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Samnaun entscheidet über die Zukunft der Bergbahnen

In Samnaun wird am Sonntag über den Ausbau des Skigebiets abgestimmt. Vier neue Sesselbahnen und mehrere neue Pisten sollen in den kommenden drei bis fünf Jahren entstehen. Dagegen wehren sich die Umweltverbände. Der Ausbau sei aber notwendig, finden die Bergbahnen.

Südostschweiz
Mittwoch, 12. Dezember 2018, 11:38 Uhr Vier neue Sesselbahnen
Bergbahnen Samnaun
Die Bergbahnen Samnaun wollen das Skigebiet um rund 80 Hektaren vergrössern.
ROLF CANAL/ARCHIV

Die Stimmbürger von Samnaun fällen am Sonntag, 16. Dezember, eine schwerwiegende Entscheidung. Zur Abstimmung stehen dann die «Bau- und Durchleitungsrechte der Bahnanlagen». Hinter der Vorlage, die zunächst technisch klingt, steckt ein grosses Investitions- und Ausbauprojekt der Bergbahnen. Das Skigebiet soll mit vier neuen Sesselbahnen für insgesamt rund 90 Millionen Franken um rund 80 Hektaren vergrössert werden.

Im Oktober 2017 wurde der regionale Richtplan bereits genehmigt, die raumplanerischen Voraussetzungen für die Skigebietserweiterung sind damit gegeben. Allerdings gibt es vonseiten der Umweltverbände Widerstand gegen die neuen Sesselbahnen. Wie Pro Natura Graubünden, Mountain Wilderness, WWF Graubünden und die Stiftung Landschaftsschutz in einer gemeinsamen Mitteilung im Vorfeld der Abstimmung schreiben, erachten sie «die Ausbauprojekte von Samnaun als nicht bewilligungsfähig». Dies, weil durch das Projekt das Gebiet Ravaischer Salaas für den Wintersport erschlossen würde. Dabei handle es sich aber um «ein einzigartiges Naturdenkmal, das in hohem Mass schützenswert» sei.

Unberührte alpine Landschaft und Naturschutzzonen

Im Gebiet Ravaischer Salaas würden sich Gämsen, Steinböcke und Raufusshühner wie Auerwild oder Alpenschneehühner zurückziehen, schreiben sie weiter. Das Gebiet sei zudem eine unberührte alpine Landschaft (Landschaft von regionaler Bedeutung), welche mit der geplanten Erschliessung in ihrem Charakter zerstört würde. Ausserdem befinden sich im Gebiet mehrere Naturschutzzonen.

Auf der anderen Seite stehen die Bergbahnen Samnaun und die Gemeinde, die das Projekte über mehrere Jahr hinweg erarbeitet haben und im Ausbau von Pistenangeboten und Sesselbahnen eine zwingende Entwicklung für den Wintertourismus sehen. Viele Jahre lang habe man in die bestehenden Anlagen investiert, diese optimiert und alte Lifte ersetzt, erklärt Mario Jenal, Direktor der Bergbahnen Samnaun gegenüber Radio Südostschweiz. «Jetzt ist es an der Zeit, das Pisten- und Liftangebot auszubauen.» Samnaun lebe vom Wintertourismus und müsse dringend darin investieren.

Das Skigebiet um Samnaun beginne ab 1800 Metern über Meer und reiche bis auf über 2900 Meter hinauf, führt Jenal aus. Da mache es auch langfristig weiterhin Sinn, in den Wintertourismus zu investieren, sagt Jenal. Er hoffe und gehe davon aus, dass die Vorlage am Sonntag angenommen werde, denn «die allermeisten Leute im Tal leben vom Wintertourismus».

Nach der Abstimmung ginge es erst richtig los

Wenn die Stimmbürger der Vorlage zustimmen, geht es für die Bergbahnen und die Gemeinde in die konkrete Projektplanung. Man rechne damit, dass die Sesselbahnen im Laufe der nächsten drei bis fünf Jahre fertiggestellt werden könnten, sagt Jenal. Das komme natürlich auf viele Faktoren an, etwa auch, ob es Einsprachen gegen die Projekte gebe.

Solche sind von den Umweltverbänden zu erwarten. Jacqueline von Arx, Geschäftsleiterin von Pro Natura Graubünden, hofft zwar auf ein Nein an der Urne, wie sie auf Anfrage von Radio Südostschweiz sagt, die Umweltverbände würden sich aber bei einem Ja natürlich weiter engagieren und sich die Projekte sehr genau anschauen und sich dazu äussern. Das nächste Wort haben nun am Sonntag die Samnauner Stimmbürger, das letzte Wort in der Sache ist damit aber sicher noch nicht gesprochen. (ofi)

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Wir verbrachten im Oktober nach ca. 20 Jahren wieder mal unsere Herbstferien in Samnaun. Wir waren zutiefst enttäuscht, in welchem Ausmass gebaut worden ist. Auf Alp Trida ist die Gefahr grösser, dass man von einem Lastwagen überfahren wird, als dass man stürzen könnte. Offenbar setzt man in Samnaun nur noch auf den Wintertourismus. Wanderer bleiben je länger je mehr auf der Strecke ... sehr bedauerlich!