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Neustart mit drei Verwaltungsräten

Die Engadin St. Moritz Tourismus AG hat einen neuen Verwaltungsrat. Drei von sechs Gewählten treten ihr Amt an.

Fadrina
Hofmann
Freitag, 15. Mai 2020, 21:30 Uhr Engadin St. Moritz Tourismus AG
Der neue Verwaltungsrat: Fredi Gmür, Claudio Dietrich und Kurt Bobst (von links) wollen mit den Altlasten aufräumen.
PRESSEBILD

Unaufgeregt und sachlich war die ordentliche Generalversammlung der Engadin St. Moritz Tourismus (ESTM) AG von gestern. Die Jahresrechnung 2019 wurde trotz Defizit von 700 000 Franken einstimmig genehmigt, dem Verwaltungsrat wurde ohne Diskussionen aber mit zwei Enthaltungen (Gemeinde Sils und Gemeinde St. Moritz) die Décharge erteilt, und die sechs vorgeschlagenen Kandidaten für den neuen Verwaltungsrat erreichten das absolute Mehr in der schriftlichen Wahl auf Anhieb: Kurt Bobst, Marcel Bührer, Claudio Dietrich, Felix Ehrat, Richard Leuenberger und Fredi Gmür.

Plötzlich drei statt sechs

Im Anschluss an die GV trafen sich die neu gewählten Verwaltungsräte dann zu einer Sitzung und beschlossen, die strukturellen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, um die ESTM AG strategisch und politisch neu auszurichten. Nach dieser Sitzung teilte die ESTM AG plötzlich mit, dass der Verwaltungsrat nur noch aus drei statt aus sechs Personen bestehe. Zum verkleinerten Verwaltungsrat gehören Gmür, Dietrich und Bobst.

«Wir hatten eine intensive, lange und sehr gute Diskussion», erklärte Dietrich auf Anfrage. Gemeinsam sei man zum Schluss gekommen, dass zunächst die Altlasten der Tourismusorganisation beseitigt werden müssten – und dies «in einem kleineren Gremium schlagkräftiger und schneller» erledigt werden könne. Eine Erweiterung des Verwaltungsrats zu einem späteren Zeitpunkt sei immer noch möglich.

Seit September 2019 sorgt die ESTM AG immer wieder für Schlagzeilen. Nachdem das Arbeitsverhältnis mit dem ehemaligen CEO Gerhard Walter überraschend aufgelöst worden war, gab es Turbulenzen hinter den Kulissen der Oberengadiner Tourismusorganisation. Das Defizit wurde publik und Walter wurde beschuldigt, im finanziellen Bereich seine Kompetenzen überschritten zu haben. Dieser wiederum reagierte mit einer Klage – es geht um eine arbeitsrechtliche Forderung sowie um Ehrverletzung. Die Gemeinde St. Moritz als grösste Aktionärin sprach ein Misstrauensvotum gegen den Verwaltungsrat aus, worauf dieser seinen Rücktritt bekannt gab.

Es braucht Veränderungen

In seiner Eingangsrede meinte der scheidende ESTM-Verwaltungsratspräsident Marcus Gschwend: «Die vergangenen acht Monate sind dann nicht verloren, wenn die Erkenntnisse für die Zukunft genutzt werden und es nicht nur beim Auswechseln des Verwaltungsrats bleibt.»

Verschiedene strategische Herausforderungen sind laut Gschwend für die Zukunft der Destination relevant. So etwa der Wandel der ESTM AG von einer Destinationsmarken- zur Destinationsmanagement-Organisation. Es gehe um die überfällige Erarbeitung des Tourismuskonzepts 2030, um die Überarbeitung des Leistungsauftrags. Es gelte, vermehrt Angebote, Produkte zu schaffen. Erlebnisinszenierung und strategisches Eventmanagement seien die zentralen Stichworte dazu. Im Bereich Eventmanagement sei eine engere Koordination und Kooperation mit den Gemeinden notwendig.

«Die zur Diskussion stehende Öffnung des Aktionariats wäre meines Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung», meinte Gschwend. Auch die Idee eines Beirats sei umzusetzen, um das riesige Potenzial der Engadin-Fans zu nutzen.

Keine Pflichten verletzt

Der Jahresverlust 2019 wird durch den Verzicht von Projektausgaben im Geschäftsjahr 2020 kompensiert. Die Revisionsstelle hat sich in einem Sonderbericht eingehend mit der finanziellen Situation der ESTM AG beschäftigt. Die Aktionäre wurden unter anderem informiert, dass die Finanzen aus dem Ruder gelaufen seien, weil es dem CEO an einem «übergeordneten Budgetbewusstsein» gefehlt habe. Der Verwaltungsrat habe seine Aufsichtspflicht nicht verletzt, sei aber zu wenig kritisch gewesen.

Die Aktionäre haben gestern eine Teilrevision des Organisationsreglements genehmigt. Neu wird die Verantwortung anstatt allein dem CEO der gesamten Geschäftsleitung übertragen.

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Fakt ist, die Gesellschaft hat ein Defizit von ca. CHF 700'000.-. Dieses Problem muss nun für die Nachwelt nachhaltig ohne diese Schönwetterkapitäne gelöst werden. Gewisse Personen trifft man unflätig am Julierpass mit neuem Porsche... Bei einem selber erlebten Nachtessen unter Freunden am Suvretta Hang: Einer der Gäste fuhr im LaFerrari vor. Der Kommentar des Hausherrn war: Hat dieser Zeitgenosse nur dieses Spielzeug? Der Fahrer wurde nie mehr eingeladen. Es braucht Macher, welche sich finanziell und persönlich einbringen und wie wir Arbeitgeber Verantwortung übernehmen für Gewinn, Verlust und die Mitarbeiter. Ob sich hier eine Resipiszenz bei einigen Protagonisten einstellt ist fraglich. Offenbar weltfremde Narzisten, welche nur einen Kopf haben, damit es oben nicht reinregnet, sind hier falsch!