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«Ich bin das ganze Jahr über im Samiklausmodus»

Für Kinder ist dieser Mittwoch einer der wichtigsten Tage des Jahres – der Samiklaustag. Was sich über die Jahre verändert hat und welche Rolle der Schmutzli spielt, erzählt der Samiklaus höchstpersönlich.

Angela
Gross
Mittwoch, 06. Dezember 2017, 10:23 Uhr Seit 25 Jahren unterwegs
Wie sich der Samiklaus auf seinen Tag vorbereitet verrät einer, der seit 25 Jahren als Samiklaus unterwegs ist.

Der Mittwoch ist der Tag, auf den die Kinder gewartet haben. Am Abend zieht der Samiklaus wieder von Haus zu Haus und bringt den braven Kindern ein «Samiklaussäckli» mit Mandarinen und Nüssen. Und den Bösen? Wie sich der Samiklaus auf seinen Tag vorbereitet und was er schon alles erlebt hat, verrät einer, der seit 25 Jahren als Samiklaus unterwegs ist.

Lieber Samiklaus, heute ist dein grosser Tag. Bist du vorbereitet?
Ich bin schon seit einigen Monaten bereit für den Tag. Eigentlich bin ich das ganze Jahr über im Samiklausmodus und beschäftige mich mit den Kindern und Eltern beziehungsweise mit meinen Pflichten als Samiklaus.

Das heisst, die Vorbereitung auf den 6. Dezember nimmt jeweils viel Zeit in Anspruch?
Der Tag braucht sehr viel Vorbereitungszeit. Das macht mir aber nichts aus, da mir das sehr am Herzen liegt. Sobald ich am 6. Dezember bei den Familien in die Häuser komme und die strahlenden Kinderaugen sehe, werde ich für die Arbeit belohnt. Die Stimmung, die von den Kindern ausgeht, ist sehr speziell.

Wie viele Hausbesuche machst du pro Abend?
Meistens besuche ich an einem Abend etwa zehn Familien. Manchmal besuche ich auch Vereine oder Kindergärten, die im Wald auf mich warten. Das sind jeweils sehr besondere Besuche.

Du bist seit 25 Jahren Samiklaus. Kannst du die Samiklausgedichte überhaupt noch hören?
Natürlich. Aus den Kindermündern klingt das immer so schön. Viele Kinder üben ihr Sprüchlein wochenlang auswendig, und sobald der Schmutzli und ich auftauchen, sind sie so nervös, dass sie keinen Pieps mehr rausbringen. Dann sagen sie meistens den Klassiker «Sami Niggi Näggi» auf. Es gibt aber auch solche, die sagen: «Samiklaus du Strossapänner, holsch dini Oranga au im Denner?» (lacht)

Sind die Kinder also etwas mutiger geworden?
Teilweise sind sie das. Das hängt aber auch immer von den Familien ab. Ich finde es aber auch immer schön, wenn die Kinder Musik machen. Vom Trompeten- bis zum Gitarrensolo habe ich schon alles gehört. Durch solche Konzerte geraten der Schmutzli und ich aber jeweils leider etwas unter Zeitdruck.

Hat man als Samiklaus also einen strikten Zeitplan?
Genau. Da wir viele Kinder besuchen möchten, ist alles sehr durchgeplant. Natürlich verlassen wir die Familien aber nicht gerne abrupt. Deswegen haben wir manchmal sehr viel Verspätung. Wir informieren die Familien aber jeweils im Voraus darüber. Das macht der Schmutzli.

Der Schmutzli ist also deine rechte Hand?
Auf jeden Fall. Ohne den Schmutzli geht gar nichts.

Kommt dein Esel auf die Besuche mit oder ist ihm das zu streng?
Unser Esel ist schon sehr alt. Deshalb lassen wir ihn im Fürstenwald. Vor allem, weil er vor dem Verkehr und den vielen Lichtern Angst hat. Auf unserer Tour werden der Schmutzli und ich von freundlichen Eseln auf vier Rädern abgeholt und von Haus zu Haus gefahren.

Welche Hürden muss man als Samiklaus überwinden?
In Zeiten von Multikulti sind oft Sprachkenntnisse wie Italienisch, Französisch und sogar Englisch von grossem Nutzen. Man muss also auch spontan sein. Aber auch das macht mir grossen Spass.

Das heisst, du als Samiklaus musstest auch moderner werden?
Modern war ich schon immer. Oder besser gesagt zeitgemäss. (lacht)

Was war dein schönstes und speziellstes Erlebnis als Samiklaus?
Ein unvergessliches Erlebnis war es, als bei einem Besuch vier Generationen einer Familie dabei waren. Das war ein sehr spezielles Erlebnis für mich, da das auch eher selten vorkommt. Eigentlich sind aber alle Besuche sehr schön und speziell, da sich die Kinder jeweils so unglaublich auf meinen Besuch freuen. Sobald sie die Tür öffnen, hängen sie an meinem Mantel und weichen nicht mehr von meiner Seite. Sobald ich weiter muss, lassen sie mich fast nicht mehr gehen.

Was möchtest du den Kindern mitgeben?
Auf jeden Fall die Nikolausgeschichte, die der Schmutzli und ich den Kindern auch erzählen. Es ist mir wichtig, dass sie die Geschichte vom Teilen kennen. Sie sollen lernen, dass man teilt, wenn es einem gut geht. Natürlich wollen wir den Kindern auch eine schöne Adventszeit bescheren und ihnen sagen, dass sie brav sein sollen.

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