwerk können jedoch große Schäden für die Gesundheit der Menschen resultieren. In Russland und Japan gab es bereits gravierende Unfälle, bei denen radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangten.

Freigesetztes Jod und Cäsium sind flüchtige Stoffe, die sich in der Luft verteilen. Uran,
Plutonium und Strontium verbinden sich hingegen mit Staubteilchen und werden mit dem Wind in weitem Umkreis verteilt.
Radionuklide sind unsichtbar und riechen nicht, sie gelangen vom Menschen unbemerkt mit der Nahrung oder durch die Einatmung in den Organismus und können dort verheerende Schäden anrichten. Neben der sogenannten internen Exposition, kann auch eine externe Position erfolgen. Das ist eine
Bestrahlung von Außen, die extrem gesundheitsgefährdend ist.

Pestizide


Pestizide sind giftig und das sollen sie ja auch sein. Sie werden zur Beseitigung von Schädlingen, insbesondere in der Landwirtschaft, eingesetzt. Das garantiert zwar eine bessere Ernte, hat aber auch erhebliche Nebenwirkungen. Besonders Bauern und Bäuerinnen, die täglich mit Pestiziden umgehen sind gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt, aber auch die Menschen, die in der Nachbarschaft von mit Pestiziden behandelten Flächen leben.

Die Auswirkungen einer erhöhten Pestizidkonzentration sind Fruchtbarkeitsschäden, Entwicklungsstörungen bei Neugeborenen und Krebs. Bei direktem Kontakt sind Vergiftungserscheinungen und Hauterkrankungen zu befürchten.
Über den Konsum von Obst oder Gemüse, aber auch über die Fütterung von Tieren, die zur Lebensmittelgewinnung dienen, werden die den gefährlichsten Umweltgiften zugeordneten Pestizide von nahezu jedem Menschen konsumiert. Wie gefährlich Pestizide sein können zeigt auch der Umstand, dass sich einer Studie zufolge jährlich mehr als 300.000 Menschen mit Pestiziden das Leben neben.

Cadmium
Cadmium ist in jeder auftretenden Form giftig. Es wird hauptsächlich über die Nahrung, aber auch
über die Atmung aufgenommen. Das Metall kommt im Körper als Spurenelement vor. Zu den cadmiumreichen Lebensmitteln gehören u.a. Leber, Pilze, Muscheln und Kakaopulver. Durch den Einsatz von Kunstdüngern wird das Erdreich mit Cadmium angereichert, sodass es in zahlreichen weiteren Lebensmitteln enthalten ist. Zudem ist es in Batterien, Farbpigmenten, fossilen Brennstoffen, Lötmetallen, Rostschutzmitteln und Zigaretten enthalten.

In der chemischen Industrie fällt Cadmium als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Zink, Blei oder Kupfer an. Arbeiter, die in diesem Umfeld tätig sind, sind besonders gefährdet. Auch von wilden Mülldeponien gehen erhebliche Gefahren aus. Wird Cadmium eingeatmet, kann dies zu einer Schädigung der Lunge und sogar zum Tod führen. Symptome einer Überbelastung des Organismus mit Cadmium sind Durchfall, Magenschmerzen, Knochenbrüche und der Verlust des Geruchssinnes. Neben Nierenschäden und psychischen Störungen können das Zentralnervensystem, die Fruchtbarkeit und das Immunsystem beeinträchtigt werden. Auch DNA-Schäden und Krebserkrankungen gehören zu den schädlichen Folgen.

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