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Bei Engadin St. Moritz Tourismus wird jetzt Klartext gesprochen

Lange hat der Verwaltungsratspräsident der Engadin St. Moritz Tourismus AG über die Turbulenzen im Unternehmen geschwiegen. Damit ist nun Schluss.

Fadrina
Hofmann
Dienstag, 28. Januar 2020, 04:30 Uhr Turbulenzen
Marcus Gschwend Bergbahn
«Ich würde dem CEO nicht mehr so viel Vertrauen entgegenbringen und mehr kritische Fragen stellen», so Marcus Gschwend, Verwaltungsratspräsident ESTM AG.
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Die Gerüchteküche brodelt im Oberengadin, seit der Verwaltungsrat der Engadin St. Moritz Tourismus AG (ESTM) im September 2019 kommuniziert hat, dass das Arbeitsverhältnis mit CEO Gerhard Walter aufgelöst wurde. Als Grund wurde zunächst lediglich eine «unterschiedliche Auffassung über die künftige Unternehmensführung» angegeben. Erst im Dezember 2019 wurde dann bekannt, dass das Unternehmen ein Defizit von rund 600'000 Franken vorweisen muss. Der Verwaltungsrat begründete diese massive Budgetüberschreitung in erster Linie mit «mangelnder Führung durch den CEO». Kompetenzen seien überschritten und Reglemente nicht eingehalten worden.

Konkretes wurde nicht bekannt –bis heute. In einem Interview erklärt Verwaltungsratspräsident Marcus Gschwend gegenüber der «Südostschweiz», wie es zu diesem Defizit überhaupt kommen konnte und was er heute anders machen würde. «Ich würde dem CEO nicht mehr so viel Vertrauen entgegenbringen und noch mehr kritische Fragen stellen», meint der Verwaltungsratspräsident.

10'000 pro Monat für Social Media

Gschwend erwähnt erstmals auch konkrete Beispiele, weswegen die ESTM AG in finanzielle Schieflage geraten ist. So sei beispielsweise eine Berliner Agentur mit der Bewirtschaftung der persönlichen Social-Media-Kanäle des CEOs in der Grössenordnung von rund 10'000 Franken pro Monat beauftragt worden. Dies ohne Wissen der Geschäftsleitung und auch ohne die entsprechende Budgetierung.

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Interessant die Aussage von Herr Gschwend; wurde der Verwaltungsrat doch schon viel früher auf die mangeldnde Führung aufmerksam gemacht. Und jeder der in diesem Umfeld arbeitete, wusste davon. Aber wenn der VR nicht liefert, kann ein CEO auch kaum einen guten Job machen. Der Fisch beginnt bekanntlich am Kopf zu stinken!