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Landschaftsschutz sieht Gebot der Schonung verletzt

Die Landschaftsschützer lehnen das Hotelprojekt «Sanaspans» auf der Lenzerheide rundweg ab. Sie wehren sich gegen die Einzonung von Bauland und stellen das Wirtschaftlichkeitskonzept infrage.

Hans Peter
Putzi
Dienstag, 02. Juli 2019, 04:30 Uhr Es weht Gegenwind
Stein des Anstosses: Diese Wiese hinter dem derzeitigen Ferienheim «Sanaspans» soll überbaut werden.
PHILIPP BAER

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Gemeinde Vaz/Obervaz werden voraussichtlich am 24. November an die Urne gerufen. Zur Abstimmung wird eine Teilrevision der Ortsplanung stehen. Diese ist nötig, damit die Gemeinde Zollikon ihr Projekt «Ferienresort Sanaspans» weiterverfolgen kann (siehe Frontseite).

Im Zuge der öffentlichen Mitwirkungsauflage der Teilrevision äusserten sich nicht nur Bewohner und Zweitwohnungsinhaber der Gemeinde Vaz/Obervaz. Auch Naturschutz-Organisationen gelangten an den Gemeindevorstand von Vaz/Obervaz.

«Wollen keine Zersiedelung»

Der «Südostschweiz» liegt die Stellungnahme der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) vor – und die lässt kaum ein gutes Haar an den Plänen der Gemeinde Zol-likon. Die SL erwähnt «den Widerspruch zu den Prinzipien des neuen Raumplanungsgesetzes». «Die Resort-Anlage kommt an einer landschaftlich exponierten Lage zu stehen und widerspricht dem Gebot der Schonung der Landschaft», schreibt die Stiftung in ihrem Brief.

Auch Pro Natura Graubünden steht dem Projekt ablehnend gegenüber. Ruedi Bucher, interimistischer Geschäftsführer, spricht ebenfalls von einer landschaftlich exponierten Lage, in der das Hotel zu stehen kommen soll. «Damit wird der Zersiedelung weiter Vorschub geleistet, was nicht in unserem Sinne ist.» Man wünsche sich eine Verdichtung gegen innen, gegen den Ortskern.

Auch das Flachmoor, das tangiert wird, erwähnt Bucher: «Dieses darf nicht beeinträchtigt werden.»

«Gegen den Richtplan»

Nicht gegeben sind für die SL die Anforderungen für Neueinzonungen für touristische Beherbergungsbetriebe. Unter anderem, weil die bestehende Erschliessung nicht als gut bezeichnet werden könne. Zudem werde, so die SL, der bestehende Ortskern des Dorfes durch das Projekt geschwächt. «Auf dem Areal des Resorts sollen Geschäfte und Restaurants entstehen. Das widerspricht den Zielsetzungen des kantonalen Richtplans, wonach Ortskerne zu stärken sind.»

Zweifel an Wirtschaftlichkeit

Das im Wirtschaftlichkeitskonzept des Resorts prognostizierte Gästewachstum von 40 Prozent in den nächsten zehn Jahren stellt die SL ebenso infrage wie Pro Natura. Bucher spricht von «sehr hoffnungsvollen Berechnungen», die im Konzept erwähnt sind. Ein Plus von 40 Prozent sei mit Blick auf die Vergangenheit zu optimistisch. Und darum sei aus Sicht der Pro Natura der Bedarf an der Umzonung von Agrarland nicht ausgewiesen. SL-Geschäftsleiter Raimund Rodewald schreibt dazu in der Stellungnahme von einem «frommen Wunsch der Touristiker anstatt einer seriösen Wirtschaftlichkeitsprüfung.»

«Noch selbst wenn zusätzliche Hotelbetten einer Nachfrage entsprechen, ist das Projekt völlig überdimensioniert», so Rodewald weiter. Weil 400 Betten in bewirtschafteten Wohnungen zusätzlich zu den rund 100 Hotelbetten geschaffen würden, um die Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Weiter bemängeln die Landschaftsschützer das Fehlen eines Betriebskonzeptes. Ein solches sei gemäss Art. 4 der Zweitwohnungs-Verordnung nötig, damit der angedachte Bau und Verkauf von rund 25 Zweitwohnungen rechtens sei.

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