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Aus Graubünden wird für einen Monat Sanktbünden

Seit gestern hängen drei 100 Quadratmeter grosse Fahnen unter dem Landwasserviadukt. Unter anderem das St. Galler Kantonswappen. Anlass dazu ist die September-Aktion «Gastkanton St. Gallen».

Hans Peter
Putzi
Dienstag, 27. August 2019, 04:30 Uhr Einen Monat Gast
St. Gallen als Gastkanton in Graubünden
Die beiden Regierungsräte Marcus Caduff (links) und Bruno Damann eröffnen den St. Galler Gastmonat in Graubünden
PHILIPP BAER

Martin Vincenz, Direktor von Graubünden Ferien, erzählte es in Bergün mit einem Augenzwinkern: «Wir wollten Graubünden temporär während des Septembers in Sanktbünden umtaufen, was aber so kurzfristig nicht möglich ist.» Nachdem letztes Jahr die beiden Basler Halbkantone zu den ersten Gastkantonen in Graubünden gekürt wurden, wird Graubünden diesen September dennoch zu Sanktbünden – zumindest inoffiziell. Denn die Bündner Tourismusbranche hat gestern im Albulatal den St. Gallern den grünen September-Teppich ausgerollt.

Graubünden à discrétion

Für einen Tagespreis von 33 Franken benützen die Nachbarn aus St. Gallen im September sämtliche Linien des öffentlichen Verkehrs (Rhätische Bahn und Postauto) – ein Menü in ausgewählten Restaurants inklusive. So ist zum Beispiel auch die Reise auf der Unesco-Weltkulturerbe-Strecke Chur–Albulatal–Bernina–Tirano retour mit einem Mittagessen für nur 33 Franken erhältlich.

Für total 52 Franken geniessen die St. Galler zusätzlich freie Fahrt bei den Bergbahnen und den Eintritt in Bäder und Museen. Die erste Hotelübernachtung erhalten sie bei den teilnehmenden Hotels zum halben Preis. Die Tickets sind online buchbar, über die Website der Rhätischen Bahn (RhB).

Initiiert wurden die kantonalen Gasttage letztes Jahr von eben dieser RhB. Deren Direktor Renato Fasciati zeigte sich gestern erfreut, dass sämtliche touristischen Leistungsträger des Kantons diese Idee mittragen, genau wie die Regierung des Kantons Graubünden.

«Nicht nur durchfahren»

Als oberste Touristiker ihrer Kantone fanden gestern die Regierungsräte Marcus Caduff (Graubünden) und Bruno Damann (St. Gallen) den Weg nach Bergün. Caduff hob das Kennenlernen und das Wecken des gegenseitigen Verständnisses, auch auf politischer Ebene, hervor. «Und beide Kantone liegen ein bisschen Abseits von Bern, wo wir uns ab und zu bemerkbar machen müssen, am besten gemeinsam», so Caduff. Es gebe aber auch landschaftliche und kulinarische Unterschiede und er ruft die St. Gallerinnen und St. Galler auf, diese im September zu entdecken.

Damann selbst kennt schon einige Vorzüge Graubündens, «als Kind und Familienvater habe ich schon viele Ferientage in Arosa, Lenzerheide, Falera, oder im Engadin verbracht.» Gastfreundlich und nett habe er die Bündner wahrgenommen. Zudem durfte der frühere Teamarzt des FC St. Gallen auch Militärdienst im Raum Thusis/Chur leisten. Er lädt seine Landsleute ein, Graubünden im Sommer nicht nur zu durchfahren: «Es ist doch spannend, die schönen Sachen vor der eigenen Haustüre auch besser kennenzulernen.»

Chalandamarz im August

In Bergün willkommen geheissen wurden Damann und weitere St. Galler Gäste von der 1. und 2. Primarklassen und den Kindergärtlern. Sie führten einen typischen Bündner Brauch vor: den Chalandamarz-Umzug, für einmal eben in kurzen Hosen bei warmen Temperaturen, statt dick vermummt im kalten Winter.

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