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So endet eine stolze und alte Hotelgeschichte

Das Inventar des ältesten Rapperswiler Hotels, des «Hirschen», wird liquidiert. Bald beginnt im stolzen Haus aus dem Mittelalter der Umbau zu sechs Mietwohnungen – diese dürften bald vermietet sein.

Jérôme
Stern
Freitag, 05. Januar 2018, 04:30 Uhr Umbau zu sechs Mietwohnungen
Einrichtung für wenig Geld: Bei der Liquidation im Rapperswiler Hotel «Hirschen» verkauft Andreas Schnyder Betten, Bilder, Bettwäsche und etliches mehr.
Jérôme Stern

Bis vor wenigen Tagen war es noch ein Hotel. Doch nun beginnt für den «Hirschen» am Rapperswiler Fischmarktplatz eine neue Epoche: In dem ältesten Hotel der Stadt, wo schon 1651 der erste Hotelgast nächtigte, entstehen Mietwohnungen. Geplant ist, die 13 Hotelzimmer zu sechs Wohnungen in verschiedenen Grössen umzubauen. Baubeginn ist Mitte Januar. Doch vor der Bauerei mussten die alten Möbel, Betten, Bilder und tausend andere Hotelutensilien raus. Deshalb gabs am Mittwoch und Donnerstag eine grosse Liquidation des Inventars.

Schnäppchen fürs Brockenhaus

Er fühle sich nicht wehmütig wegen der Hotelschliessung, sagt Andreas Schnyder an diesem Donnerstagmorgen gut gelaunt. Der 59-jährige Hotelbetreiber und Besitzer der Liegenschaft steht hinter der alten Rezeption im zweiten Stock. Auf dem Tresen stehen Telefone, Lampen und ein Radio. «Kleinere Möbel wie Nachttischchen oder Stühle konnten wir gut verkaufen» sagt Schnyder. «Aber die Betten will scheinbar niemand.» Immerhin ist die grosse Waschmaschine verkauft, aber der riesige alte Tumbler nimmt niemand. Er würde das Ungetüm notfalls verschenken, wenn jemand den Transport übernähme.

Dass die Liquidation harzig läuft, zeigt ein Blick in die Hotelzimmer: Betten und Bettwäsche warten in den meisten Zimmern noch auf Interessenten. Während Kauflustige und Neugierige wie Jäger auf der Pirsch durch die Räume streifen, stellt Schnyder ein paar Kunstdrucke in den Flur. Sicher ist: Wer Schnäppchen sucht, ist hier richtig: Ein Doppelbett kostet beispielsweise 200 Franken, dreijährige Flachbildfernseher gehen für 80 Franken weg.

Ursprünglich wollte Schnyder die alten Möbel einem Hilfswerk für Rumänien spenden. Doch die EU-Richtlinien für solche Spenden waren ihm zu aufwendig. «Erstens hätten die Möbel kaum benutzt sein dürfen, zweitens hätte ich zuvor alles reinigen müssen.» Jetzt werde er die Sachen einem Brockenhaus übergeben oder halt entsorgen müssen.

Vermietung ist kein Problem

Vor 17 Jahren hatte Schnyder das Hotel erworben. Das Haus brauchte dank einer umfassenden Renovation des Vorbesitzers bis heute keine grösseren Investitionen. Doch jetzt hätte man beispielsweise sämtliche Badezimmer renovieren müssen. Für ihn war auch deswegen der Zeitpunkt gekommen, eine alte Idee zu verwirklichen – und aus dem Hotel Mietwohnungen zu machen.

«Schon bei Kauf wusste ich, dass ich den Hotelbetrieb nicht ewig machen würde.» Den Plan mit den Wohnungen habe er schon lange gehegt, weil er seine drei Kinder nicht zur Weiterführung des Hotels habe verdonnern wollen. Rund eineinhalb Millionen Franken soll der Umbau laut Schnyder kosten. «Aber beim Bauen wirds schnell teuerer als geplant.» Wegen der Vermietung macht er sich keine Sorgen: «Schon jetzt gibt es einige Interessenten. Und mein Sohn möchte hier auch eine Wohnung.»

Die Hotelszene in Rapperswil-Jona ist im Umbruch
Nach der Schliessung des «Hirschen» sind viele gespannt, wie es mit einem weiteren Traditionshaus in Rapperswil-Jona weitergeht: Das Viersternhotel «Schwanen» an der Seepromenade ist seit gut einem Jahr geschlossen. Man prüfe noch immer alle Optionen, sagt Rechtsanwalt Linus Hofmann als Sprecher der Besitzerfamilie. Sowohl ein Verkauf wie auch eine Verpachtung des Hauses komme infrage. Man werde zu gegebener Zeit über die Zukunft des Hauses kommunizieren, so Hofmann. Neben diesen beiden Schliessungen gibt es auch Pläne für neue Hotels in der Stadt. So planen der Architekt Herbert Oberholzer und der Bauunternehmer Stefano Ghisleni ein Hotel an der Neuen Jonastrasse auf dem Weidmann-Parkplatz. Entstehen soll dort ein fünfgeschossiger Bau mit zusätzlichem Attikageschoss für rund 100 Gäste. Doch obwohl die Baubewilligung seit einem Jahr vorliegt, kommt das Projekt nicht voran. Dies, weil man immer noch auf der Suche nach Investoren ist. Ein weiteres Hotelprojekt gibts von Hans Nef. Der Investor und Hotelbesitzer, der hinter dem geplanten Jona-Center steht, möchte an der Eichwiesstrasse ein Hotel errichten. Laut der «Zürichsee-Zeitung» sind hier rund 160 Zimmer geplant. Die Übernachtungspreise sollen im günstigen Segment liegen. Noch steht hier die Baueingabe aus.

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