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Mit «laangem Schnuuf» zu mehr «Nĭ hăo Grischun»

Die Bündner Touristikerinnen und Touristiker haben erstmals nach 15 Jahren wieder ein Gipfeltreffen. Seit gestern geben sich in Laax 170 Vertreter der Branche ein Stelldichein. Ein zentrales Thema: die Fernmärkte.

Jano Felice
Pajarola
Freitag, 24. Mai 2019, 04:30 Uhr Bündner Touristiker tauschen sich aus
Tanja Weidmann, Janine Rüfenacht und Corinne Denzler diskutieren am Tourismustag mit Martin Vincenz und Claudio Zuccolini.

Auch Regierungsrat Marcus Caduff hält es an diesem wetterbedingt weitsichtigen Maidonnerstag auf dem Laaxer Skiberg fest: «Der Crap Sogn Gion eignet sich gut, um einen anderen Blickwinkel einzunehmen.» Auf 2250 Metern über Meer treffen sich 170 Touristikerinnen und Touristiker aus dem ganzen Kanton zum Bündner Tourismustag, dem nach rund anderthalb Jahrzehnten wiederbelebten Gipfeltreffen der Branche. An dem man, so die Worte von Graubünden-Ferien-CEO und damit Gastgeber Martin Vincenz, «über Grenzen hinweg schauen» will – jene der Region, der Kultur und des Tourismus selbst. Was Regierungsrat Caduff sehr begrüsst: «Es ist wichtig, dass die Akteure den Austausch pflegen und zusammenarbeiten.» Lange, vielleicht zu lange habe sich Graubünden fokussiert auf den Schweizer und den deutschen Gast, was nun mit der Offensive auf den Fernmärkten korrigiert werden solle, «aber das geht nur gemeinsam», so Caduff. Zu oft stehe noch die Frage im Zentrum, was für die eigene Region, die eigene Gemeinde das Beste sei.

«Unglaubliches Wachstum»

Die Fernmärkte: Wo er diesbezüglich besonders viel Potenzial für Graubünden ortet, das verrät den anwesenden Tourismusleuten Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus. Einerseits China: «Die Chinesen lieben die Schweiz», so Nydegger, «und sie suchen den alpinen Winter.» Zweitens: die Golfstaaten, vor allem die Emirate und Saudi-Arabien. Drittens: die USA. Noch sind die Logiernächtezahlen aus diesen Gebieten in Bündner Herbergen nicht riesig, pro Jahr sind es rund 111 000 aus den USA, 53 000 aus China und knapp 21 000 aus den Golfstaaten – das macht nicht einmal vier Prozent aller Logiernächte in Graubünden aus. Zum Vergleich: Im Kanton Bern befindet sich der Anteil bei 24 Prozent. Tatsächlich bewege man sich in Graubünden auf tiefem Niveau, räumt Nydegger ein – trotzdem «geht die Post ab», denn das Wachstum seit 2010 sei «unglaublich».

Nydeggers Empfehlungen für den Bündner Tourismus: Es sei nie zu spät, um aufzuholen, zudem habe Graubünden in diesen Fernmärkten einen gewissen Newcomer-Bonus. Aber: «Es braucht einen Effort und Investitionsbereitschaft.» Auch agile Reaktionszeiten seien unabdingbar. In den Fokus stellen müsse man Leuchtturm-Angebote. Und was man sicher nicht haben dürfe: «Angst vor Klischees.»

Mit Leidenschaft zum «Wow»

Ausserdem, so Nydegger, müsse sich Graubünden verschiedene Kompetenzen aneignen, beispielsweise im interkulturellen Bereich – aber auch «Laanga-Schnuuf-Kompetenzen». Damit es bald öfter mit dem chinesischen Hallo heisst: «Nĭ hăo Grischun.»

Ein zweites wichtiges Thema am Tourismustag: die Digitalisierung, ein Steckenpferd gerade in Laax. Wobei an diesem Donnerstag auch ein Kontrapunkt gesetzt wird, nämlich von Tanja Weidmann, General Manager des Basler Top-Hotels «Les Trois Rois». Sie nimmt gemeinsam mit «Tschuggen»-CEO Corinne Denzler und Janine Rüfenacht von der Hotelfachschule Thun am Startpodium des Tourismustages teil, und für sie ist klar: Was das Mehrerlebnis für den Gast ausmacht, sind die Mitarbeiter und ihre Leidenschaft. Dies könne der entscheidende Unterschied sein und für das notwendige «Wow-Erlebnis» sorgen, damit ein Gast zum wiederkehrenden Gast werde. «Herzlichkeit wird immer wichtiger in einer Welt der Digitalisierung», ist Weidmann überzeugt. «Wir müssen schauen, dass wir beim Menschen bleiben.» Und ja, es gebe auch in Graubünden viele Hotels, die genau dieses Erlebnis bieten würden.

Natürlich, ohne die digitale Welt geht es nicht mehr, auch nicht im «Les Trois Rois». Sie bekomme heute sogar schon Buchungen via Whatsapp, erzählt Weidmann. Und für die chinesischen Gäste komme man um Wechat nicht herum – die Kommunikationsapp Nummer eins in China. Für Denzler wiederum steht ausser Frage, dass man sich auch mit den vornehmlich jungen Influencern gerade auf Instagram auseinandersetzen muss, ihrer ebenfalls oft jungen Follower wegen. Denn «die ‘rich kids’ sagen oft, wo die Familie in die Ferien geht.»

Heute Freitag gehts weiter

Der Tourismustag geht heute Freitag weiter, und zwar in Laax-Murschetg. Wie schafft man echte digitale Erlebnisse? Wie schaut die Welt auf Graubünden? Darüber wird referiert – und danach unter anderem in Workshops Praxiswissen zu digitalen Tools im Tourismus vermittelt.

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