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Leise Kraft für steile Lagen

«Kompromisslos elektrisch», lautet das Motto der Elektroantrieb-Pioniere novaziun aus der Surselva. Dass immer mehr Landwirte und Kommunen auf Arbeitsmaschinen mit Elektromotor setzen, ist Resultat von vier Jahren konsequenter Entwicklungsarbeit.

Themenwelten
Bündner KMU-Tag
09.04.26 - 06:00 Uhr

Nahezu geräusch- und vibrationslos einen sehr steilen Hang mähen – noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Heute sind in Berggebieten punktuell vollelektrische Mähmaschinen im Einsatz. Die Idee dafür entstand bereits während des Maschinenbauingenieur-Studiums an der ETH Zürich, erzählt Co-Gründer Daniel Vincenz. «Elektromotoren müssten doch auch in der Landwirtschaft einsetzbar sein», dachte Daniel Vincenz – und der Gedanke liess ihn nicht mehr los. Nach den Elektrifizierungserfahrungen im Unterland gründete er gemeinsam mit drei Kollegen im Jahr 2022 die novaziun AG und verschrieb sich der Elektrifizierung von Baumaschinen, Landmaschinen und Sonderfahrzeuge. Was als Ingenieurvision begann, ist heute ein diversifiziertes Unternehmen mit verschiedenen Geschäftszweigen – von Engineering-Dienstleistungen bis hin zur seriellen Produktion eigener Maschinen. 

Einachser vom Antrieb her neu denken
Das Aushängeschild der novaziun AG ist der monotrac, ein vollelektrischer Einachser für den Einsatz in Landwirtschaft und Kommunen. Sein Anwendungsspektrum ist breit: in Gemeinden als Mulcher, Kehrmaschine, Laubbläser, Schneefräse oder Streuer, in der Landwirtschaft oder im Gartenbau als Mäher, Bodenfräse oder Kreiselegge. «Unser Anspruch war nie, einfach einen bestehenden Einachser zu elektrifizieren», sagt Daniel Vincenz. «Wir wollten die Maschine vom Antrieb her neu denken.» Gleichzeitig sollte der monotrac dort funktionieren, wo konventionelle Maschinen an ihre Grenzen stossen – etwa beim Wildheuen in steilen Berggebieten wie dem Prättigau. Ein zentrales Thema waren Laufzeit und Leistung: Durch den kompromisslosen elektrischen Ansatz ist es dem Team gelungen, den monotrac so zu entwickeln, dass er für eine Einsatzdauer von einem Tag geeignet ist. Bei leichter Arbeit ohne Zwischenladen und bei schwerer Arbeit mit einer Schnellladung über Mittag.  

Als universelles Arbeitsgerät konzipiert
«Mit dem Prototyping begannen wir 2022», blickt Daniel Vincenz zurück. Auf Machbarkeitsstudien folgten Konstruktion und Bau erster Prototypen sowie Praxistests in der Landwirtschaft. Mitte 2024 startete der Aufbau der Montagelinie, begleitet von der Weiterentwicklung zur Serienreife. «Wir begannen damals mit einer Nullserie von zehn Stück», so Vincenz. Parallel entwickelten die Ingenieure mechanische Schnittstellen für verschiedenste Anbaugeräte. Anfang 2025 erreichte der monotrac die Serienreife.

Die Maschine ist als universelles Arbeitsgerät konzipiert: Dank modularer Aufsätze genügt eine einzige Maschine für zahlreiche Aufgaben in Landwirtschaft und Kommunen – angetrieben von einem elektrischen Direktantrieb ohne Hydraulik. Mit bis zu 24 kWh Batteriekapazität ist er fünf bis neun Stunden im Einsatz, lässt sich an der Haushaltssteckdose laden oder per Schnellladung in rund einer Stunde auf 80 Prozent bringen. Pro Jahr spart ein monotrac durchschnittlich bis zu drei Tonnen CO₂ ein; zudem kann die Maschine als mobiler Energiespeicher in Kombination mit einer Photovoltaikanlage genutzt werden. Das Resultat ist eine Maschine, die sicher am Hang arbeitet, lokal emissionsfrei ist und neue Einsatzmöglichkeiten eröffnet. 

Risiken mitdenken
Die Anschaffungskosten sind jedoch gegenüber einem konventionellen Verbrenner deutlich höher: Das Grundgerät kostet um die 50'000 Franken. Eine Maschine mit Vollausstattung, einem grossen Anbaugerät und Spezialrädern ist schnell bis zu 75’000 Franken wert. Bei der Entwicklung des monotracs stellte sich für novaziun deshalb früh die Frage nach der richtigen Versicherungslösung. «Die Maschinen haben einen hohen Wert – gleichzeitig wussten wir, dass wir potenziellen Käufern auch die Gelegenheit geben müssen, die Handhabung der Maschine zu testen.» Novaziun veranstaltet regelmässig Vorführevents, zu denen Landwirte oder Entscheidungsträgerinnen in Kommunen eingeladen werden. An solchen Anlässen wird mit dem monotrac ein Feld umgepflügt oder eine Wiese gemäht. Daniel Vincenz: «Gemeinsam mit Helvetia erarbeiteten wir verschiedene Risikoszenarien beim Transport, in der Vermietung oder beim Vorführen.» Mit einer soliden Versicherungslösung im Hintergrund wurden die Produktion hochgefahren, das Vertriebs- und Servicenetz ausgebaut sowie der Markteintritt in Deutschland, Österreich und den Niederlanden vorangetrieben. Heute sind monotracs in der Schweiz und zunehmend auch im umliegenden Ausland im Einsatz.  

Vom frühen Einstieg in die E-Mobilität 2010 bis zur serienmässigen Produktion 2025 ging novaziun einen Weg, der nur dank technischer Beharrlichkeit und unternehmerischer Weitsicht möglich war. «Heute sehen wir, dass Elektrifizierung im Offroad-Bereich nicht mehr Vision, sondern Notwendigkeit ist», sagt Daniel Vincenz. Manchmal entsteht Innovationskraft eben dort, wo steile Wiesen, Ingenieursdenken und unternehmerischer Mut aufeinandertreffen.  

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Daniel Vincenz, Gründer novaziun · Christian Spescha & Andrea Basig, Helvetia Versicherungen Graubünden

Mi, 20. Mai 2026 · 15.00 – 15.20 Uhr Medienhaus Chur

Wie gelingt eine Unternehmensgründung wirklich? Daniel Vincenz teilt seine persönlichen Erfahrungen mit novaziun – von der Idee bis zum laufenden Betrieb. Christian Spescha und Andrea Basig zeigen, welche Risiken Jungunternehmer von Anfang an im Blick haben sollten und wie die richtige Absicherung stabile Grundlagen schafft.

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