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«Lieber ein etwas kürzeres, dafür besseres Netz»

Wanderwege-Präsident Fritz Marti erklärt, warum auch manchmal eine markierte Wanderroute verschwindet oder zeitweise gesperrt ist.

Fridolin
Rast
Mittwoch, 14. November 2018, 04:30 Uhr Wanderwege-Präsident Fritz Marti erklärt
Fritz Marti: «Wir entscheiden nach unserer subjektiven Wahrnehmung.»
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«Wanderweg gesperrt», das ärgert die Wanderer offenbar. Warum passiert es häufiger als früher?

Forstbetriebe oder auch Baufirmen, die in der Nähe von Wanderwegen arbeiten, müssen bei einem Unfall nachweisen können, dass sie über Gefahren informiert und davor gewarnt haben. Es ist sinnvoll und am einfachsten, die Zugänge in ein gefährdetes Gebiet und damit die Wanderwege zu sperren. Allerdings dürfen Wälder bei uns frei betreten werden, und es kann daher nicht das ganze Gebiet gesperrt werden. Wenn ein Wanderer abseits von Wegen geht, ist er allerdings für seine Sicherheit auch selber verantwortlich. Dabei ist es keine gute Idee, in die Nähe von Holzfällern oder Grossmaschinen zu gehen.

Der Verzicht auf gewisse Wanderwege wird gelegentlich heiss diskutiert. Werden Strecken aufgegeben, weil sich die Wandererströme anders bewegen?

Nein, wir haben keine genauen Daten dazu und wollen auch keine Kameras oder Drehkreuze aufstellen. Wir entscheiden nach unserer subjektiven Wahrnehmung und geben weniger attraktive Routen auf, für die es gute Alternativen gibt. Ein Beispiel ist etwa der Weg ins Klöntal via Schlattberg: Seit der Weg dem Löntsch entlang ausgebaut wurde, wird er kaum mehr begangen. Wir folgen damit der Devise der Schweizer Wanderwege, lieber ein etwas kürzeres, aber dafür besseres Netz zu markieren und zu unterhalten. Dieser Qualitätsanspruch bezieht sich auch auf den Anteil geteerter Strecken, und da ist der Kanton Glarus an der zweitbesten Stelle schweizweit. Bei den Aufhebungen geht es nicht einmal in erster Linie ums Sparen, die Gemeinden geben wohl sogar so viel Geld für die Wanderwege aus wie noch nie. So werden auch Sanierungen schwieriger Streckenabschnitte heute aufwendiger, dafür aber wesentlich dauerhafter gemacht wie beispielsweise der vielbegangene Weg von Braunwald ins Bächital, Streckenabschnitte im Mürtschental oder schwierige Passagen zwischen Obstalden und Mühlehorn.

Und dann kommen die aufgegebenen Strecken den Mountainbike-Fahrern zugute?

Das ist möglich, aber kein gewichtiges Argument, Strecken aus dem Wanderwegnetz zu streichen. Wir setzen auf gegenseitiges Verständnis und wollen die Koexistenz von Bikern und Wanderern fördern. Etwa wissen wir, dass Biker im Glarnerland sogenannte Singletrails vermissen. Wir können das sehr gut nachvollziehen und befürworten darum den Bau separater Trails wie des zurzeit im Sackberg geplanten. Dafür erwarten wir, dass unsere Wanderwege nicht als Trainingspisten für Leistungssportler missbraucht werden. Allgemein gesagt: Bei gegenseitiger Rücksichtnahme gibt es wenig Konflikte.

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