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Die neue Braunwaldbahn könnte noch an drei Orten enden

Die Bergstation der Braunwaldbahn müsse verlegt werden. Das hat man lange gesagt, doch der Stand der Dinge ist offen. Klar ist erst: Auch wenn die Bahn nicht verlegt werden sollte, besteht Handlungsbedarf.

Fridolin
Rast
Freitag, 26. April 2019, 04:30 Uhr Stand der Dinge
Im weitläufigen Braunwald werden drei Gebiete als Bergankunft ins Auge gefasst.
SCHWEIZER LUFTWAFFE

Es schien in Stein gemeisselt: Die Bergstation der Braunwaldbahn steht im rutschgefährdeten Gebiet, die Sicherheit ist nicht gewährleistet. Es ist bald eine Erneuerung fällig. Am besten fährt man darum künftig in den Hüttenberg, sei es mit einer verlängerten Standseilbahn oder mit einer neuen Luftseilbahn.

Doch dieses Wissen ist nun selber ins Rutschen gekommen. Dies, nachdem die Standseilbahn AG das Projekt «Erneuerung Zubringer Braunwald» gestartet hat. Es ist vorerst darauf angelegt, möglichst alle Ideen und alles schon Erarbeitete zu sichten und zusammenzutragen, wie Projektleiter Thomas Rageth erklärt: «Wir wollen gemeinsam mit den Beteiligten eine Lösung finden, mit der sich alle Anspruchsgruppen einverstanden erklären können.» Der Forstingenieur und ehemalige Gemeinderat in Schwändi sagt: «Die Braunwaldbahn kann man auch da, wo sie heute ist, sicher betreiben. Und das zuständige Bundesamt sieht das auch so.»

So oder so gravierende Mängel

Das macht es nicht-zwingend, die Bergstation zum Hüttenberg zu verlegen oder allenfalls die Bahn zum mittleren Höhenweg zu verlängern. Beide Varianten sind aber aktuell im Richtplan der Gemeinde Glarus Süd aufgezeigt.

Auf dieser Basis sei die bestmögliche Lösung zu suchen, und daran sollten sich alle Anspruchsgruppen in Braunwald beteiligen, so Rageths Appell. Ende Juni ist ein erstes Forum geplant, zu dem nicht weniger als 14 Interessengruppen, Korporationen, Genossenschaften, Vereine und so weiter eingeladen werden.

Denn, darüber sei man sich im Klaren: «Erneuerungsbedarf für die Braunwaldbahn besteht, unabhängig von der Frage, wo sie künftig enden soll.» Die Bahn sei sicher und könne auf absehbare Zeit weiterbetrieben werden: «Aber sie hat erhebliche Mängel.» Das wird so oder so ziemlich teuer, und es geht zum einen um Mängel, die das heutige Bahnsystem hat:

  • ein Teil der Infrastruktur ist über 100 Jahre alt;
  • die Bahntechnik muss erneuert werden, das wurde sie zuletzt 1997;
  • die Abläufe und der Personenfluss sind zu kompliziert und nicht barrierefrei, der Gütertransport ist sehr aufwendig;
  • die Transportkapazität ist in Spitzenzeiten ungenügend.

Status quo nur mit Entwässerung

Und dann sind da die Rutschbewegungen um die heutige Bergstation.

  • Sie hat deswegen Schäden am Bau. Diese seien behebbar und mit heutiger Bautechnik zu lösen, so Rageth.

Dieser Punkt gilt allerdings unter der Voraussetzung, dass das beschlossene Entwässerungsprojekt ausgeführt wird und auch wie vorgesehen wirkt.

Die Bahnkonzession lässt noch Zeit für die Planung. Sie gilt bis 2035, und mit diesem Datum wird geplant. Die Betriebsbewilligung, die 2027 und damit schon vorher abläuft, sei nicht massgebend: «Der Bund befristet sie heute nicht mehr.» Sprich: So lange die Bahn sicher ist und die Konzession gilt, kann sie laut Rageth betrieben werden. Entscheidend ist, dass der Betreiber seine Sorgfaltspflicht wahrnimmt.

