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«Schildbürgerei» kann Klosters über eine Million kosten

Einen neuen Skilift zu bauen, wo zuvor ein Skilift stand, dessen Betrieb sich nicht mehr lohnte, ergibt keinen Sinn. Aber genau das fordert eine Volksinitiative in Klosters. Die Gemeinde warnt vor den Kostenfolgen.

Béla
Zier
Sonntag, 07. Januar 2018, 04:30 Uhr Volksinitiative
Die Gemeinde Klosters will auf diesem Areal, auf dem einst der Heidlift stand, keine neue Anlage erstellen müssen.
OLIVIA ITEM

In Klosters ist der Ausgang von Volksabstimmungen jeweils schwer abschätzbar. So wurde im Januar 2017 aus heiterem Himmel das Budget der Gemeinde abgelehnt. Im vergangenen November verwarf das Stimmvolk mit 68 Prozent das 5-Stern-Hotel «La Montana». Selbst die Projektgegner waren von dem hohen Nein-Stimmen-Anteil überrascht. Diesen März steht nun in Klosters die Abstimmung über eine Volksinitiative an, deren Annahme für die Gemeinde richtig ins Geld gehen würde. Und es wären zum Fenster hinausgeworfene Steuergelder.

Da das Volksbegehren einen Skilift betrifft, bei dem viele Emotionen mit im Spiel sind, ist es völlig ungewiss, auf welche Seite das Pendel beim Urnengang ausschlagen wird. Der Klosterser Gemeindepräsident Kurt Steck hatte im Zusammenhang mit einer allfälligen Umsetzung der Volksinitiative bereits von einer «Schildbürgerei» gesprochen (Ausgabe vom 2. November).

Vom Tal- zum Berglift

«Die Gemeinde sorgt dafür, dass der Heidlift am jetzigen Standort bestehen bleibt und weiter betrieben wird», lautet die Forderung der von einer Einzelperson lancierten Volksinitiative. Diese wurde letzten Oktober mit gerade mal 159 gültigen Unterschriften – neun mehr als erforderlich – von der Gemeinde Klosters als gültig erklärt. Allerdings befand sich besagter Heidlift – ein über lange Jahre im Tal betriebener Bügellift im Besitz der Swiss Ski + Snowboard School Klosters – zum Zeitpunkt der Gültigkeitserklärung der Volksinitiative in Einzelteile zerlegt im Klosterser Madrisa-Wintersportgebiet.

Die Klosterser Skischule hatte nämlich 2016 beschlossen, den Lift der Klosters-Madrisa Bergbahnen AG zu vermachen. Dies, weil man am bisherigen Standort vermehrt mit schneearmen Wintern kämpfen musste, die Besucherzahlen rückläufig waren und der Betriebsaufwand laufend zugenommen hatte. Seit diesem Winter befördert der Heidlift nun Madrisa-Gäste. Logischerweise verunmöglicht dies den Erhalt im Tal. Wesentlich ist, dass es sich bei der Liftanlage um Privateigentum handelt über das die Gemeinde Klosters nicht zu bestimmen hat.

Unfreiwillig als Skiliftbetreiber

Die Volksinitiative verlange nicht zwingend den Erhalt des bisherigen Skilifts am alten Standort. Ziel des Begehrens sei vielmehr, dass am bisherigen Standort weiterhin ein Skilift betrieben werde, hält die Klosterser Exekutive in ihrer Botschaft zuhanden des Gemeindeparlaments fest. Sie gelangt deshalb zum Fazit: «Die Umsetzung dieses Anliegens ist durch die Initiative weiterhin erreichbar.» Das allerdings nur, wenn die Gemeinde am bisherigen Standort einen neuen Skilift baut, betreibt und unterhält.

«Erhöhung der Gästetaxen»

Dass der Klosterser Gemeindevorstand nun der Legislative die Ablehnung der Volksinitiative beantragt, war klar. Mitte Januar berät der Gemeinderat die Vorlage zuhanden des Stimmvolks. Darin sind deutliche Warnungen vor einer Annahme durch den Souverän inklusive der Kostenfolgen enthalten. Müsste der Heidlift neu erstellt werden, wird mit einer Investitionssumme in Höhe von 1,3 Millionen Franken gerechnet. Dies inklusive der zwingend nötigen künstlichen Beschneiungsanlage. Die alljährlich anfallenden Betriebskosten beziffert die Gemeinde auf rund 120 000 Franken.

Diese Kosten «bedeuten eine zusätzliche massive finanzielle Belastung für den Steuerzahler und konsequenterweise auch eine Erhöhung der Gästetaxen», hält die Gemeinde fest. Eine Umsetzung der Volksinitiative würde «jeglicher betriebswirtschaftlicher Vernunft widersprechen». Im Weiteren wird in der Vorlage darauf hingewiesen, dass in Klosters aktuell noch zwei Tallifte bestehen.

Würde das Klosterser Stimmvolk die Volksinitiative im März trotz aller Negativpunkte gutheissen, so müsste die Gemeinde Klosters eine Vorlage ausarbeiten, über welche dann die Stimmberechtigten aufgrund der Finanzkompetenzen abschliessend entscheiden müssten.

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SO titelt:
«Schildbürgerei» kann Klosters über eine Million kosten
ohne aber zu deklarieren, wieviele Millionen im "Schwarzen Loch" des "Tourismus'-Schilda" inzwischen verloch(t) wurden. Gemäss meinen Schätzungen das Mehrfache der vielkritisierten "Spende" an Mayr-Melnhof.