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Kommentar

Alles ist gut, jetzt

Reto
Furter
Mittwoch, 16. Januar 2019, 04:30 Uhr
Lüen Schnee Winter
Winter in Lüen. Schneebeckter Friedhof. Fotografiert am 15. Januar 2019 Bild Yanik Bürkli
Yanik Buerkli

Der Winter ist vorbei. Zumindest für den Bündner Tourismus, der zum Jahreswechsel ein zaghaftes Lächeln auflegte und jetzt über das ganze Gesicht strahlen dürfte. In Graubünden liegt massenhaft Schnee, es ist kalt, die Sonne zeigte sich gestern wieder und die Lawinengefahr dürfte in den kommenden Tagen sinken. Das sind gute Nachrichten, zumal auch der letzte Winter schon seinem Namen gerecht wurde. Was es jetzt noch braucht, sind ein paar sonnige Wochenenden, Wetterglück über die Sportferien und das nötige Glück, damit niemand durch Lawinen zu Schaden kommt. Touristiker, planen Sie also schon mal den nächsten Sommer!

Waren die Warnungen vor dem drohenden Klimawandel also doch überflüssig? Ist der angesagte Temperaturanstieg in Wahrheit ein Temperaturrückgang? Sind die trockenen Zeiten, auf die man sich gefasst machen müsse, im Gegenteil äusserst niederschlagsreiche wie diese Tage? Klar ist: Dieser Winter wird jenen, die längst nicht mehr den seriösen Klimaforschern, sondern den Demagogen glauben, Auftrieb geben. Weil sie das langfristige Klima mit dem tagesaktuellen Wetter verwechseln – und weil sie den letzten Sommer schon wieder vergessen haben, den sehr trockenen Sommer 2018.

Die Touristiker sollten den nächsten Sommer nämlich tatsächlich gut planen. Seit 150 Jahren wird es warm und wärmer bei uns, und man ist sich einig, dass dies nicht ohne gravierende Folgen für die Niederschläge und ihre Verteilung sein wird. Welche das genau sind, darüber streitet man sich noch. Genau deshalb muss sich der Bündner Tourismus diesen Sommer möglicherweise wieder warm und kühl anziehen. Die Freude am Schnee muss man sich darob dennoch nicht verderben lassen, im Gegenteil. Wir erleben derzeit einen richtigen Winter, wie er sein müsste. Mit allen Vorteilen, die sich daraus für Graubünden ergeben. Und das sind ja doch einige.

Kontaktieren Sie unseren Autor zum Thema: reto.furter@somedia.ch

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