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Wenns unten heiss ist, wirds oben eng

Die Bündner Hotellerie jubiliert: Die grosse Hitze hat den Häusern in allen Kategorien mehr Gäste beschert. Teilweise gab es sogar Rekorde.

Olivier
Berger
Donnerstag, 09. August 2018, 06:40 Uhr Zufriedene Hoteliers
Die Gäste kommen in Scharen. Wie am Heidsee tummeln sich derzeit überall im Kanton Kühlungssuchende
BRUNO FLÄCKLIN

Hitsch Leu ist überzeugt: Eine bessere Woche als die vergangene gab es in der bald 100-jährigen Geschichte der Aroser Hörnlihütte noch nie. Und auch sonst brumme der Tourismus im Ort – wegen des heissen Wetters. «Wir haben sehr viele kurzfristige Anfragen», sagt Leu, der in Arosa auch Ferienwohnungen vermietet. «Und das ist wohl auf das Wetter zurückzuführen.»

Seit Mitte Juli brummt es

Leu ist kein Einzelfall. Um rund 15 Prozent hätten die Umsätze im Juli und der ersten Augustwoche in seinem Haus zugelegt, bestätigt Cyrill Ackermann, Direktor des Davoser 4-Stern-Hotels «Grischa». Auch bei Ackermann haben viel Gäste kurzfristig angeklopft und ein Zimmer gesucht. «Dass die Menschen vor der Hitze in die gute Bergluft flüchten, merkt man schon», erklärt der Hotelier. «An den Wochenenden fuhr jeweils ein ganzer Tross von Gästen nach Davos.»

Nach dem erfolgreichen Frühsommer mit markanten Steigerungen im Mai und Juni (Ausgabe vom Dienstag) dürften sich die Bündner Hoteliers auch im Juli und August auf gute Zahlen freuen. «Die ersten beiden Wochen im Juli waren noch etwas verhalten», sagt Ernst Wyrsch, Präsident des Branchenverbands Hotellerie- suisse Graubünden. «Die zweite Julihälfte und der August sind aber ausgezeichnet.»

Für den etwas verhaltenen Start in den Juli hat Andreas Züllig eine einfache Erklärung. «Die Ferien hatten noch nicht überall angefangen», sagt der Inhaber des Hotels «Schweizerhof» in Lenzerheide und Präsident des nationalen Dachverbands Hotelleriesuisse. «Zudem konnte man auch daheim noch grillieren und baden, da haben viele Gäste erst einmal abgewartet, wie sich das Wetter entwickelt.» Spätestens mit dem Ferienbeginn und dem Einsetzen der Brutofenhitze der vergangenen Woche verzeichnete auch das 4-Stern-Haus «Schweizerhof» laut Züllig eine «extrem hohe Nachfrage».

Aufenthalte verlängert

Dass die Hitze den Hoteliers in die Karten spielt, bestätigt auch Heinz Hunkeler, Direktor des 5-Stern-Hotels «Kulm» in St. Moritz. «Wir haben Gäste im Haus, die ihre Abreise schon mehrmals verschoben haben, weil es ihnen daheim zu heiss ist», sagt er. Hunkeler schätzt, dass die Belegung im «Kulm» und dem Schwesterhotel «Kronenhof» in Pontresina in den vergangenen zwei Wochen rund 30 Prozent über dem in dieser Jahreszeit üblichen Stand lagen.

Die Hitze, so Hunkeler, führe auch dazu, «dass Gäste, die sonst im Winter bei uns sind, vermehrt auch im Sommer in die Berge kommen». Im «Kronenhof» buchten derzeit vor allem Schweizer Gäste, im «Kulm» sei die Kundschaft internationaler. Dafür, dass die Hitze die Gäste in die Berge locke, spreche zudem ein anderer Faktor. «Wir haben für unsere Verhältnisse derzeit viele Gäste, die nur einen kurzen Aufenthalt buchen.»

Nicht nur die Spitzenhotellerie bekommt aber die aktuelle Hitzeflucht zu spüren. «Ja, es hat mehr Gäste im Tal», erklärt Thomas Saluz, der in Ferrera das Gasthaus «Edelweiss» führt. Die meisten Besucher führen zwar in Ausserferrera vorbei und suchten in höheren Gefilden nach Abkühlung. «Der eine oder andere hält aber bei uns an.» Profitieren könne er von den Hitzeflüchtlingen vor allem im Restaurant, so Saluz. Das liege aber auch daran, dass sich sein Hotelbereich vor allem bei den Kletterern grosser Beliebtheit erfreue – und die buchten ihren Aufenthalt meist schon etwas im Voraus.

Wie gehts jetzt weiter?

«Schweizerhof»-Hotelier Züllig geht allerdings davon aus, dass der grösste Ansturm von Gästen bereits in der kommenden Woche nachlassen wird. «Dann sind die Ferien in vielen Regionen vorbei, und unsere Gäste kommen vor allem aus der Schweiz und dem grenznahen Ausland.»

Trotz dem baldigen Ferienende bleibt der Bündner Hotellerie-Chef Wyrsch zuversichtlich. «Auch mittelfristig sieht es mit den Reservationen gut aus.» Der Davoser «Grischa»-Hotelier Ackermann ortet aber zumindest im Herbst-Ferienmonat Oktober «noch Potenzial nach oben». Ob dieses Potenzial vom Bündner Tourismus ausgeschöpft werden könne, hänge auch im Herbst vom Wetter ab, so Ackermann.

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