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Kommentar

Schlepplifte und Beizen

Dario
Morandi
Montag, 31. Dezember 2018, 04:30 Uhr Kommentar
Hochwang Winter Schneesportgebiet
Sonntagsreportage Schweiz am Sonntag. Reportage im Schneesportgebiet Hochwang bei Fatschel. Skilift im Skigebiet. Fotografiert am 20. Februar 2015 BIld Yanik Buerkli
YANIK BUERKLI

Die Beispiele der Sportbahnen Hochwang und der Bergbahnen Tschiertschen zeigen es auf: Immer mehr kleinere Bergbahnen kämpfen ums Überleben. Ein oder zwei schneearme Winter genügen, um sie gleich in wirtschaftliche Schieflage zu bringen. Und dann muss in der Regel die öffentliche Hand den finanziellen Rettungsring werfen, um die Schliessung einer Bahn in letzter Minute abzuwenden. Auch die notorisch klamme Churer Brambrüeschbahn wäre ohne die vom Volk zugestandenen Betriebs- und Investitionsbeiträge längst pleite. Deshalb stellt sich einmal mehr die Frage, ob es Sache des Staates ist, marode Bergbahnen am Leben zu erhalten. Ist es eigentlich nicht, vor allem wenn man sich in dieser Frage auf streng marktwirtschaftliche Überlegungen fokussiert. Aber lassen wir das. Denn alles im Leben allein auf seine Wirtschaftlichkeit hin abzutasten, kann es auch nicht sein.

Wer schon mal einen tollen Wintersporttag auf Brambrüesch, im Hochwanggebiet, am Fusse des Gürgaletsch oberhalb von Tschiertschen oder in anderen Gebieten wie beispielsweise im Avers oder am Heinzenberg verbracht hat, weiss, was damit gemeint ist. In diesen kleinen, feinen Skigebieten gibt es noch bodenständigen Wintertourismus mit Schleppliften, urchigen Beizen, ohne das nervenaufreibende «Bum-Bum» aus Lautsprecher-Batterien eines DJ und keine sturzbetrunkenen Tischtänzer. Kurzum: Wintersport und Aprés-Ski, so wie man es früher kannte und schätzte. Unspektakulär, aber gemütlich. Gerade deshalb haben kleine Gebiete in qualitativer Hinsicht letztlich mehr zu bieten als das kollektive Wintersport-Amüsement in durchorganisierten Skiarenen. Genau diesen Vorteil müssten die Winzlinge der Bergbahnbranche, beispielsweise mit Unterstützung von Graubünden Ferien, potenziellen Gästen rüberbringen. Keine leichte Aufgabe zwar. Aber es gibt ja den Trend «zurück zur Natur». Und genau davon könnten sie profitieren.

Kontaktieren Sie unseren Autor zum Thema: dario.morandi@somedia.ch

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Hallo Dario Morandi, "zerscht es guäts Neus
Ihr Artikel trifft ins Schwarze, besser könnte man es nicht machen. Das wäre "sanfter Tourismus", genau so halte ich es auch mit den Bergbahnen, die für Hotelgäste meistens "incl." sind, während wir Einheimischen dafür um so tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Früher besass ich die Top-Card, die während zwei jahren auch für Schiers zum Einheimischen-Tarif erhältlich waren. Insider wissen, weshalb die Grenze wieder zum Fuchsenwinkel zurück gesetzt wurde. Seither schätze ich die Älpli-Bahn, wo man im Sommer noch zu vernünftigen Preisen die Höhenluft geniessen kann.. Skifahren kann man sich als AHV-Rentner sowieso nicht mehr leisten, ein Tag auf Parsenn kostet für ein Ehepaar glatte 250 Franken, die wachsen bekanntlich nicht am Schienbein. Deshalb ist es unbedingt nötig, dass die öffentliche Hand den kleineren Bergbahnen Unterstützung bietet, ein Überleben wäre sonst ausgeschlossen. .