Sagen, was man braucht und will

«Die Frage ist, wo die Bahn am richtigen Ort ankommt», betont Thomas Rageth. Damit sie beantwortet werden kann, sind die Bedürfnisse in Braunwald zu klären und auf einen guten Kompromiss zu verdichten. Dafür gilt es, viel unter einen Hut zu bringen. Der wichtigste Punkt:

  • Was brauchen das Dorf und seine Einwohner fürs Wohnen, Arbeiten und Freizeit? Welche Bedürfnisse haben Feriengäste und Tagestouristen?

Dazu kommen die weiteren Fragen:

  • Wie passt der Ankunftsort zum Verkehrskonzept: Autofreies Braunwald, interne Dorf-Erschliessung und Anschluss in alle wichtigen Richtungen?
  • Wie wird die Erschliessung weitergeführt zum Grotzenbühl, der immer als Zentrum der touristischen Erschliessung gesetzt sein wird?

Gemeinsames Ziel erarbeiten

Zusammengefasst: Es geht um die Dorfentwicklung, jene der Einwohner und des Tourismus, von dem sie auch abhängig sind. Die Ankunftsorte werden neu geprüft. Wobei laut Rageth auch eine Verlängerung der Linie nur bis zum unteren Höhenweg einleuchtet. «Wir fragen, ob der Hüttenberg als Zentrum ideal und damit der bestmögliche Ankunftsort bleibt.» Der künftige Ankunftsort wird für die Entwicklung von Braunwald wichtig sein.

Und, das ist Rageth wichtig: «Keine Erschliessung erreicht alles.» Dafür ist Braunwald zu weitläufig in der Horizontale und Hangrichtung – zwischen Niederschlacht mit der Rehaclinic und dem Strick oder dem oberen Höhenweg. «Wir und die Braunwalder müssen uns über den Ankunftsort im Grundsatz einig werden.» Die Bevölkerung muss daran teilnehmen, davon ist er überzeugt: «Und sie ist weitgehend abgebildet mit den bestehenden Organisationen.» Also: Irgendwo ist jeder dabei. «Jeder soll seine Sicht einbringen, und dann wollen wir gemeinsam die Ziele formulieren», so Rageth. Zum ersten Forum Ende Juni werden die Organisationen demnächst eingeladen.

Es wird ohne Strasse geplant
Die IG Braunwald mit Snowboardbauer Hansjürg Kessler an der Spitze hat sich seit Oktober dafür eingesetzt, dass für den Güterverkehr eine Strasse von der Klausenstrasse auf die Brächalp gebaut würde. Das Anliegen wurde am Mittwoch im Landrat eingebracht, der den kantonalen Richtplan diskutierte. Der Landrat lehnte es aber ab, von der Erschliessung Braunwalds mittels Bahn abzurücken.

Die Projektleitung «Erneuerung Zubringer» hat laut Thomas Rageth einen Auftrag erteilt, den Sanierungsbedarf bei der Bahntechnik und die Varianten darauf hin zu überprüfen, wie gut vorhandene Wege gekreuzt und die Ströme von Passagieren und Gütern entflochten werden können. 

Im Zusammenhang mit dem Konzept für ein autofreies Braunwald gibt es auch bereits eine Vorstudie. Beim Anschluss an die 
SBB würden ein paar bahntechnische Fragen abgeklärt. Der Anschluss müsse an die bestehende SBB-Infrastruktur gewährleistet werden. Für Lage der Bergstation sei nicht entscheidend, ob eine Stand- oder Luftseilbahn gewählt würde, erklärt Rageth. Und: «Es sind eigentlich viele Grundlagen da, die wir nun noch einmal zusammenführen.»
Die nächsten Schritte: Mit Start Ende Juni sollen die Beteiligten bis zum Herbst in zwei bis drei Foren eine gemeinsame Position erarbeiten können. (fra)

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